BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Corona-Warn-App: So funktioniert die Risiko-Bewertung | BR24

© BR Screenshot

Alles gut: keine Begegnung mit Corona-positiv getesteten Personen oder etwaige Begegnungen lagen nicht über den definierten Schwellenwerten.

11
Per Mail sharen

    Corona-Warn-App: So funktioniert die Risiko-Bewertung

    Grünes Licht trotz Risiko-Begegnung? Auch das ist möglich, denn die Berechnung des Infektionsrisikos unterliegt unterschiedlichen Faktoren. Wir erklären, wie die Corona-Warn-App das Risiko einer Ansteckung bewertet.

    11
    Per Mail sharen

    Die Erläuterungen zu Funktionen der Corona-Warn-App sind manchmal etwas verwirrend. Dazu gehört auch die Tatsache, dass die Statusanzeige für das individuelle Infektionsrisiko jedes Nutzers zwei grüne Meldungen kennt, die ein niedriges Infektionsrisiko ausweisen. Zum einen: "Bisher keine Risiko-Begegnungen". Und zum anderen beispielsweise "1 Risiko-Begegnung".

    Warum wird mir eine grüne Risiko-Begegnung angezeigt?

    Laut Robert-Koch-Institut (RKI) dient der Hinweis "niedriges Risiko trotz Risiko-Begegnung" dazu, dass Nutzer wissen, dass es eine Risiko-Begegnung gab, sie bestimmte Schwellenwerte der Risiko-Bewertung allerdings nicht überschritten haben. Diese Information über eine Risiko-Begegnung solle den Nutzern nicht verschwiegen werden, auch wenn sich daraus keine Ansteckungsgefahr ergibt. Konkret kann das heißen, dass die Risiko-Überprüfung eine Begegnung mit einer Corona-positiv getesteten Person registriert hat, aber die Person zu weit entfernt oder die Begegnung zu kurz war oder beides.

    Der "Risiko-Score": So bewertet die Corona-Warn-App das Risiko

    Doch wie wird das Gesamtrisiko für Nutzer überhaupt ermittelt? Das passiert lokal auf dem Gerät der Nutzer in einem mehrstufigen Verfahren. Ein Modell berechnet aus unterschiedlichen Einflussfaktoren einen "Risiko-Score", der die Begegnungen bewertet, welche über die Bluetooth-Funktion anonym dokumentiert wurden. Dieser Score ist entscheidend für den angezeigten Hinweis zum Infektionsrisiko.

    Wie hoch war das Ansteckungsrisiko?

    Dabei spielen folgende epidemiologisch relevante Faktoren eine wichtige Rolle - und werden gegeneinander abgewogen:

    • Wie lange ist es her, dass man eine Corona-positive Person getroffen hat?
    • Wie nah ist man der Person gekommen?
    • Wie lange hat der Kontakt bestanden?
    • Welches Übertragungsrisiko ging von der Person aus?

    Es geht in der Abwägung also darum, ob das Risiko einer Ansteckung bestanden hat und wie hoch dieses Risiko in der Summe ist.

    Messungen und komplexe Formeln

    Die Bluetooth-Funktion des Smartphones versucht mit unterschiedlichen Messungen die Faktoren "Dauer" und "Distanz" zu ermitteln. Wird dabei ein bestimmter Schwellenwert der Einflussfaktoren überschritten, dann dokumentiert die Corona-Warn-App: Das war eine Risikobegegnung.

    Die Schwellenwerte orientieren sich laut RKI an den etablierten Kriterien für die "konventionelle" Kontaktpersonenermittlung (Begegnungen von mindestens 15 Minuten unter zwei Metern). Die komplexe Formel, die dem Modell zur Berechnung des Risikoscores zugrunde liegt, kann aufgrund neuer Erkenntnisse oder auch Änderungen an der Schnittstelle der Betriebssysteme gegebenenfalls immer wieder angepasst werden. Wie genau diese Risikoscore-Berechnung angelegt wurde, ist auch in der Dokumentation der Corona-Warn-App auf der Plattform Github (Englisch) veröffentlicht.

    Was tun, wenn ich eine Risiko-Begegnung hatte?

    Anhand des Risikoscores entscheidet die App dann, welche Meldung zum Infektionsrisiko und welche Handlungsempfehlung dem Nutzer auf seinem Smartphone angezeigt wird. Was soll ich aber nun tun, wenn ich eine grüne Meldung zu "niedrigem Risiko trotz Risikobegegnung" angezeigt bekomme?

    Das RKI erklärt auf Anfrage, dass bei beiden grünen Meldungsvarianten zu niedrigem Risiko - egal ob mit oder ohne Risikobegegnung - kein akuter Handlungsbedarf bestehe. Es werde empfohlen, sich an die allgemein geltenden Abstands- und Hygieneregeln zu halten.

    "Unabhängig von der Anzeige in der App gilt: Fühlt sich eine Nutzerin/ein Nutzer krank oder zeigt Symptome für COVID-19, empfehlen wir persönliche Kontakte unmittelbar zu reduzieren und die Hausarztpraxis, den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst oder das Gesundheitsamt anzurufen." Katrin Werth, Robert-Koch-Institut

    Zeitpunkt der Risiko-Begegnung bleibt geheim

    Um Datenschutz und Anonymität zu wahren, lässt die Corona-Warn-App - auch wenn es einen persönlich vielleicht interessiert - keine genaueren Rückschlüsse über den Zeitpunkt oder Ort einer Risikobegegnung zu. Einen Echtzeit-Schutz gibt es dadurch nicht, die Hinweise sind rückwirkend.

    Den von der App übertragenen anonymisierten Schlüsseln werden außerdem weitere vom System erzeugte Schlüssel beigemischt. Dadurch wird gewährleistet, dass immer eine Mindestanzahl an Schlüsseln übertragen wird und keine Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind.

    Verwirrung durch Meldung in iOS

    Für Verwirrung hatte zuletzt auch eine Meldung in Apples iPhone-Betriebssystem iOS gesorgt. Dessen Schnittstelle "Exposure Notification Framework" (ENF), die über Bluetooth Daten anderer Smartphones in der Nähe auswertet, hatte den Nutzern eigene Meldungen angezeigt: ein wöchentliches Update, das alle Begegnungen mit anderen Nutzern zählt und anzeigt. Auch wenn diese nicht nach epidemiologischen-Kriterien bewertet wurden.

    Das heißt, auch Kontakte, die zum Beispiel nur sehr kurz oder sehr weit entfernt waren, sind dort erfasst, ohne Einordnung oder Risiko-Bewertung. Mit der Corona-Warn-App haben diese Meldungen jedoch nichts zu tun, denn das "Wöchentliche Update" kommt ab iOS-Version 13.6 direkt von Apples Schnittstelle selbst.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!