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Creator Economy - Mit Newsletter und Podcasts Geld verdienen | BR24

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Bildrechte: Rice and Shine

Das Medienmagazin: Creator Economy: Mit Newsletter Geld verdienen im Journalismus? / Wissenschaftsjournalismus in Coronazeiten: Das Medienlabor des Journalistinnenbundes - und weitere Themen.

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Creator Economy - Mit Newsletter und Podcasts Geld verdienen

In den USA haben namhafte englischsprachige Journalisten ihre Arbeitgeber verlassen, um sich mit bezahlten Newslettern selbstständig zu machen - und das mitten in der Corona-Krise. Der Trend der "Creator Economy" kommt im deutschen Journalismus an.

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Von
  • Christian Orth

Mit Podcasts und Newsletter mit eigenen Inhalten in den Medien Geld verdienen. Das ist die Creator Economy. Zunehmen engagieren sich dafür Journalisten in Deutschland.

2018: Minh Thu Tran und Vanessa Vu studieren an der Deutschen Journalistenschule in München, als ihnen die Idee zu "Rice and Shine" kommt, einem Podcast für vietdeutsche Geschichte und Perspektiven. Es sei zunächst ein Freizeitprojekt gewesen, sagt die in Illertissen aufgewachsene Minh Thu Tran, ohne konkretes Ziel, dafür als Antwort auf ein konkretes Bedürfnis:

"Wir wollten den Podcast machen, den wir gebraucht hätten, als wir Teenager waren." Minh Thu Tran, Podcasterin Rice and Shine

36 Folgen gibt es inzwischen von "Rice and Shine“, 11.000 Menschen folgen dem Projekt inzwischen auf Instagram, mit jeder Podcast-Folge erreichen Minh Thu und Vanessa durchschnittlich 5.000 bis 8.000 Hörerinnen und Hörer. Gute Zahlen für ein Independent-Projekt, das für die Community da sein will, also mehr als ein Podcast. Der Arbeitsaufwand ist hoch: "Eine Woche im Monat geht mindestens für Rice and Shine drauf“, sagt Minh Thu Tran.

Dabei arbeiten beide inzwischen Vollzeit als Journalistinnen, Minh Thu für die ARD, Vanessa Vu für Zeit Online. Immerhin: Inzwischen unterstützen 300 Menschen ihre zusätzliche Arbeit auch finanziell, mit Beträgen zwischen 2,50 Euro und 100 Euro - auf der Berliner Plattform Steady. 

Finanzierung durch den "Verlag für die Hosentasche"

Steady ist ein Start-up aus Berlin. Gründer und Geschäftsführer Sebastian Esser nennt die Plattform einen "Verlag für die Hosentasche“. Steady liefere alle technischen Tools, die Medienmacher bräuchten, um ihre Inhalte zu distribuieren und Geld zu verdienen.

Esser kennt beide Seiten des Geschäfts. Der Journalist hat 2014 das Online-Magazin Krautreporter gegründet, das in der Medienbranche neue Wege aufgezeigt hat. Die 20 Redakteurinnen und Redakteure sind als Genossenschaft organisiert und finanzieren sich über die mehr als 15.000 Mitglieder, werbefrei.

Plattformen behalten Teil der Mitgliedsbeiträge ein

Steady und andere große Plattformen wie Substac oder Revue öffnen dieses Prinzip nun für alle. Und verdienen auch damit. Das Geschäftsmodell: Creator wie Minh Thu Tran und Vanessa Vu liefern die Inhalte, die Plattformen kümmern sich um den Rest - und behalten dafür einen Teil der Mitgliedsbeiträge ein. Bei Steady sind es 10 Prozent vom Umsatz.

1.200 journalistische Angebote gibt es inzwischen auf Steady, 120.000 Mitglieder bezahlen dafür. Alle fünf Wochen überweist Steady insgesamt rund eine Million Euro an die Medienmacher. "Die Creator Economy", sagt Esser, "können wir in unserem Dashboard jeden Morgen live angucken."

Wenige deutsche Journalisten wollen unternehmerisch tätig sein

Um als Creator erfolgreich zu sein, müssten sich Medienmacher nicht nur um die Inhalte, sondern auch um das Unternehmerische kümmern, sagt Thierry Backes. Der Journalist aus München hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Im deutschen Journalismus sei das unüblich:

"Deutsche Journalisten fühlen sich sehr wohl in den Verträgen, die sie haben, bei den großen Verlagen, bei den Öffentlich-Rechtlichen." Thierry Backes, Journalist

In den USA sei das anders. Dort haben bereits namhafte Journalisten wie Glenn Greenwald oder Anne Helen Petersen ihre publizistische Heimat verlassen, um bezahlte Newsletter zu schreiben - mit Erfolg. Zwei Voraussetzungen sind aus der Sicht von Thierry Backes entscheidend: viele Follower in den sozialen Netzwerken und ein sehr spitzes Themengebiet.

1.000 Fans reichen für den Lebensunterhalt

"Man braucht eigentlich nicht mehr als tausend Leute, die einen so richtig gut finden, um davon leben zu können", glaubt Steady-Gründer Sebastian Esser. Thierry Backes rät deutschen Journalisten dazu, es einfach mal auszutesten - nebenberuflich, mit wenig Risiko. Als Experte in einem Themengebiet könnten Journalistinnen und Journalisten dann nicht nur durch Mitglieder, sondern auch mit Vorträgen, Webinaren oder Panels Geld verdienen. So wie Minh Thu Tran, die inzwischen Podcastseminare an der TU Dortmund gibt und regelmäßig für Panels und Podien angefragt wird.

Zumindest langfristig könnte der Trend aber doch zur Herausforderung für große Verlage und öffentlich-rechtliche Medien werden, glaubt Thierry Backes: Ein "Krieg um Talente", der in anderen Branchen bereits voll im Gange sei, stehe bevor.

Forbes startet Programm, um Journalisten zu halten

Lösungsansätze kommen - natürlich – ebenfalls aus den USA. Das Business-Magazin Forbes bietet Autorinnen und Autoren in Zukunft die Möglichkeit, den Job bei Forbes zu behalten und zusätzlich einen eigenen bezahlten Newsletter zu schreiben - den Gewinn müssen sie sich mit Forbes teilen. Ein Modell, das die Sicherheit des festen Arbeitsplatzes mit der Freiheit der Selbstständigkeit kombinieren will – und das es in Deutschland so noch nicht gibt. Journalistinnen wie Minh Thu Tran und Vanessa Vu werden aber auch so weitermachen - denn das Geld steht für sie ohnehin nicht im Vordergrund – noch nicht:

"Also wir machen diesen Podcast wirklich für die Community und für die Sichtbarkeit von asiatischen Lebensrealitäten hier in Deutschland. Aber nicht wirklich, um Geld zu verdienen. Vielleicht sollten wir umdenken (lacht)." Minh Thu Tran, Günderin von "Rice and Shine"

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