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Fünf Mythen über die Corona-Warn-App - und was wir wissen | BR24

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Aktuell gehen viele Halbwahrheiten über die Corona-Warn-App um

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    Fünf Mythen über die Corona-Warn-App - und was wir wissen

    Die Corona-Warn-App ist noch neu - deshalb kursieren viele Halbwahrheiten und Fehlinformationen darüber. Viele Fragen sind weiterhin unbeantwortet. Trotzdem lässt sich schon sagen: Einige Sorgen und Behauptungen sind unbegründet.

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    1. Die Corona-Warn-App macht das Smartphone oder die Internetverbindung langsamer

    Im Moment gibt es keine Hinweise darauf, dass die Corona-Warn-App die Leistung des Smartphones oder seine Internetverbindung spürbar beeinträchtigt. Die App läuft weitgehend ressourcenschonend im Hintergrund. Zudem haben die Mobilfunkanbieter angekündigt, dass Datenübertragungen über die App nicht zum Datenvolumen des Mobilfunkvertrags zählen sollen. Allerdings: Da die Corona-Warn-App das permanente Anschalten von Bluetooth und Standort-Diensten verlangt, hält der Akku womöglich nicht mehr ganz so lang.

    2. Die Corona-Warn-App funktioniert erst, wenn 60 Prozent der Deutschen sie nutzen

    Diese vielzitierte Zahl stammt aus einer Studie der Universität Oxford. Demnach könnte eine Epidemie gestoppt werden, wenn 60 Prozent der Menschen eine App wie die Corona-Warn-App benutzen. Außerdem ging die Oxford-Studie auch davon aus, dass auf weitere Maßnahmen wie Social Distancing weitgehend verzichtet werden würde.

    Das heißt: Wenn man die Corona-Warn-App als einen Baustein einer nationalen Strategie gegen Covid-19 betrachtet, könnte sie auch mit niedrigen Nutzungszahlen einen wertvollen Beitrag leisten. Sicher ist das zwar nicht. Aber die berühmten 60 Prozent erzählen trotzdem nur die halbe Wahrheit.

    3. Die Corona-Warn-App kennt meinen Standort

    Diese Sache ist vor allem für Nutzer von Android-Telefonen verwirrend: Auf die Installation der Corona-Warn-App folgt nämlich die Aufforderung, dass Standort-Daten (z.B. via GPS) angeschaltet sein müssen. Dabei wurde doch bei der Entwicklung der App extra Wert darauf gelegt, dass eben keine Bewegungsprofile erstellbar sind!

    Tatsächlich ist ganz klar: Die App, inklusive ihres Entwicklerteams, hat keinen Zugriff auf Standortdaten. Dass diese dennoch angeschaltet werden müssen, hat einen technischen Grund: Die Schnittstelle, mit der die Corona-Warn-App an die Betriebssysteme von Google und Apple andockt, benötigt Standortdaten, um andere Telefone in der Nähe zu finden, zu welchen dann eine mögliche Nähe per Bluetooth gemessen werden kann.

    4. Die Corona-Warn-App ist ein großes Sicherheitsrisiko, weil sie Bluetooth verwendet

    Wer mit angeschaltetem Bluetooth durch die Stadt läuft, der öffnet eine entsprechende Verbindung nach außen, die theoretisch für Hack-Angriffe genutzt werden kann. Fakt ist aber: Solche Hacks sind sehr selten und für die Angreifer in den allermeisten Fällen nicht wirtschaftlich lohnend.

    Ein sehr geringes Restrisiko bleibt zwar. Und wer ausschließlich über ein extra eingerichtetes VPN-Netzwerk im Internet surft, nie Bluetooth benutzt und sich nie in öffentliche WLAN-Netzwerke einloggt, für den ist eine Nutzung der Corona-Warn-App wohl wirklich ein Downgrade in Sachen Sicherheit. Das betrifft aber nur einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung. Für alle anderen gilt: Bei jedem Onlinebanking und Einloggen ins Café-WLAN entsteht ein größeres Risiko als durch das Nutzen der Corona-Warn-App.

    5. Die Corona-Warn-App wird nichts bringen, weil andere Länder es bereits versucht haben

    Ganz klar: Es gibt keine Garantie dafür, dass die Corona-Warn-App einen wesentlichen Beitrag zum Kampf gegen Covid-19 leisten wird. Und bislang sind die meisten Ergebnisse aus anderen Ländern, wo ähnliche Apps im Umlauf sind, wenig vielversprechend.

    Allerdings sagen die Ergebnisse in anderen Ländern nur wenig darüber aus, wie gut die deutsche App funktionieren kann. Das liegt daran, dass die meisten aus technischer Sicht ganz anders funktionieren als die deutsche. Außerdem hängt ein möglicher Erfolg einer App auch von zahlreichen anderen Faktoren ab: Etwa, wie viele Menschen sie benutzen, wie erfolgreich sie im Erkennen von Risikofaktoren ist, ob die Menschen sich an ihre Empfehlungen halten und welche anderen Maßnahmen zur Corona-Eindämmung getroffen werden.

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