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Darum droht dem "Drachenlord" jetzt Gefängnis | BR24

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Archivbild von 2018: Die Polizei Mittelfranken bemüht sich um Deeskalation beim "Schanzenfest"

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    Darum droht dem "Drachenlord" jetzt Gefängnis

    Rainer Winkler alias Drachenlord ist für seine Auseinandersetzungen mit seinen Hatern berühmt geworden – im Netz, aber auch in seinem Wohnort in Franken. Nun droht dem berüchtigten Internet-Star wohl eine Haftstrafe.

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    Von
    • Gregor Schmalzried

    Seit Jahren ist der winzige Ort Altschauerberg im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Schauplatz einer bizarren Auseinandersetzung: Auf der einen Seite steht der 31-jährige Rainer Winkler, besser bekannt als "Drachenlord". Auf der anderen Seite eine Netz-Community, für die der Drachenlord zum Kult-Objekt geworden ist und die Winkler immer wieder drangsaliert – sowohl im Netz als auch in der echten Welt.

    Hater pilgern zum Wohnort des Drachenlords

    Rainer Winkler, der seit 2011 auf verschiedenen Video-Plattformen im Netz aktiv ist, hatte im Jahr 2014 in einem außergewöhnlichen Anruf seine Adresse ins Internet gestellt, und einen Hater, der ihm im Netz beschimpft hatte, aufgefordert, ihn dort aufzusuchen. Winklers Haus, das in einem winzigen fränkischen Dorf steht, ist seitdem wiederholt Zielort für “Haider” geworden – so die Selbstbezeichnung der Drachenlord-Follower.

    In ihrer bislang größten Aktion, dem “Schanzenfest” 2018, strömten hunderte junge Menschen in den Ort, um das Haus Winklers “zu stürmen”. Tatsächlich blieb das Event weitgehend friedlich, auch dank eines großem Polizeiansatzes. An anderen Tagen war das nicht so – in den vergangenen Jahren kam es immer wieder auf und rund um das Grundstück von Rainer Winkler zu körperlichen Auseinandersetzungen. Laut BR24-Informationen versucht die Polizei Mittelfranken mittlerweile sogar, der Lage durch vorauseilende Organisation Herr zu werden – zum Beispiel, indem sie an Winklers Geburtstag verstärkte Kräfte in der Umgebung einsetzt.

    Die Videos hören nicht auf

    Winkler stachelt gleichzeitig sein Publikum immer wieder auf, droht Menschen, die negative Kommentare hinterlassen und lädt trotz diverser Sperrungen seiner Accounts weiterhin Videos auf verschiedene Plattformen hoch, darunter auch auf das Porno-Portal xHamster. Da er seinen Lebensunterhalt mit Online-Streaming verdient, ist er von seinem Publikum finanziell abhängig. Doch dieses Publikum besteht fast ausschließlich aus “Haidern”, die sich über ihn lustig machen.

    Der Drachenlord vor Gericht

    Wie abhängig Rainer Winkler von seinem Publikum ist, zeigt sich nun in einem Gerichtsverfahren, in welches der 31-jährige verstrickt ist. Wie die Online-Ausgabe der Nürnberger Nachrichten berichtet, steht Winkler aktuell wegen Körperverletzung bereits zum wiederholten Mal vor Gericht – konkret geht es um einen Fall vom 23. Dezember 2019, an dem er zwei junge Männer tätlich anging, die sich auf sein Grundstück geschlichen hatten.

    Das Amtsgericht hat ihm nun wohl ein Angebot gemacht: Seine Freiheitsstrafe könnte zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn Winkler sich bereit erklären würde, seine Online-Karriere an den Nagel zu hängen und seine IT-Kenntnisse zu einer Umschulung zu nutzen. Tatsächlich legen die Ereignisse der letzten Jahre nahe, dass der Hass-Kult um Winkler sich sehr schnell legen könnte, sobald dieser aufhören würde, sein Publikum mit immer neuen Videos zu versorgen.

    Allerdings hat Winkler dieses Angebot wohl abgelehnt. Bedeutet: Selbst in Corona-Zeiten wird sein Wohnort weiterhin von hartnäckigen “Haidern” heimgesucht werden, so wie am ersten März-Wochenende. Die Polizei stellte zehn Bußgeldbescheide wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz aus. Das Gerichtsverfahren wird sich weiter in die Länge ziehen. Nun, da Winkler den Bewährungs-Kompromiss abgelehnt hat, droht ihm eine Haftstrafe.

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