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Corona-Warn-App: Überwiegend positive Zwischenbilanz | BR24

© pa/dpa

Die App soll Infektionsketten erkennen und unterbrechen. Wie erfolgreich das passiert, weiß aber niemand genau. 400mal wurden bisher sogenannte TANs an infizierte Nutzer geschickt.

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Corona-Warn-App: Überwiegend positive Zwischenbilanz

Einen knappen Monat ist die Corona-Warn-App alt, die die Deutsche Telekom und SAP entworfen haben. Die Erfahrungen sind überwiegend positiv, wobei einige Fehler sich vorerst noch nicht beseitigen lassen. Die Nagelprobe kommt ohnehin erst im Herbst.

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Die nackten Zahlen sprechen schon für sich. 15,6 Millionen Mal wurde die Corona-Warn-App laut Robert Koch Institut bisher heruntergeladen. Das ist so viel, dass man auch in anderen Ländern inzwischen auf die deutsche App aufmerksam wird. Auch Datenschützer scheinen ihre anfänglichen Bedenken überwunden zu haben.

"Rein technisch gesehen sieht es gut aus. In der praktischen Anwendung haben wir keine größeren Schwierigkeiten gehört oder gesehen, die die Vertraulichkeit und die Freiwilligkeit in Frage stellen." Thomas Petri, Bayerischer Landesbeauftragter für den Datenschutz

Wenn Arbeitgeber zum Installieren der App auffordern

Sorgen macht sich der Datenschützer Petri weniger über die App selbst, als über die Missbrauchsmöglichkeiten, die diese den Arbeitgebern bietet. Angeblich gibt es in manchen Unternehmen und Behörden den klaren Aufruf an die Mitarbeiter, die App zu installieren. Es gebe Hinweise, dass hier in einigen Fällen Druck ausgeübt werde, so Petri. Seinen Erkenntnissen zufolge wird das bisher zwar nicht kontrolliert, aber allein der Appell berühre den Grundsatz der Freiwilligkeit, mit dem im Vorfeld für die App geworben worden war. Manche Mitarbeiter befürchten nun wohl, dass sie an der Pforte aufgefordert werden, die Corona-App auf ihrem Smartphone zu zeigen.

400 verschickte TANs sagen wenig aus

Eine andere RKI-Zahl sagt unterdessen vergleichsweise wenig über den Erfolg der Corona-Warn-App. 400 Tele-TANs sind bislang von den Gesundheitsämtern und Labors versendet worden. Diese Nummern braucht man, wenn man sich angesteckt hat und mit der App die Kontaktpersonen warnen möchte. Mit Hilfe der TAN sollen Falschmeldungen vermieden werden. Ob jemand die verschickte Kontroll-Nummer auch wirklich verwendet und wenn ja, wie viele andere Personen dann eine Warnung bekommen, das lässt sich jedoch nicht sagen. Die Anzahl der ausgegebenen TANs ist also nur ein sehr ungenauer Gradmesser für den Erfolg der Warn-App.

Alte Handys bekommen keine Corona-App-Updates

Großes Ärgernis bleibt, dass auf vielen älteren Smartphones die App nicht richtig läuft. Das liegt an den Betriebssystembetreibern Apple und Google. Die programmieren die Schnittstelle von iOS und Android zur Corona-App. Da besonders alte Betriebssystem-Varianten nicht mehr gepflegt werden, gibt es dafür auch keine Möglichkeit, die Corona-Warn-App auf diesen Handys laufen zu lassen. Ein Update, für ältere iOS- und Android-Geräte wäre sehr wünschenswert, ist aber nach Angaben eines Telekom-Sprechers nicht geplant. Das ist ungerecht, zumal häufig ältere Menschen davor zurückschrecken, sich technisch ständig auf dem neuesten Stand zu halten und diese Personengruppe besonders dringend gewarnt werden müsste.

Manche Fehler werden erst beim neuen Betriebssystem verschwinden

Es gibt ca. zehn verschiedene Fehlermeldungen, die bei der Corona-Warn-App immer wieder auftauchen. Besonders verbreitet ist die Meldung, dass die App in dieser Region nicht unterstützt werde. Laut Telekom könne man sie getrost ignorieren, die App funktioniere trotzdem. Die meisten Probleme liegen nicht in der Corona-App selbst, sondern in den Betriebssystemen iOS und Android begründet. Ob man bei den US-Konzernen Google und Apple an den Bugs arbeitet, ist unbekannt. Bei iPhones kann man auf Apples neues Betriebssystem iOS 14 im Herbst hoffen und darauf, dass die Fehler damit verschwinden. Die App zu löschen und wieder neu zu installieren, beseitigt dagegen viele Fehlermeldungen nicht.

Im Urlaub bringt die deutsche App gar nichts

In Europa gibt es derzeit keine zueinander kompatiblen Corona-Apps. Wer also etwa in Italien oder Frankreich gewarnt werden möchte, muss sich die dortige App installieren. Womöglich funktioniert die aber nur, wenn zuvor die deutsche Warn-App deinstalliert worden ist, weil beide auf die gleiche Schnittstelle des Betriebssystems zugreifen wollen. Das heißt aber, alle Kontaktinformationen, die zu Hause angelegt wurden, werden vom Handy gelöscht. Wenn sich in der Heimat in der Zwischenzeit eine dieser Kontakt-Personen als Corona-positiv meldet, bekommt man das im Ausland nun nicht mehr mit. Wann es eine gemeinsame europäische App geben wird, die solche Missstände beseitigt, ist unklar. Da inzwischen wieder große Reisefreiheit herrscht, wäre ein solches gemeinsames System dringend geboten.

Falls im Herbst die zweite Welle kommt

Angesichts der "Ballermann-Bilder", erscheint Mallorca als neues Corona-Risikogebiet. Und mangels gemeinsamer App gibt es Forderungen nach einer Testpflicht für alle Flugpassagiere nach dem Rückflug. Gesundheitsminister Jens Spahn sieht die Gefahr einer zweiten Corona-Welle als real. Der Minister empfiehlt deshalb ausdrücklich, die Corona-App zumindest hierzulande als Frühwarnsystem herunterzuladen. Soll ein Rückschlag mit neuen Schließungen von Unternehmen, Restaurants und öffentlichen Einrichtungen verhindert werden, könnte die App dazu sicherlich einen Beitrag leisten.

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