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Corona-Videokonferenz mit Innenminister Herrmann ungeschützt | BR24

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Videokonferenzen im Innenministerium fanden bislang offenbar oft ungeschützt statt und ließen sich leicht abhören.

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Corona-Videokonferenz mit Innenminister Herrmann ungeschützt

Bayerns Innenminister wurde bei einer internen Sitzung mit Polizei und Experten zur Corona-Lage von außen beobachtet. Der Krisenstab nutzte ein ungeschütztes Videokonferenz-System. So blieb unbemerkt, dass Unbefugte sozusagen mit am Tisch saßen.

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Das bayerische Innenministerium nutzt offenbar ein standardisiertes Videokonferenz-System des US-Unternehmens Cisco. Hier können sich verschiedene Teilnehmer aufschalten, wenn sie den entsprechenden Internet-Link kennen. Allerdings sind solche Links leicht zu erahnen. Wie die Redakteure der Computerzeitschrift c´t herausgefunden haben, setzen sich die URLs nach dem Schema video.bayern.de/Pfad/Raumnummer zusammen. Der Pfad besteht aus wenigen Buchstaben und die Raumnummer aus sechs Ziffern. c´t beobachtete über mehrere Tage hinweg verschiedene Konferenzräume des Ministeriums.

Herrmann spricht mit Polizei über Corona

Meist war nichts zu hören bzw. zu sehen. Schließlich landeten die Redakteure allerdings in einer Besprechung, bei der Innenminister Joachim Herrmann zugeschaltet war. Es handelte sich um eine Konferenz des Corona-Krisenstabs an der verschiedene Experten und Vertreter der Ministerien bzw. der bayerischen Polizei teilnahmen. Dabei wurde angeblich über die Ausbreitung der Krankheit und über die konkrete Lage in Bayern gesprochen. Die Sitzung war ganz offensichtlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Dass neben drei angemeldeten Parteien noch jemand Viertes an der Konferenz teilnahm, fiel niemandem auf, obwohl das auf dem Videobild oben links zu sehen gewesen wäre.

Niemand fühlt sich so richtig zuständig

Der Bayerische Rundfunk hat beim Innenministerium nachgefragt, wie es zu der Lücke kommen konnte. Der Pressesprecher des Ministeriums sagte, sein Haus sei hier nicht zuständig, um das Videokonferenzsystem kümmere sich das IT-Dienstleistungszentrum beim bayerischen Finanzministerium. Dort wiederum hieß es, man sei ebenfalls nicht verantwortlich und es wurde an das Gesundheitsministerium verwiesen. Aus der Pressestelle des Gesundheitsministeriums bekam der BR schließlich eine kurze schriftliche Stellungnahme:

"Der öffentliche Zugang ist zwingend erforderlich (Teilnahme von Personen außerhalb des Bayerischen Behördennetzes). Der Zugang wurde jedoch umgehend passwortgeschützt. Die während der Konferenz besprochenen Sachverhalte werden anschließend pressewirksam veröffentlicht. Der Mittschnitt erfordert Kenntnis von Zeit und virtuellem Ort der Videokonferenz. Es wird geprüft, ob durch die Weitergabe dieser Daten an den Verlag ein disziplinarrechtlicher und/oder strafrechtlicher Tatbestand verwirklicht wurde." Stellungnahme des Bayerischen Gesundheitsministeriums

Die Besprechung hätte sich von Anfang an leicht per Passwort schützen lassen, was nun nachträglich geschehen ist. Noch sicherer wäre es gewesen, das Videokonferenz-System abzuschotten und nur über eine sogenannte VPN-Verbindung zugänglich zu machen. Das ist ein virtueller Tunnel über den Daten direkt zwischen zwei Punkten ausgetauscht werden, ohne dass dazwischen auf diese Informationen zugegriffen werden kann. Warum der Schutz des Passwortes erst nachträglich aktiviert wurde und wer eigentlich für das Videokonferenzsystem der Ministerien die Verantwortung trägt, diese Fragen des BR blieben unbeantwortet.

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