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So kommt die Corona-Warn-App bei Experten und Bürgern an | BR24

© Icon von Corona-Warn-App

Über sechs Millionen Bürgerinnen und Bürger haben die Corona-Warn-App installiert

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    So kommt die Corona-Warn-App bei Experten und Bürgern an

    Über sechs Millionen Downloads und das an nur einem Tag: Die „Corona-Warn-App“, auf die Deutschland so lange warten musste, ist begehrt. Auch viele Experten und Datenschützer sind zufrieden.

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    Seitdem es den Chaos Computer Club (CCC) gibt, schaut er Unternehmen und dem Staat auf die Finger. 1984 zeigte die Hacker-Vereinigung, wie unsicher das IT-System der Hamburger Sparkasse war. In den letzten Jahren deckte er unter anderem Sicherheitslücken in einer Wahlsoftware auf und bei Hotelschlössern. Der CCC ist ohne Zweifel zu einer Instanz geworden, wenn es um Datensicherheit und Datenschutz geht. Auch an der bei der Corona-Datenspende-App des Robert Koch-Institutes (nicht zu verwechseln mit der Corona-Warn-App) hatte der Club hörbare Kritik geübt.

    Sogar der Chaos Computer Club ist offenbar zufrieden

    Umso beachtlicher ist es, wenn der CCC mit einem Programm zufrieden zu sein scheint. Noch erstaunlicher ist es, wenn dieses Programm auch noch im Auftrag der Bundesregierung von zwei großen Unternehmen entwickelt wurde. Doch bei der gestern vorgestellten Corona-Warn-App kann man dieses seltene Schauspiel beobachten. Die Hacker-Vereinigung empfiehlt zwar grundsätzlich keine Apps und erteilt erst recht keine Prüfsiegel. Aber wenn der CCC mal keine Kritik übt, dann ist das nicht weniger, als ein Ritterschlag.

    Der Bundesdatenschutz-Beauftragte Ulrich Kelber bezeichnete den Datenschutz der App unterdessen als „ausreichend“, wobei er darauf hinwies, dass dies nicht als Schulnote gemeint sei. Es gäbe beim Datenschutz eben nur zwei Kategorien: „Ausreichend“ und „nicht ausreichend“.

    Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands kommentierte, dass die App „in die richtige Richtung“ gehe, allerdings dürfe es keinen Zwang zur Nutzung geben. Der Chef des bekannten Blogs Netzpolitik.org, Markus Beckedahl, schreibt, dass die Bundesregierung vieles richtig gemacht habe . Mit einer ablehnenden Haltung zur App sticht vor allem der Verein Digitalcourage hervor. Der Verein vergibt jedes Jahr den Negativ-Preis "Big Brother-Award" und beantwortet die Frage „Soll ich mir die Corona-Warn-App installieren“ mit einem klaren „Nein“. Dabei stören sich die Datenschutz-Aktivisten daran, dass es kein Begleitgesetz zur App gäbe und an potenziellen Sicherheitsmängeln, die aber die überwiegende Anzahl an Experten für eher theoretischer Natur halten.

    Corona-Warn-App: Über sechs Millionen Downloads

    Bei den Nutzern scheint die App gut anzukommen. Im Play Store für Android-Smartphones kommt die App auf eine Durchschnittsbewertung von 4,7 von 5 Sternen, im Store für Apple Geräte sogar auf eine Bewertung von 4,8. Dabei gab es am Anfang durchaus Schwierigkeiten. Die App war in den jeweiligen Stores in den ersten Stunden nicht auffindbar. Viele Nutzer beklagten zudem, dass das Anti-Corona-Programm auf ihren Geräten nicht lauffähig sei, etwa, weil das Smartphone zu alt sei. Dennoch wurde die Corona-Warn-App laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bis Mittwoch-Mittag bereits von über sechs Millionen Bürgerinnen und Bürger herunterzuladen. Es scheint bislang so, als hätten sich die intensiven Diskussionen über den richtigen Datenschutz gelohnt.