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Das Chaos um die Corona-App(s) | BR24

© dpa-Bildfunk/Matthias Balk

Die Anwendung "Corona-Datenspende" vom Robert Koch-Institut (RKI)

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    Das Chaos um die Corona-App(s)

    Bundesgesundheitsminister Spahn kündigt eine "Quarantäne-App" an. Das Robert Koch-Institut liest mit der "Datenspende-App" Fitnessdaten aus. Und viele hoffen auf eine "Tracing-App", für die es immer noch keinen Starttermin gibt. Ein Überblick.

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    Wir halten Abstand, tragen Maske - und würden wohl auch eine Corona-App auf dem Handy installieren, um uns in so etwas wie Normalität zurückzutasten. Aber eine App, die dabei hilft, das Coronavirus einzudämmen, gibt es noch nicht. Stattdessen erst einmal: Verwirrung, denn mittlerweile sind sogar mehrere Apps im Gespräch.

    Erst am Montag hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) überraschend eine "Quarantäne-App" angekündigt. Bereits im Umlauf ist die "Datenspende-App" des Robert Koch-Instituts. Und die schon vor Wochen angekündigte "Tracing-App" sorgt nun für Streit.

    SPD: Spahn hat ein App-Chaos angerichtet

    "Gesundheitsminister Spahn hat mittlerweile ein ziemliches App-Chaos angerichtet", sagt Jens Zimmermann, digitalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Damit verspiele Spahn das Vertrauen der Bürger. Auch die Opposition sieht die Gefahr, dass der Gesundheitsminister sich verzettelt: "Ich halte es generell für fatal, dass Herr Spahn alle paar Tage eine weitere App ins Spiel bringt", sagt Manuel Höferlin, digitalpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag.

    Ein Überblick über die Corona-Apps:

    • Die "Datenspende-App"

    Diese App ist bereits im Umlauf. Das Robert Koch-Institut sammelt damit Daten von Fitnessarmbändern und Smartwatches ein. Wer die App verwendet, übermittelt zum Beispiel Informationen zur eigenen Aktivität und Herzfrequenz. Diese Daten sollen Hinweise auf Corona-Symptome liefern. Die "Corona-Datenspende" ist freiwillig. Kritiker, unter anderem der Chaos Computer Club, sehen bei der App Nachholbedarf in Sachen Sicherheit und Datenschutz.

    • Die "Quarantäne-App"

    Der Bundesgesundheitsminister beschreibt sie so: Wer in häuslicher Quarantäne ist, könnte seinen Gesundheitszustand mit dieser App direkt ans zuständige Gesundheitsamt melden. Bislang geschieht das am Telefon oder bei Vor-Ort-Besuchen der Behörde. Das Programm könnte also in erster Linie die Arbeit der Gesundheitsämter erleichtern. Spahn will Kommunen ein "digitales Update" bereitstellen. Ob und wie eine "Quarantäne-App" umgesetzt wird, sagte er nicht.

    • Die "Tracing-App"

    Sie ist die am meisten diskutierte Anwendung im Kampf gegen das Coronavirus. Schon vor Wochen angekündigt, doch wann sie an den Start geht, ist immer noch offen. Ziel der "Tracing-App" ist es, ihren Benutzern mitzuteilen, dass sie Kontakt mit Infizierten hatten. Funktionieren soll das so: Über die Bluetooth-Verbindung erkennen sich Smartphones untereinander – und speichern auch, welchen Handys sie für eine längere Zeit sehr nah gekommen sind. Meldet sich ein App-Benutzer als erkrankt, bekommen Kontaktpersonen eine Nachricht. Die Gesundheitsämter könnten so schneller Menschen in Quarantäne schicken und weitere Infektionen verhindern.

    Streit über Datenspeicherung bei europäischer "Tracing-App"

    Am technischen Grundgerüst für die "Tracing-App" arbeitet unter anderem ein Team aus Wissenschaftlern aus mehreren europäischen Ländern. Doch in diesem Team gibt es nun Streit darüber, wo die Daten der Benutzer gespeichert werden sollen. Einige Wissenschaftler haben sich sogar ausgeklinkt.

    Was am Anfang nach einer vorbildlichen, europäischen Lösung mit hohen Datenschutzstandards klang, ist offenbar ins Wanken geraten. Inzwischen haben auch die US-Konzerne Apple und Google angekündigt, gemeinsam eine technische Grundlage für Corona-Apps zu entwickeln.

    Corona-App(s) als Voraussetzung für weitere Lockerungen?

    Sollte die Politik eine App überhaupt zur Voraussetzung dafür machen, dass sie Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen weiter lockert? Bundesgesundheitsminister Spahn hat sich bisher nicht konkret dazu geäußert. Er spricht allgemein von einer "zügigen, technischen Ausstattung des öffentlichen Gesundheitsdienstes“, das sei "Grundvoraussetzung, damit wir weitere Schritte gehen können." Sein Ministerium führe Gespräche mit den Entwicklern, auch in den USA, aber eine "Tracing-App" könne in Deutschland wohl nicht vor Mai an den Start gehen.

    SPD-Digitalpolitiker Jens Zimmermann hält eine "Tracing-App" grundsätzlich für sinnvoll. "Je nachdem, wie sich das Ganze entwickelt, kann das ein wichtiger Baustein für weitere Lockerungen sein, genauso wie das Tragen von Masken und Abstand halten", sagt Zimmermann.

    FDP-Digitalpolitiker Manuel Höferlin pocht auf Schnelligkeit: "Diese App muss jetzt kommen. Nicht, dass am Ende ein Corona-Impfstoff schneller entwickelt ist als eine Corona-App."

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