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Fake-Ticker: Bleiberecht für Asylbewerber wegen Corona? | BR24

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Der bayerische Bundestagsabgeordnete Martin Sichert verbreitet auf seiner Facebook-Seite eine Falschmeldung

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    Fake-Ticker: Bleiberecht für Asylbewerber wegen Corona?

    Gerüchte und Falschmeldungen zu Corona verbreiten sich so schnell wie das Virus selbst. Der #Faktenfuchs überprüft laufend Behauptungen. Alle aktuellen Faktenchecks zum Corona-Virus gibt es hier in diesem Blog.

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    Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 hat Deutschland im Januar erreicht. Seither steigen die Zahlen der Infizierten. Viele Menschen sind verunsichert. Gerade im Internet und den sozialen Netzwerken verbreiten sich Gerüchte, Verschwörungstheorien und Mutmaßungen. Dafür braucht es nicht viel: Ein einzelner Nutzer kann eine Falschbehauptung in die Welt setzen – wenn andere sie aufgreifen, verbreitet sie sich schnell weiter. Der #Faktenfuchs sammelt die Gerüchte hier und klärt auf, was wirklich stimmt.

    09. April: Nein, Asylbewerber erhalten nicht "ohne Wenn und Aber" ein Bleiberecht

    In einem Facebook-Post behauptet der bayerische Bundestagsabgeordnete Martin Sichert (AfD), dass Asylbewerber derzeit "ohne Wenn und Aber ein Bleiberecht und eine lebenslange Alimentierung vom deutschen Sozialstaat" erhielten. Dabei handelt es sich um eine Falschmeldung, wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) auf BR24-Anfrage mitteilt.

    Anlass für Sicherts Äußerung ist ein Bericht auf dem Online-Portal "Tichys Einblick". Sichert hatte den Artikel in seinem Facebook-Post verlinkt. In dem Artikel wird über eine Aussetzung der Zustellung negativer Asylbescheide berichtet. Das Bundesamt verzichte aktuell auf die Zustellung, da es aufgrund der "Corona-Pandemie und der zur Verhinderung einer weiteren Verbreitung ergriffenen Maßnahmen schwierig sein kann, eine Rechtsberatung oder anwaltliche Vertretung in Anspruch zu nehmen".

    Sprich: Aufgrund der Kontaktbeschränkungen können Asylbewerber keinen Kontakt zu Anwältinnen oder Anwälten aufnehmen. Um ein rechtsstaatliches Verfahren sicherzustellen, muss der Zugang zur Rechtsberatung jedoch gegeben sein.

    Ein Sprecher des BAMF betont auf BR24-Anfrage, dass Menschen keinesfalls „ohne Wenn und Aber ein Bleiberecht“ erhalten:

    "Das BAMF trifft auch weiterhin Asylentscheidungen. Ablehnende Bescheide werden etwas später zugestellt. Das bedeutet nicht, dass jeder Antragstellende automatisch Schutz bekommt." Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

    Aufgrund der Corona-Pandemie und der dadurch geltenden Kontaktbeschränkungen hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BaMF) bereits am 20. März beschlossen Anhörungen von Asylbewerbern nicht mehr persönlich durchzuführen.

    Auf die Frage wann das BaMF zum regulären Betrieb zurückkehren könnte, heißt es: "Das Bundesamt wartet die weitere Entwicklung der infektionsschutzrechtlichen Vorgaben ab und wird seine Anhörungspraxis bei Bedarf hieran anpassen."

    8. April: Fest mit 50.000 Muslimen findet nicht statt

    Eine BR24-Userin hatte behauptet, in Dortmund würde zur Fastenzeit der Muslime auch in diesem Jahr das sogenannte dreiwöchige "Festi Ramazan" mit über 50.000 Menschen (01.05 - 24.05.2020) auf engstem Raum stattfinden. Andere User posteten dazu einen Artikel eines rechten Blogs, in dem ebenfalls behauptet wurde, das Fest fände auch in diesem Jahr trotz Corona-Beschränkungen statt. Das ist schlichtweg falsch. Die Stadt Dortmund hat am Montag via Twitter erneut darauf hingewiesen, dass der Veranstalter das Fest – der Stadt gegenüber – schon vor einiger Zeit abgesagt hatte.

    Wie der WDR berichtete, steht die Entscheidung bereits seit vergangener Woche fest. Allerdings sei es zu Irritationen gekommen, weil der Ausrichter die Absage auf der Internetseite des Festes erst am Dienstag bekanntgegeben hatte. Laut Veranstalter gebe es dafür aber eine Erklärung. Der Homepage-Administrator habe die letzten Wochen im Ausland in Quarantäne verbracht. Wie die Veranstalter auf BR24-Nachfrage bestätigten, soll das nächste "Festi Ramazan" erst im Jahr 2021 stattfinden.

    © BR

    Falsche Behauptung: Das "Festi Ramadan" in Dortmund findet in diesem Jahr nämlich nicht statt.

    07. April: Unbestätigt - Arzt aus den USA behauptet Medikament mit fast 100 Prozent Heilungsquote für Corona zu haben

    In einem offenen Brief an den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump behauptet der Arzt Vladimir Zelenko aus dem Bundesstaat New York eine Behandlungsmethode entwickelt zu haben, die zu einer angeblich fast 100-prozentigen Erfolgsquote bei der Behandlung von Covid-19 Patienten geführt habe. Dazu verabreiche er fünfmal täglich einen Mix aus Hydroxychloroquin, Azithromycin und Zinksulfat.

    In Deutschland griff das Online-Portal "Epoch Times" die Meldung auf. Das Portal berichtet darüber, dass der Arzt "699 Patienten von 700 erfolgreich behandelt hat". Die Behauptung wird in dem Beitrag zunächst nicht hinterfragt. Später im Text heißt es, dass "Kritiker sowohl Dr. Zelenko als auch US-Präsident Trump beschuldigen, wissenschaftlichen Ergebnissen vorauszueilen".

    Richtig ist, dass die Forschung unter anderem auf das Mittel Hydroxychloroquin setzt. Weltweit halten Forscherinnen und Forscher diesen Wirkstoff, der unter anderem bei der Behandlung von Malaria eingesetzt wird, für besonders aussichtsreich. Abschließende Studien zur Wirksamkeit liegen jedoch noch nicht vor. Zugleich sind die Nebenwirkungen und Gefahren einer möglichen Behandlung in der Wissenschaft bekannt.

    Weite Verbreitung fanden die Behauptungen unter anderem weil Donald Trumps persönlicher Rechtsanwalt, der ehemalige Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani, den Blogpost zu Vladimir Zelenkos "Erkenntnissen" auf Twitter teilte.

    Die US-amerikanischen Faktenchecker von "Snopes" sind den Behauptungen zu Dr. Zelenko nachgegangen. Sie schreiben, dass Zelenko kein Studiendesign vorlegt und seine Daten nicht zugänglich macht, weswegen seine Arbeit nicht kritisch überprüft werden könne. Entsprechend beurteilen die Faktenchecker von Snopes die Behauptung als "unbestätigt".

    7. April - Sagt die Serie "My Secret Terrius" von 2018 die jetzige Corona-Pandemie voraus?

    Eine südkoreanische Serie auf Netflix aus dem Jahr 2018 soll den aktuellen Coronavirus-Ausbruch vorhergesagt haben. Diese Behauptung verbreitet sich über diverse Social Media-Kanäle. Über Twitter zum Beispiel, wie eine einfache Suche zeigt, aber auch über Whatsapp, wie uns ein Leser schrieb. Er bat um einen Faktencheck. "Ich finde es beunruhigend und kann nicht glauben, dass es echt ist", schrieb er uns.

    In der Folge 10 der ersten Staffel von "My Secret Terrius" wird über Coronaviren gesprochen. Daraus ziehen einige Schlüsse, die nicht haltbar sind. Zu den Gerüchten gehört, das Virus sei absichtlich verändert worden, um tödlicher zu sein; oder dass das Virus vor dem Ausbruch bekannt gewesen sei und man die Bevölkerung ihm absichtlich ausgeliefert habe.

    Diverse Gruppen von Faktencheckern haben diese Behauptungen bereits widerlegt, etwa Mimikama oder Snopes. Die Serie ist erstens Fiktion und greift zweitens darauf zurück, dass die Familie der Coronaviren tatsächlich schon länger bekannt ist. In der Serie wird aber nicht von dem tatsächlich kursierenden und neuartigen Sars-Cov-2 gesprochen.

    © BR Grafik

    Zum Beispiel auf Twitter verbreiten sich Gerüchte zu "My Secret Terrius"

    7. April: Wegen zu viel Falschinformation schränkt Whatsapp Weiterleitungsfunktion ein

    WhatsApp hat in einem Eintrag des Unternehmens-Blogs angekündigt, die Funktionsweise des Messengers zu ändern. Nun soll es Nutzern nur noch möglich sein, eine Nachricht an eine Person weiterzuleiten. Grund für diesen Schritt sei die "Verbreitung von Fehlinformationen" rund um die Corona-Pandemie.

    Unter Experten gelten Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Telegram derzeit als Hauptverbreitungsweg von Desinformation. Schon in den vergangenen Jahren hatte WhatsApp auf die Kritik reagiert und sowohl die Gesamtzahl an Teilnehmern von WhatsApp-Gruppen limitiert als auch die Weiterleitungsfunktion adaptiert: Wenn eine Nachricht öfter als fünfmal weitergeleitet wurde, hat WhatsApp sie mit einem Doppelpfeil-Symbol versehen.

    Facebook, der Mutterkonzern von WhatsApp, geht derweil andere Wege. Erkennen die Faktenchecker von Facebook Falschinformationen auf der Plattform, so werden diese gekennzeichnet. User müssen einen Hinweis, dass es sich um Falschinformation handelt, zuerst wegklicken.

    YouTube, ein Tochterunternehmen von Google, blendet unter Videos mit Corona-Bezug eine Weiterleitung zur Homepage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ein.

    © Screenshot/ BR24 Grafik

    Gerüchte und Falschmeldungen zu Corona verbreiten sich so schnell wie das Virus selbst. Der Faktenfuchs checkt sie laufend.

    2. April: Nein, im Klinikum Rechts der Isar ist nicht "alles ruhig" - aber es ist auch "nicht überlastet"

    In einem Video, das derzeit über Messaging-Dienste wie Telegram verbreitet wird, behauptet eine Frau, dass im Münchener Klinikum Rechts der Isar "alles ruhig" und "alles entspannt" sei. Die Frau, die sich selbst mit dem Smartphone filmt, steht nachts vor dem Haupteingang des Klinikums. Als Beweis gibt sie an mit zwei Krankenschwestern gesprochen zu haben, die ihr bestätigt hätten, dass die Situation ruhig sei.

    Trotz der Aufforderung nicht zu filmen, befragt die Frau einen Mitarbeiter des Klinikums am Haupteingang, der ebenfalls angibt, dass das Klinikum nicht überlastet sei. Die Frau scheint das als Beweis für eine angebliche Panikmache im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zu werten.

    Auf Nachfrage von BR24 bestätigt eine Sprecherin des Krankenhauses, dass das Video mittlerweile bekannt sei. Man habe sich auf Facebook zu dem Fall geäußert. Es handle sich um eine Falschinformation.

    Denn: Es herrsche kein Chaos, aber man nehme die Corona-Pandemie durchaus wahr, so eine Sprecherin. Bereits vor Wochen habe man angefangen sich auf die Corona-Pandemie einzustellen und entsprechende Vorbereitungen getroffen, um "Intensivpatient*innen aller Art entsprechend zu versorgen", so die Sprecherin.

    Aktuell (Stand 1. April) behandle das Klinikum "70 Patient*innen mit Covid-19", davon seien "gut ein Drittel davon auf der Intensivstation", so die Sprecherin weiter. man habe jedoch "Kapazität für wesentlich mehr Patient*innen."

    Die aktuellen Kapazitäten des Klinikums Rechts der Isar sowie zahlreicher weiterer Krankenhäuser finden sich auf einer vom Robert Koch Institut initiierten Homepage. Die Seite wird laufend aktualisiert.

    1. April: Verkürzung der Sommerferien in Bayern ist Fake

    In den sozialen Medien kursiert der Screenshot eines vermeintlichen Spiegel-Artikels. Allerdings sind nur drei Zeilen zu lesen, darin heißt es, Zitat: "Aufgrund des durch den Coronavirus ausgefallenen Unterrichts in den 3 Wochen vor Ostern, haben sich der Kultusminister zusammen mit der Staatsregierung auf eine Kürzung der Sommerferien an bayerischen Schulen um 3 Wochen geeinigt." Bei dem Screenshot handelt es sich um einen Fake.

    Bayerns Kultusminister Michael Piazolo äußerte sich in einer Pressemitteilung: "Derartige missglückte Aprilscherze mitten in der Corona-Krise sorgen nur für Unruhe und Verunsicherung. In einer Zeit, in der alle Beteiligten auf verlässliche Informationen und Unterstützung seitens der staatlichen Behörden angewiesen sind, sind solche Aktionen unverantwortlich." Auch der "Spiegel" warnte vor dem Fake-Screenshot. Einen solchen Artikel habe es auf der Seite des Magazins nie gegeben:

    1. April: Video von rechtem Blogger über Berliner Klinikum ist Desinformation

    Im Netz verbreitet sich ein Video des rechten Bloggers Billy Six. In dem Video filmt Six einen leeren Aufenthaltsbereich des Berliner Virchow-Klinikums, eine Zweigstelle der Charité. In dem Video behauptet der rechte Blogger, dass die Corona-Krise von Politik und Medien übertrieben werde, da im Klinikum "gar nichts los" sei. Auf Nachfrage erklärt eine Sprecherin der Charité: "Die Aufnahmen sind tatsächlich am Campus Virchow-Klinikum entstanden, jedoch handelt es sich hierbei nicht um die Charité-Untersuchungsstelle für Covid-Verdachtsfälle."

    Die Charité-Untersuchungsstelle befinde sich in einem extra separierten Gebäudeteil am Campus Virchow-Klinikum. Nur dort würden COVID-19-Testungen durchgeführt, zur Zeit seien es täglich rund 100 Fälle. Die Untersuchungsstelle ist nur eine von insgesamt acht Corona-Untersuchungsstellen in Berlin. Die Aufnahmen des Bloggers seien ohne Genehmigung der Charité erfolgt, man habe deshalb bei den zuständigen Behörden Strafanzeige gestellt.

    Das Video von Billy Six hatte mehrere hunderttausend Abrufe und wurde wiederholt von Youtube und Facebook aufgrund von Verstößen gegen die Community-Regeln gelöscht. Kopien davon verbreiten sich weiter. Die Kollegen des ZDF bezeichnen Six' Video als "voll von Verschwörungstheorien, Halbwahrheiten, wissenschaftlich nicht bewiesene Behauptungen und Stimmungsmache gegen die sogenannten Staatsmedien."

    © Quelle: Screenshot Youtube

    Ein rechter Blogger betreibt mit einem Video über ein Berliner Klinikum Desinformation.

    31. März: Deutsche Saisonarbeiter aus Tiroler Skigebieten nach Mittenwald gebracht

    Aktuell verbreitet sich in den sozialen Medien ein Video, in dem ein Mann mit dem Auto von Österreich in Richtung Mittenwald unterwegs ist. Im Video sieht man einen Polizeiwagen und mehrere Busse auf der Straße in Richtung Deutschland fahren. Wer der Fahrer des Autos ist, sieht man nicht, die Kamera ist auf die Straße gerichtet. Der Mann behauptet, dass er in den Bussen "lauter schwarze Köpfe" sehe und empört sich: "Wir werden eingesperrt in Deutschland, in ganz Europa und dieses Volk darf ohne Probleme rüberfahren und noch mehr Krankheiten mitbringen." Das ist falsch. In den Bussen sitzen deutsche Saisonarbeiter, die in den Tiroler Quarantäne-Gebieten um St. Anton und Ischgl gearbeitet hatten.

    © BR

    Am Montag wurden deutsche Saisonarbeiter aus Tirol in Bussen zurück nach Deutschland gebracht. In einem Video wird etwas anderes behauptet.

    Der Bayerische Rundfunk hat am Montag darüber berichtet, wer in den Bussen saß und weshalb es eine Ausnahmeregelung für den Grenzübertritt gab. Unter anderem BR-Reporter Martin Breitkopf, der selbst bei den Grenzkontrollen mit dabei war, erhielt das betreffende Video gleich auf mehreren Wegen.

    Die Deutsche Botschaft in Wien hatte den Transport für die deutschen Saisonarbeiter am Sonntag organisiert und angekündigt.

    30. März: Schwarzer Patient in Italien nicht behandelt - Video ein Jahr alt, keine Verbindung zu Corona

    Aktuell verbreitet sich auf Twitter ein Video aus Italien. Es zeigt einen schwarzen Patienten. In dem Tweet heißt es, der Mann werde trotz einer Corona-Erkrankung in einem italienischen Krankenhaus nicht behandelt. Auf dem Video in dem Tweet ist zu hören, wie ihn mutmaßlich das medizinische Personal rassistisch beleidigt und ihm sogar den Tod wünscht. Das Video wurde hunderttausende Male abgerufen.

    Doch das Video ist bereits über ein Jahr alt. Es zeigt den jungen Ivorer Souleymane Rachidi (heute 21 Jahre alt, seit fünf Jahren in Italien), der am 24. Februar 2019 wegen Brustschmerzen in das Krankenhaus von Salerno eingeliefert worden war. Salerno liegt im Süden Italiens nahe Neapel. Auf dem Video ist nicht zu erkennen, wer ihn rassistisch beleidigt, zu hören ist nur die Stimme einer Frau. Damals berichteten mehrere lokale Medien darüber, dass Rachidi rassistisch beleidigt wurde.

    Das Video liefert auch ein ganz aktuelles Beispiel dafür, wie man Videos im Netz überprüfen kann: Zwar kann der Patient durchaus an Corona erkrankt sein sichtbare Corona-Symptome wie beispielsweise Atemwegserkrankungen scheinen nicht vorzuliegen. Hinzu kommt, dass das Video nicht direkt von einem Account des Betroffenen geteilt wird - der darüber hinaus auch nicht von einer Corona-Erkrankung spricht. Eine einfache Google-Bilderrückwärtssuche liefert entsprechend die Verweise auf die damalige Berichterstattung über die rassistischen Beleidigungen gegen Rachidi vor einem Jahr.

    © Screenshots/ Grafik BR24

    Ein viel geteiltes Video zeigt Rassismus in einem italienischen Krankenhaus - ein Corona-Bezug besteht nicht

    28. März: In Spanien werden Patienten über 65 nicht die Beatmungsgeräte weggenommen

    In einem Video, das sich auf Facebook und WhatsApp schnell verbreitet, behauptet ein Mann, Arzt in Spanien zu sein und von mehreren älteren Corona- Patienten Sprachnachrichten erhalten zu haben. Darin soll dem angeblichen Arzt berichtet worden sein, dass den älteren Menschen die Beatmungsgeräte weggenommen werden, um sie jüngeren Patientinnen und Patienten zur verfügung zu stellen.

    Das Video ist auf Spanisch mit englischen Untertitel. Es hat unter anderem deshalb eine weite Verbreitung, weil der angebliche Arzt emotional über die Situation spricht. Unter Tränen behauptet er: "Menschen über 65 werden in Madrid die Atemschutzmasken entfernt. Sie werden sediert, so dass sie sterben, weil es nicht genug Atemschutzmasken gibt und sie sie den Jüngsten geben wollen."

    Er behauptet also, dass in Madrid aktive Sterbehilfe an älteren Menschen geschieht. Das stimmt jedoch nicht, schreiben spanische Faktenchecker.

    Zum einen fanden die Faktenchecker von heraldo.es und maldita.es heraus, dass es sich bei dem im Video zu sehenden Mann nicht um einen Arzt handelt. Auch stellte das Gesundheitsministerium klar, dass in Madrid keine Masken zur Beatmung fehlten, so der Generaldirektor für sanitäre Infrastrukturen der Stadt Madrid, Alejo Miranda de Larra,:

    Zwar steigen die Zahlen an Covid-19 Erkrankten, doch die Krankenhäuser sind auch in Spanien angehalten, von Fall zu Fall zu entscheiden. Eine grundsätzliche Entscheidung im Zusammenhang mit dem Alter gibt es nicht. Der spanische Ethikrat schreibt:

    "Es ist wichtig, eine Einkommensanalyse durchzuführen, die auf der Privilegierung der 'längsten Lebenserwartung' basiert."

    Die schwierige Situation für Ärztinnen und Ärzte, in Corona-Fällen über Leben und Tod zu entscheiden, fasste die Tagesschau hier zusammen.

    27. März: Intervallfasten gegen Coronaviren? Ein “Ammenmärchen!”

    In einem Whatsapp-Kettenbrief wurde die These verbreitet, mit Intervallfasten könne man die Corona-Viren aus dem Körper schwemmen. „Ammenmärchen“, sagt Hendrik Streeck, Virologe an der Bonner Uniklinik. „Es gibt keine Hinweise, dass Intervallfasten oder irgendein Fasten Einfluss hat auf das virale Wachstum – oder aber auch auf die Stärke des Immunsystems.“ Ein Ausschwemmen von Viren, so etwas gebe es nicht. Viren würden entweder vom Immunsystem gestoppt oder von Medikamenten. Es gebe auch keinen Mechanismus, bei dem man Viren einfach aus dem Körper rauswaschen könne.

    27. März: Keine Hinweise, dass chinesische Gemeinde für Ausbruch von Corona in Italien verantwortlich ist

    In den letzten Tagen wurde vermehrt darüber spekuliert, ob die chinesische Gemeinde in Italien für den Ausbruch der Coronakrise vor Ort verantwortlich ist. Die These wird in Italien breit diskutiert, auch in etablierten Medien. Von rechten politischen Kräften im Land wird die chinesische Community für den Ausbruch der Corona-Krise verantwortlich gemacht. Italien ist europaweit am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen. Mehr Menschen als in China sind in Italien der Lungenkrankheit Covid-19 zum Opfer gefallen.

    In der Vergangenheit wurde immer wieder über chinesische Arbeiterinnen und Arbeiter in Italien berichtet, vor allem über die Stadt Prato in der Toskana, bekannt für die dort ansässige Textilindustrie. Jedoch ist der Virus nicht in der Toskana sondern in Norditalien ausgebrochen.

    Die Kolleginnen und Kollegen des faktenfinder der Tagesschau haben in ihrer Recherche festgestellt, dass der Bevölkerungsanteil chinesischer Bürgerinnen und Bürger in den Regionen in denen das Virus zuerst auftrat oder die besonders stark von der Pandemie betroffen sind „eine unterdurchschnittlichen chinesischen Bevölkerungsanteil“ haben.

    So lange der erste Corona-Patient, der sogenannte "Patient Null" in Italien nicht ermittelt ist, bleibt unklar auf wen und auch welche Verbreitungswege der Ausbruch in Italien zurückzuführen ist. "Die Pandemie in Italien nahm ihren Ausgang am 20./ 21. Februar, als im Norden des Landes der erste Infizierte und der erste Tote registriert wurden. In den Tagen danach verbreitete sich das Virus rasend schnell vor allem in der Lombardei", so ARD-Korrespondent Jörg Seisselberg im faktenfinder der Tagesschau.

    Er kommt zu dem Schluss: "Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass der Ausbruch der Pandemie in Italien mit der dortigen chinesischen Gemeinde in Verbindung steht."

    27. März: Keine Beweise für Einfluss von Handcreme auf Corona

    Ein weiteres Gerücht, das derzeit im Netz kursiert: Befördert die Verwendung von Handcreme die Verbreitung des Virus? Laut dem Virologen Hendrik Streeck (Uniklinik Bonn) gebe es dafür keine Beweise. Viren seien durchaus beständig und könnten eine gewisse Zeit überleben. Es sei nicht, bekannt, dass man seine Hände besonders behandeln könnte, damit das Leben der Viren verlängert werde. Oder das man etwas auf die Hände schmiert, damit die Viren kürzer überlebten. Anderes gelte natürlich für die Händehygiene. Waren Viren auf der Hand, dann könne man sie mit Desinfektionsmittel oder Seife beseitigen.

    26. März: Blutgruppe entscheidend für Krankheitsverlauf? Studie noch nicht evaluiert

    Eine wissenschaftliche Studie aus China legt nahe, dass die Blutgruppe eines Menschen Einfluss auf den Verlauf der Covid-19-Infektion haben könnte. Die Studie ist eine Vor-Veröffentlichung und noch nicht von Experten geprüft. In der Studie wird berichtet, Menschen mit Blutgruppe A seien für schwere Infektionsverläufe am anfälligsten, gefolgt von Blutgruppe AB und B. Am seltensten seien demnach Menschen mit Blutgruppe 0 von schweren Verläufen betroffen. Im Podcast „B5 extra Coronavirus“ warnte Hendrik Streeck, Virologe der Uniklinik Bonn, vor einer Überinterpretation der Ergebnisse der Studie. Man müsse bedenken, dass es sich bei der Studie um eine sehr kleine Stichprobenanzahl gehandelt habe und auch andere Faktoren wie zum Beispiel Rauchen in die Ergebnisse mitreinspielen könnten. Die wissenschaftliche Prüfung der Studie durch Experten und Fachleute läuft derzeit noch.

    25. März: Keine Belege dafür, dass Jugendliche ältere Menschen anspucken und mit Corona anstecken wollen

    Seit einigen Tag verbreitet sich auf Facebook eine Tafel, auf der behauptet wird, dass in München "jugendliche Migranten" ältere Personen bespuckt und dazu "verreckt an Corona" gerufen hätten. Diese Behauptung wurde bereits über 15.000-mal geteilt. Eine Quelle dafür wird auf Facebook nicht angegeben. Der Account, der die Meldung verbreitet, stammt augenscheinlich von einer Person aus Brandenburg, die der AfD nahesteht.

    Die Polizei München gibt auf BR24-Nachfrage an, dass ein "derartiger Fall der Polizei München nicht bekannt" sei. Sollte sich so etwas tatsächlich zugetragen haben, dann könnte man davon ausgehen, dass ein solcher Fall durchaus bekannt wäre, so ein Sprecher der Polizei. Seitdem vor einigen Tagen bekannt wurde, dass ein Mann wegen der sogenannten "Coronachallenge" in der Münchener U-Bahn Gegenstände abgeleckt hatte, beobachte die Polizei auch das Netz nach vergleichbaren Vorgängen. Dass Jugendliche ältere Personen angespuckt hätten sei der Polizei nicht aufgefallen. Laut Polizei hat niemand wegen eines solchen Falles Anzeige erstattet. Der Sprecher der Polizei München hält die Behauptung auf Facebook als "schwer bis gar nicht nachvollziehbar".

    © Screenshot/ BR24 Grafik

    Polizei München: Keine Belege dafür, dass Jugendliche ältere Menschen anspucken

    24. März: Chlordioxid ist kein Mittel gegen Corona - es ist gesundheitsschädlich

    Derzeit verbreitet sich sowohl auf diversen Webseiten als auch in Messenger-Diensten und auf Facebook die Meldung, das Trinken von Chlordioxid könne den Corona-Virus (Sars-CoV-2) abtöten. Diese Meldung erreichte uns unter anderem aus dem oberfränkischen Landkreis Kronach. Dort wurde der Aufruf eines Tierarztes geteilt, der empfiehlt, morgens und abends eine kleine Dosis selbst hergestellten Chlordioxids zu sich zu nehmen. Das Trinken von Chlordioxid ist jedoch gesundheitsschädlich und auch kein Mittel gegen Corona. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es aktuell noch kein Mittel gegen das Virus.

    Chlordioxid wird in der Industrie als Bleichmittel verwendet. Seit Jahren warnen verschiedene Institute und Ämter davor, Chlordioxid zu sich zu nehmen. Die Faktenchecker von Correctiv weisen in einem längeren Artikel auf die Gefahren hin und führen die Quellen zusammen.

    Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt: "Chlordioxid weist stark oxidative Wirkungen auf und wirkt auf Haut und Schleimhaut je nach Konzentration reizend bis ätzend." In der Industrie wird dieser Stoff als Mittel zur Desinfektion sowie zum Bleichen von Textilien verwendet. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurde "bei Menschen von gastrointestinalen Störungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, teilweise mit Blutdruckstörungen und erheblichen Flüssigkeitsverlusten bis hin zu schweren Nierenfunktionsstörungen nach der Einnahme berichtet."

    23. März: Verfälschte Bilder von Medizinpersonal

    Fotos von Ärztinnen und Ärzten sowie dem Pflegepersonal in italienischen Krankenhäusern sind in den vergangenen Tagen tausendfach geteilt worden. Sie zeigen Menschen, deren Gesichter vom Tragen der Schutzmasken und Schutzbrillen dunkelrot unterlaufene Druckstellen aufweisen. Tatsächlich ist zumindest das Bild eines Mannes bearbeitet.

    Twitternutzer machten schnell auf Unstimmigkeiten aufmerksam und verbreiteten die Originalaufnahme. Die Kontraste in dem bearbeiteten Bild wirken im Vergleich zum Original deutlich verstärkt. Das gesamte Bild ist aufgehellt. Die Augenpartie weicht im Vergleich zum Originalbild ebenfalls ab. So sind die Augenbrauen runder und leicht nach oben gezogen. Die Augen selbst erscheinen größer und dunkler. Der abgebildete Mann wirkt dadurch traurig.

    Ob das Foto mit der Bildbearbeitungssoftware Photoshop bearbeitet wurde, oder ob ein Filter darüber gelegt wurde, ist unklar.

    © BR24 Grafik/ privat

    Italienischer Arzt nach Arbeitstag: Schwellungen und Druckstellen von Atemschutzmaske und Schutzbrille

    23. März - Falschmeldung über angebliche Flüchtlingsmassen in München

    Seit dem Wochenende wird auf dem Messenger-Dienst WhatsApp eine Sprachnachricht verbreitet, in der ein Mann mit bayerischem Dialekt behauptet, gehört zu haben, dass die Polizei zahlreiche Kräfte in München zusammenziehe, da "in den nächsten Tagen 20 000 Flüchtlinge" aus Griechenland per Bahn, Bus und Flugzeug in München ankämen.

    Der Zeitpunkt für die Ankunft sei nicht zufällig gewählt, behauptet er zudem. Die Ausgangsbeschränkungen, die in der Sprachnachricht als "Ausgangssperren" bezeichnet werden, hätten zum Ziel, die Ankunft der Geflüchteten zu verschleiern.

    Die Polizei München warnt seit Sonntag auf Twitter vor diese Falschnachricht und nennt sie eine Falschmeldung und ein "böswilliges Gerücht".

    Sowohl das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge als auch die Polizei in München dementieren, dass am Wochenende 20 000 Flüchtlinge aus Griechenland angekommen sind oder entsprechende Pläne vorliegen. Es handle sich um eine eindeutige Falschmeldung, so ein Sprecher des Bamf. Derzeit komme allein durch die europaweit geltenden Reisebeschränkungen kein Flüchtling über die Grenzen.

    An zahlreichen Grenzen in Europa herrschen derzeit strenge Kontrollen. So sind die Grenzen nach Bayern nur für Berufspendler, den Warenverkehr und Reisende mit dringendem Reisegrund passierbar. Auf dem Balkan wurden bereits am 13. März die Mehrzahl der Grenzübergänge geschlossen. Der Fährverkehr zwischen Griechenland und Italien ist seit dem 15. März eingestellt.

    💡 Was macht der #Faktenfuchs?

    Der #Faktenfuchs ist das Faktencheck-Format des Bayerischen Rundfunks. Wir gehen Gerüchten auf den Grund - und wir beantworten Fragen. Die Journalistinnen und Journalisten im #Faktenfuchs-Team klären absichtlich verbreitete Falschmeldungen oder sich haltende Gerüchte auf. Die Ideen für unsere Artikel kommen vor allem aus den Social Timelines und Kommentarspalten. So erklärt sich die Vielfalt der Themen beim #Faktenfuchs: Politik, Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft, Landwirtschaft oder Medizin. Wirken Inhalte verdächtig oder tritt der Breaking-News-Fall ein, dann prüfen wir auch Bilder oder Videos auf ihre Echtheit und ihren Faktengehalt. Hier erklären wir das ausführlicher. Warum eigentlich “Faktenfuchs”? Wir arbeiten mit einer Software, dem "factfox". Sie hilft uns, die Fakten im Internet besser zu verbreiten.

    Dieser Text beschäftigt sich mit Verschwörungstheorien, Gerüchten und Behauptungen rund um das neu aufgetretene Coronavirus. Der Text wird laufend erweitert, wenn wir von neuen Verschwörungstheorien erfahren. Die älteren Einträge haben wir hier gesammelt.

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