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Darum geht es beim Streit zwischen Fortnite und Apple | BR24

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Eines der populärsten Computerspiele der Welt: Fortnite

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    Darum geht es beim Streit zwischen Fortnite und Apple

    Eine Klage, ein Video und viel Tamtam: Epic Games, die Firma hinter dem Computerspiel Fortnite bläst zur Revolte gegen Apple und Google. Andere, darunter Facebook, haben sich dem Protest angeschlossen. Worum geht es in dem Streit?

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    Es ist einer der ikonischsten Werbe-Spots der Fernsehgeschichte: 1984 bewirbt Apple seinen Apple Macintosh mit einem Clip, der auf den Roman "1984" von George Orwell anspielt. Regisseur ist damals Ridley Scott und der gut einminütige Film hat eine klare Botschaft: Apple, das steht für Freiheit, für Individualismus und ist generell ganz anders als der große Konkurrent IBM, der in dem Spot als grauer "Big Brother" dargestellt wird.

    Es geht um viel Geld

    In diesen Tagen ist im Netz ein Clip aufgetaucht, der der legendären Apple-Werbung sehr ähnlich ist. Allerdings sind die Rollen vertauscht. Diesmal ist Apple der graue Bösewicht und die Hoffnung geht aus von einer bunten Spielfigur aus dem populären Computerspiel Fortnite. Knapp fünf Millionen Menschen haben diesen Clip in wenigen Tagen gesehen, der nichts weniger ist als eine Provokation und die Begleitmusik zu einem Konflikt, in dem es um sehr viel Geld geht und um die Frage: Wer hat im Plattformkapitalismus wie viel Macht?

    Denn Apple und Google verlangen 30 Prozent des Umsatzes, den Apps auf ihren Plattformen generieren. Diese Abgabe ist schon seit längerem höchst umstritten, den beiden Unternehmen wird vorgeworfen, ihr weitgehendes Duopol bei Handybetriebssystemen auszunutzen. Der Musikstreaming-Dienst Spotify hat deswegen Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt und nun bläst das Computerspiel Fortnite zur Revolte. Fortnite selbst ist an sich kostenlos, aber generiert Einnahmen über virtuelle Gegenstände, die sich die Spielerinnen und Spieler für echtes Geld kaufen können. Auch auf diese Einnahmen erheben Apple und Google eine Gebühr von 30 Prozent des Umsatzes. Außerdem untersagen die beiden Unternehmen, dass solche Geschäfte außerhalb der eigenen App-Stores stattfinden dürfen.

    Auch Facebook schlägt sich auf die Seite von Epic Games

    Gegen dieses Verbot haben die Fortnite-Macher verstoßen und ihre App so aktualisiert, dass User die obligatorische 30-Prozent-Abgabe umgehen und die Einnahmen so komplett an Epic Games weiterzleiten, der Firma hinter Fortnite. Daraufhin haben Apple und Google Fortnite aus ihren App-Stores entfernt und Epic Games wiederum hat dagegen geklagt und dazu eine PR-Kampagne gestartet. Mittlerweile haben sich andere Firmen dem Protest von Epic Games angeschlossen, darunter auch Facebook.

    Geopolitische Dimension

    Epic Games selbst gehört zu 40 Prozent dem chinesischen Tech-Riesen Tencent. Tencent ist eines der zehn wertvollsten Tech-Unternehmen der Welt und betreibt die in China überaus populäre App WeChat. Somit bekommt der Konflikt zwischen Epic Games auf der einen und Apple beziehungsweise Google auf der anderen Seite, auch eine geopolitische Dimension. Insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass Trump gegen chinesische Apps und Unternehmen vorgehen möchte.

    Goliath gegen Goliath

    Tencent selbst ist auch im Plattformgeschäft tätig und betreibt den "Epic Game Store", eine Verkaufsplattform für PC-Spiele. Mit Hilfe aggressiver Kampfpreise und Gratisangebote drängt das Unternehmen in diesen Markt und lockt auch Entwickler damit, dass es selbst nur eine Gebühr von 12 Prozent vom Umsatzkuchen abzweigt. Tencent geht es möglicherweise also nicht nur darum, mit Fortnite mehr Geld zu verdienen, sondern auch darum, das Plattformgeschäft generell neu zu sortieren. Denn ein Erfolg gegen Apple und Google würde möglicherweise auch andere Plattformen treffen. Allen voran auch Steam, den größten Konkurrenten des Epic Game Stores. Klar ist: In diesem Konflikt stehen sich weniger David und Goliath gegenüber, sondern vielmehr Goliath und Goliath.

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