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Hände auf Computertastatur

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    Cyberkriminelle nutzen Corona für Angriffe

    Arbeiten und Lernen von zu Hause, Einkaufen im Netz, Videokonferenz mit Freunden: In der Pandemie hat sich unser Leben weiter ins Digitale verlagert. Welche Risiken das mit sich bringt, hat das Bundeskriminalamt jetzt beschrieben.

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    Von
    • Björn Dake

    Die Gefahr ist nicht virtuell, sondern ganz real. Darauf weist Carsten Meywirth hin. Er ist Abteilungsleiter Cybercrime beim Bundeskriminalamt (BKA). Bei einer Fachkonferenz in Berlin schildert er, welche Folgen Cyberangriffe in der realen Welt haben können: Kreditkarten werden gesperrt, Krankenhäuser müssen schließen, Lernplattformen brechen zusammen. Die Corona-Pandemie hat laut Meywirth jeden Tag neue Gelegenheiten für Straftaten eröffnet.

    Attacken auf Impfstoffproduzenten

    Das BKA hat während des zweiten Lockdowns Ende 2020 eine deutliche Zunahme von Cyberangriffen registriert. Sie richteten sich etwa gegen Lernplattformen, Impfportale oder Homeoffice-Server. Auch die Produzenten von Impfstoffen und ihre Zulieferer seien verstärkt ins Visier von Cyberkriminellen geraten.

    Im sogenannten Bundeslagebild des BKA heißt es: "Die Corona-Pandemie zeigt den opportunistischen Charakter von Cyber-Kriminellen: Es werden jene angegriffen, welche für die Gesellschaft einen hohen Stellenwert besitzen."

    Zahl der Straftaten im Netz steigt

    Die Zahl der über das Internet begangenen Straftaten ist im vergangenen Jahr insgesamt um 8,7 Prozent gestiegen auf insgesamt mehr als 320.000 Fälle. Dazu zählen die Ermittler Drogenhandel im Darknet, Onlinebetrug und Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern.

    Mehr als 108.000 Fälle wertet das BKA als Cybercrime im engeren Sinne. Es verzeichnet im Vergleich zu 2019 einen Anstieg um knapp acht Prozent. Dazu zählen sogenannte DDoS-Attacken, die durch massenhafte Anfragen einen Server überlasten sollen. Weltweit registrieren die Ermittler 137.000 solcher Attacken täglich. Oder aber Kriminelle legen über Schadprogramme Computersysteme lahm und erpressen Lösegeld.

    Die Ermittler sehen auch, dass ein eigener Untergrundmarkt entstanden ist, auf dem Werkzeuge für Cyberangriffe oder gestohlene Identitäten angeboten werden.

    Angriffe bleiben oft unbemerkt

    Die Statistik umfasst nur die angezeigten Straftaten. Das BKA geht davon aus, dass viele Cyberangriffe gar nicht bemerkt oder gemeldet werden. Firmen bangen zum Beispiel um ihren guten Ruf und verheimlichen deshalb eine Attacke.

    Die Cyberermittler rufen Unternehmen und Bürger auf, genau auf die eigenen Daten im Internet zu achten. Das fängt schon damit an, Mailanhänge und Links nur von vertrauensvollen Absendern zu öffnen. Wichtig sei die Polizei zu informieren, wenn man Opfer einer Straftat geworden ist. Auch wenn nicht sofort ein finanzieller Schaden zu erkennen sei, so können beispielsweise mit gestohlenen Identitäten weitere Straftaten im Netz verübt werden.

    Ermittler können nur ein Drittel der Straftaten aufklären

    Die Ermittler beobachten, dass Cyberangreifer immer professioneller vorgehen und ihre Spuren besser verwischen können. Nicht mal ein Drittel der registrierten Straftaten kann aufgeklärt werden. Damit ist die Aufklärungsquote nur halb so hoch wie in anderen Kriminalitätsfeldern.

    Ein Grund ist laut BKA-Abteilungsleiter Meywirth, dass Täter international agieren und oft nur schwer auszumachen seien. Deutschland stehe im Zentrum vieler Angriffe durch seine Wirtschaftskraft, die Lange im Zentrum Europas und den Einfluss in EU und NATO.

    Als Erfolg sehen die Ermittler den Schlag gegen die Emotet-Betreiber Ende Januar 2021. Laut BKA wurde allein in Deutschland durch Infektionen mit der Malware Emotet oder durch nachgeladene Schadsoftware ein Schaden in Höhe von mindestens 14,5 Millionen Euro verursacht.

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