BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Cyberpunk 2077: Das steckt hinter dem Videospiel-Fiasko | BR24

© CD Projekt Red

Groß gehyped: Das Spiel Cyberpunk 2077

6
Per Mail sharen

    Cyberpunk 2077: Das steckt hinter dem Videospiel-Fiasko

    Das gab es noch nie: Ein Blockbuster-Videospiel eines großen Herstellers wird wieder aus dem PlayStation-Shop entfernt. Der Grund? Das Spiel ist unfertig, sagt PlayStation-Mutter Sony. Aber wie konnte ein derart kaputtes Spiel in den Verkauf geraten?

    6
    Per Mail sharen
    Von
    • Gregor Schmalzried

    Das Videospiel Cyberpunk 2077 sollte eigentlich das größte und beliebteste Videospiel des Jahres werden. Nun, eine Woche nach Erscheinen, zeichnet sich stattdessen ein Desaster ab. In einer beispiellosen Aktion hat Sony das Spiel jetzt aus dem digitalen PlayStation-Marktplatz entfernt und bietet volle Rückerstattung für das unzufriedene Publikum an. Mitten im Weihnachtsgeschäft bricht Sony damit den Verkauf des Blockbuster-Videospiels des Jahres ab.

    Fehler und Abstürze bestimmen die Debatte

    Schon kurz nach Erscheinen des Spiels häuften sich die schlechten Zeichen: Vor allem auf Konsolen, die älter sind als die aktuelle (und ausverkaufte) PlayStation 5, läuft Cyberpunk 2077 nur fehlerhaft. Körperteile sind durch die Kleidung hinweg sichtbar, Spielfiguren scheinen in der Luft zu schweben oder stecken in immergleichen unnatürlichen Bewegungen fest. Und am Schlimmsten: Oft stürzt das Spiel einfach ab. Die Probleme sind so gravierend, dass diese Woche kaum noch über das Spiel und die Story gesprochen würde, sondern hauptsächlich über alles, was darin schief läuft.

    CD Projekt, die Entwickler-Firma von Cyberpunk 2077, kündigte bereits vor ein paar Tagen Rückerstattungen für unzufriedene Spieler an. Doch diese Aktion war nicht mit allen Zwischenhändlern abgesprochen - die Ladenkette GameStop wies ihre Mitarbeiter an, Cyberpunk 2077 nicht zurückzunehmen. Auf das Chaos im Spiel folgte ein Chaos in der echten Welt.

    Großer Hype - Große Enttäuschung

    Für viele Videospiel-Fans ist das Drama um Cyberpunk 2077 der traurige Höhepunkt einer Entwicklungsgeschichte, die von Kontroversen geprägt ist. Cyberpunk 2077 ist das erste große Videospiel, das der beliebte polnische Spiele-Entwickler CD Projekt seit 2015 veröffentlicht hat - das letzte, The Witcher 3, gilt gemeinhin als eines der besten Videospiele aller Zeiten. Die Vorfreude war deshalb groß, die Erwartungen gigantisch.

    Doch schon Anfang des Jahres schlug die Stimmung um: CD Projekt kündigte an, anders als versprochen doch “Crunch” einzusetzen - eine umstrittene Praxis in der Videospiel-Branche, bei der kurz vor Veröffentlichung besonders viele Arbeitsstunden von dem Entwickler-Team gefordert werden. Zudem wurde der Veröffentlichungstermin ganze dreimal verschoben - ursprünglich sollte es schon im April 2020 erscheinen, letztendlich wurde daraus Dezember. Alles - so CD Projekt - um dafür zu sorgen, dass das Spiel tatsächlich in fertigem Zustand ausgeliefert werden kann.

    Ist Cyberpunk 2077 noch zu retten?

    Doch trotz all dem scheint CD Projekt nun doch ein quasi unfertiges Spiel veröffentlicht zu haben, welches für einen großen Teil des Publikums kaum spielbar ist. CD Projekt hat bereits angekündigt, das Spiel mit weiteren Updates reparieren zu wollen - auch das kommt in der Videospiel-Branche häufig vor. Doch dass ein Spiel zur Veröffentlichung so kaputt ist, dass es aus offiziellen Stores verbannt wird - das ist eine neue Dimension.

    Was für das polnische Unternehmen ein Triumph sein sollte, wird langsam aber sicher zur Katastrophe. “Wir haben die Größe und Komplexität der Probleme unterschätzt, wir haben die Zeichen ignoriert, dass wir noch mehr Zeit brauchten, um das Spiel auf den Basis-Versionen der letzten Konsolengeneration zu verbessern”, gab CD Projekt-Chef Adam Kicińsk in einem internen Dokument bereits zu. Noch gibt es Hoffnung, dass man mit einigen Updates das Ruder herumreißen kann. Aber es steht viel auf dem Spiel. Der Aktienkurs von CD Projekt ist seit letzter Woche stark eingebrochen.