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Seit einem Jahr kann man die Corona-Warn-App herunterladen

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    Ein Jahr Corona-Warn-App: Die Bilanz

    Datensparsam, anonym, effektiv: Die Corona-Warn-App sollte einen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten. Doch wie erfolgreich war das Programm wirklich?

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    Von
    • Christian Schiffer

    "Der Datenschutz ist dysfunktional. Wir hätten den Gesundheitsämtern die Möglichkeit geben sollen, das Infektionsgeschehen nachzuvollziehen", das sagte Philosoph Julian Nida-Rümelin am Dienstag in der BR-Sendung "Notizbuch" auf Bayern 2. Der Datenschutzaktivist Padeluun widersprach heftig, aber die Frage, ob der Datenschutz die Pandemiebekämpfung hemmt, die hat in den letzten Monaten nicht nur Nida-Rümelin aufgeworfen. Vor allem ein Projekt steht hierbei immer wieder im Zentrum dieser Debatte: Die Corona-Warn-App. Ein zahnloser Tiger sei sie, meinte beispielsweise der bayerische Ministerpräsident Markus Söder im Oktober 2020.

    Corona-Warn-App: 28 Millionen Downloads

    In der Tat wurde bei der Corona-Warn-App auf Datensparsamkeit geachtet, die Daten werden zum Beispiel dezentral verarbeitet, auf den Geräten selbst. Dafür allerdings muss man in Kauf nehmen, dass Epidemiologen weniger Informationen zur Verfügung haben, um daraus Erkenntnisse über die Pandemie zu gewinnen.

    Auf der anderen Seite aber wollte man mit einer datenschutzfreundlichen App die Bürger überzeugen, das Programm auf ihre Handys zu lassen. Und zumindest das scheint ganz gut geklappt zu haben: Über 28 Millionen mal wurde die Corona-Warn-App heruntergeladen, wobei die Zahl der tatsächlichen Nutzer etwas kleiner ausfallen dürfte, etwa weil Nutzer die App auch wieder deinstallieren oder ihr Handy verlieren. Zum Vergleich: Eine erste französische "Stop Covid"-App verfolgte einen zentralen Ansatz und war deswegen wenig datenschutzfreundlich. Nur 2,6 Millionen Franzosen installierten das Programm.

    Nicht einmal der Chaos Computer Club hatte etwas auszusetzen

    Die deutsche Corona-App galt zu ihrem Erscheinen als vorbildlich und erfolgreich. Sie wurde nach dem Open-Source-Prinzip entwickelt, der Programmcode war öffentlich zugänglich und nicht einmal dem Chaos Computer Club gelang es, an diesem staatlichen Softwareprojekt etwas auszusetzen. Ganz billig war das Programm allerdings nicht: 67,45 Millionen Euro sollen Entwicklung und Betrieb gekostet haben, was allerdings auch an der Hotline lag, die betrieben werden musste, um die zahlreichen Bürger-Fragen rund um das Programm zu beantworten.

    Probleme und Erweiterungen

    Doch nach dem Start fingen die Probleme an: Auf manchen Geräten funktionierte die App im Hintergrund nicht so, wie sie sollte. Und dann waren da noch grüne Warnmeldungen, mit denen niemand etwas anfangen konnte und die die Nutzer verwirrten. Wer weiß schon genau, wie riskant ein Risikokontakt mit niedrigem Risiko ist?

    Insgesamt schien die App eher zaghaft weiterentwickelt zu werden, hinzu kam eine manchmal erratische und intransparente Kommunikation. Erst nach und nach wurde das Programm um sinnvolle Funktionen erweitert, etwa ein Kontakttagebuch oder eine Übersicht mit Informationen zum Pandemiegeschehen.

    Kein Löwe, aber auch kein zahnloser Tiger

    Ein weiteres Problem: Nur etwa 60 Prozent der App-Nutzer teilten ihr positives Testergebnis, um andere zu warnen. Und trotzdem: Insgesamt wurde die App fast eine halbe Million mal genutzt, um die Menschen, darüber zu informieren, dass sie Kontakt hatten zu jemanden hatten, der positiv auf Corona getestet wurde. Laut dem RKI sollen etwa 110.000 bis 230.000 Menschen nach einer roten Warnung positiv getestet worden sein. Bei insgesamt 3,70 Millionen Corona-Infektionen in Deutschland ist das also nur ein Bruchteil. Allerdings ist das nicht Nichts und jede Infektionskette, die erkannt und unterbrochen wird, hilft gegen Corona.

    Insgesamt ist die Corona-Warn-App also weder ein brüllender Löwe geworden, der Corona das Fürchten lehrt, noch ein zahnloser Tiger, wie Markus Söder meinte. Sie ist irgendwas dazwischen.

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