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Darum vernichten Online-Händler Retouren | BR24

© Tom Weller/dpa

Ein nicht unbedeutender Teil der Ware aus dem Online-Versandhandel geht als Retoure zurück an den Händler.

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    Darum vernichten Online-Händler Retouren

    Wie kann es sein, dass so viele Waren einfach im Müll landen? Im Frühjahr hatte der "Retourentacho" von Wissenschaftlern der Uni Bamberg eine Diskussion ausgelöst. Eine weitere Studie der Uni zeigt nun, aus welchen Gründen Retouren vernichtet werden.

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    Gerade die Vernichtung neuwertiger Waren ruft viel Unverständnis hervor: Warum kann ein Produkt nicht weiterverkauft werden, wenn es doch eigentlich völlig in Ordnung ist? Eine Studie der "Forschungsgruppe Retourenmanagement" der Universität Bamberg hatte eine Debatte zum nachhaltigen Umgang mit Versandretouren ausgelöst. Denn vier Prozent der zurückgesandten Ware wird entsorgt, das entspricht etwa 20 Millionen Artikeln pro Jahr. Im Fokus dabei: große Online-Händler wie Amazon oder Otto. Umweltverbände hatten Kritik geübt und Bundesumweltministerin Schulze hatte angekündigt, eine"Obhutspflicht" einführen, welche die Händler in Sachen Nachhaltigkeit in die Pflicht nehmen soll. Umgesetzt wurde diese Regelung bislang nicht.

    Vernichtung ist die Ausnahme

    Nun haben die Forscher der Uni Bamberg nochmal zu den Ursachen der Vernichtung von Retouren nachgebohrt. Vorneweg: In der Gesamtbetrachtung ist die Vernichtung von Retouren die Ausnahme, nicht die Regel. Aber manchmal kommen Händler um die Vernichtung von Waren nicht herum. Bei etwas mehr als der Hälfte der Retouren (53 %) ist eine Wiederaufbereitung technisch nicht möglich, das sind etwa 10 Millionen Artikel. Das kann auch daran liegen, dass etwa Kleidung kaputt oder ein Elektronikprodukt defekt ist. Dennoch: Es findet Ressourcenverschwendung statt, die nicht stattfinden müsste. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.

    Spenden finden zu selten statt

    In 40 Prozent der Fälle wäre es eigentlich möglich, dass die Ware gespendet wird . Das betrifft 7,5 Millionen Artikel pro Jahr. Nur warum passiert das nicht? Ein Grund ist der steuerliche Nachteil für Unternehmen, der eine Spende unwirtschaftlich macht. Die Umsatzsteuer übersteigt dabei einfach die Entsorgungskosten. Als weiterer Grund wird der bürokratische Aufwand angeführt, eine geeignete Spendenorganisation auszuwählen, v.a. für kleinere Händler. Dazu Studienleiter Björn Asdecker: "Offensichtlich brauchen die Händler mehr Informationen darüber, wer Sachspenden in kleinen Stückzahlen annimmt."

    Dazu kommen für die Händler weitere Gründe, v.a. aus Wirtschaftlichkeit, die etwaigen Nachhaltigkeitsbestrebungen im Weg stehen: zu geringer Warenwert oder fehlende Lagerkapazitäten.

    Marken- und Patentinhaber fordern Vernichtung

    Etwa eine Million Artikel werden aber von Händlern unnötigerweise vernichtet - weil sie es müssen: Einige Marken- und Patentinhaber geben dies den Händlern vor. "Da sich diese Artikel meist in einem sehr guten Zustand befinden, handelt es sich hierbei um eine offensichtliche Ressourcenverschwendung“, sagt Asdecker, Leiter der Forschungsgruppe Retourenmanagement.

    Es braucht Anreize für Nachhaltigkeit

    Weil Kunden bislang nicht wirklich nachvollziehen können, was mit ihren Retouren passiert und Entsorgung oft die günstigere Alternative ist, ist es für Händler derzeit wenig verlockend, den Status quo zu ändern. Die Bamberger Forscher sehen deshalb als mögliche Ansatzpunkte: Anreize schaffen, um Händler zu motivieren, sich aktiv für eine geringe Entsorgungsquote einzusetzen. Das kann z.B. durch die Schaffung eines Nachhaltigkeits-Siegels für das Retourenmanagement geschehen, durch die Verteuerung der Entsorgungsoptionen, oder indem attraktivere Bedingungen für die Spende von Waren geschaffen werden.