BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Corona-Warn-App wird europäisch: Was heißt das für mich? | BR24

© dpa/Christoph Dernbach

Warnungen über die Corona-Warn-App sollen europaweit funktionieren. Den Anfang machen zunächst elf Staaten.

3
Per Mail sharen

    Corona-Warn-App wird europäisch: Was heißt das für mich?

    Bisher war die Corona-Warn-App vor allem in Deutschland von Nutzen. Künftig sollen auch Risikokontakte im europäischen Ausland einbezogen werden. Was ändert sich dadurch für den Nutzer? Wir klären die wichtigsten Fragen.

    3
    Per Mail sharen

    Etwas mehr als 100 Tage gibt es die Corona-Warn-App nun in Deutschland. Ihre Nutzer tauschen via Smartphone untereinander anonyme Kennungen aus und können sich im Falle einer Begegnung so gegenseitig warnen, wenn ein User später positiv getestet wird.

    Rund 5.000 Nutzer haben laut offiziellen Angaben bisher nach einer Corona-Infektion andere damit gewarnt und so potenziell einige Infektionen verhindert. Zugleich gibt es jedoch auch immer wieder Kritik und Zweifel an dem Programm.

    Ein Schwachpunkt der App soll nun ausgemerzt werden. Bisher konnte sie nur vor Risiko-Begegnungen mit anderen Nutzern der deutschen Corona-Warn-App warnen. Nun ist eine Ausweitung auf andere EU-Staaten angekündigt. Bis Ende Oktober soll es soweit sein. Federführend für die EU-Datenabgleichsystem, offiziell: European Federation Gateway Service, waren Telekom und SAP.

    Wir klären die wichtigsten Fragen zur erweiterten Corona-Warn-App.

    1. Wie kommen Sie an die EU-weite Warn-App?

    Wer künftig auch auf Risikokontakte im EU-Ausland aufmerksam gemacht werden möchte (und andere im Ausland warnen will), muss demnächst seine App aktualisieren und dann zusätzlich aktiv der europaweiten Daten-Nutzung zustimmen. Eine neue oder weitere App müssen Sie nicht herunterladen, wie die Telekom gegenüber BR24 versichert.

    Grundsätzlich sind nach der Aktualisierung laut Telekom drei Modelle des Datenaustauschs möglich. Welches in welchem Land zum Einsatz kommt, entscheidet die jeweilige nationale Behörde, in Deutschland das Robert Koch-Institut. Modell 1 bedeutet, alle Nutzer teilen und empfangen Daten europaweit. In Modell 2 können Nutzer entscheiden, ob sie ihre anonymen Kennungen ausschließlich national oder auch international teilen wollen. Modell 3 beinhaltet die gezielte Auswahl bestimmter Länder, mit denen Nutzer ihre Kennungen zusätzlich zu ihrem Ursprungsland, austauschen wollen.

    Zu Beginn wird in Deutschland wohl nur der europaweite Modus, also Modell 1, verfügbar sein, wie das Portal "Golem" aus Entwicklerkreisen erfuhr.

    2. Welche Staaten sind dabei?

    Zunächst einmal sollen bis Ende Oktober elf EU-Staaten mit von der Partie sein. Neben Deutschland sind das Italien, Irland, Österreich, Tschechien, Dänemark, Estland, Lettland, die Niederlande, Polen und Spanien. Sie nutzen laut Telekom das gleiche technologische Fundament wie die deutsche App. Daher ist ihre Anbindung relativ schnell machbar.

    3. Wie funktioniert die Integration der anderen EU-Staaten?

    Bisher läuft es in Deutschland so: Jedem App-User wird eine vorübergehende Kennung zugewiesen. Befindet man sich nun für längere Zeit in der Nähe von anderen App-Usern, merkt sich das Programm dies. Ein Beispiel: Sie waren in den letzten Tagen unterwegs. Dabei hat ihr Smartphone registriert, dass sie längeren Kontakt mit App-Nutzern mit den anonymen Kennungen 1254, 6654, 2564 und 6677 hatten. Wer dahinter steckt, wissen Sie nicht. Werden Sie nun positiv getestet und geben ihr Ergebnis frei, werden nun die vier App-Nutzer gewarnt. Genauso erhalten sie eine Nachricht, wenn etwa der Nutzer mit Kennung 6654 eine Infektion meldet.

    Künftig sollen die anonymen Kennungen infizierter Österreicher, Niederländer, Spanier und auch Deutscher regelmäßig in eine gemeinsame europäische Datenbank geladen werden. So können Sie auch Spanier warnen, mit denen Sie in Madrid Kontakt hatten, wenn Sie später positiv getestet werden- oder Warnungen erhalten, wenn Sie in Utrecht einen später positiv getesteten Niederländer getroffen haben.

    4. Funktionieren alle App-Funktionen auch im Ausland?

    Innerhalb Deutschlands bleiben Sonderfunktionen erhalten – etwa die Möglichkeit, sich nach einem Test das Ergebnis direkt in der App anzeigen zu lassen. Bei einem Test im Ausland wird das laut Telekom nicht funktionieren. Die Übermittlung der Testergebnisse erfolge dort unter Umständen schlicht anders.

    Zugleich können Nutzer derzeit allgemein ihre Ergebnisse jeweils nur in der App des Landes eintragen, wo der Test entstanden ist. "Also, einen Test aus Tschechien können Sie mit dem Laborcode aus Tschechien in die tschechische App eingeben, nicht jedoch in die deutsche. Andersherum können Sie keinen deutschen Laborcode in der tschechischen App verwenden", erklärt ein Sprecher der EU-Kommission gegenüber BR24. Wer länger im EU-Ausland ist und sich dort testen lässt, sollte also auch die örtliche App nutzen, wenn er oder sie Risikokontakte warnen will. Eine länderübergreifende Laboranbindung wird es also vorerst nicht geben.

    Dafür soll es auch bei Risikokontakten im Ausland wie gewohnt eine abgestufte Risikoeinschätzung geben, abhängig davon, wie lange und wie nahe der Kontakt mit einem Infizierten war. Zusätzliche Funktionen bringt die Erweiterung der App auf Europa zunächst nicht mit sich, wie die Telekom gegenüber BR24 klarstellt.

    5. Wie hoch sind die Datenschutz- und Sicherheitsstandards der europäischen Lösung?

    Gleichbleibend hoch, sagt die beteiligte Telekom. Der Austausch der Daten erfolge über den European Federation Gateway Server. Dieser habe die Übermittlerrolle und kommuniziere mit den Backends der jeweiligen nationalen Apps. So sei sichergestellt, dass auf den Endgeräten der einzelnen Nutzer auch weiterhin nur die bisher üblichen Datenübermittlungsprozesse laufen. Die Telekom hält fest: "Der hohe Datenschutz der deutschen Corona-Warn-App hat unverändert Bestand."

    Wie schon bei der deutschen Corona-Warn-App ist auch der Code des neuen europäischen Gateways über Github offen einsehbar, also Open Source.

    6. Kommen andere Länder dazu?

    Das hängt von mehreren Faktoren ab. Laut der EU-Kommission sind derzeit 19 Anti-Corona-Apps in der EU bestätigt. 18 davon können grundsätzlich gegenseitig miteinander arbeiten. Mit elf davon soll es nun in der zweiten Oktoberhälfte losgehen.

    Ein Sonderfall ist das große und derzeit besonders betroffene Frankreich. Die zentrale statt dezentrale Architektur der App macht einen Anschluss derzeit schwierig. Dennoch gibt die Kommission an: "Frankreich mit einzubinden bleibt ein wichtiges Ziel. Hier wird weiterhin nach einer technischen Lösung gesucht."

    Eine Integration von Staaten außerhalb der EU, beziehungsweise außerhalb der EEA-Staaten (EU plus Norwegen, Island und Liechtenstein) ist dagegen nicht angedacht. Nur in diesen Ländern gilt die EU-Richtlinie über die Ausübung der Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung und auch nur sie sind Teil des Netzwerks für elektronische Gesundheitsdienste. Auf dieser Grundlage wurde nun die europäische Lösung erarbeitet.

    "Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!