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Corona-Tracing: Helfen Apps beim Öffnen der Restaurants? | BR24

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QR-Code zum Check-In in der Luca-App

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    Corona-Tracing: Helfen Apps beim Öffnen der Restaurants?

    Immer mehr Städte und Gemeinden wollen bei der Kontaktverfolgung auf die App Luca setzen. Dabei gibt es schon länger mehrere Anbieter solcher Check-in-Plattformen - eine Initiative will diese nun bündeln. Ein Schritt in Richtung Öffnung?

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    Von
    • Anne Hemmes

    Die aktuellen Infektionszahlen deuten zwar in eine andere Richtung, aber irgendwann werden Restaurants und Cafés wieder öffnen dürfen. Und dann müssen Gäste weiterhin ihre Kontaktdaten angeben, damit die Gesundheitsämter bei einer Infektion Kontakte nachverfolgen können. Die Zettelwirtschaft, zu der das geführt hat, offenbarte vergangenes Jahr jedoch nicht nur datenschutzrechtliche Probleme.

    Aktuell ist ein regelrechter Hype um die App Luca entstanden, die das Problem der Kontaktverfolgung digital lösen will. Die Idee: Anstatt sich in Listen einzutragen, scannt man einen QR-Code. Sollte ein Infektionsfall auftreten, können die Besucher des Cafés oder der Veranstaltung einfacher und schneller informiert werden.

    Luca ist jedoch bei weitem nicht der einzige Anbieter auf dem Markt. So entstand beispielsweise im März 2020 bei einem "Wir vs Virus"-Hackathon der Bundesregierung die Web-App "Darf ich rein.de" aus Bayern. Andere Anbieter sind beispielsweise Recover, Gastident oder eGuest. All diese Tracing-Apps könnten dabei helfen, Kontakte leichter nachzuverfolgen und so Infektionscluster zu verhindern.

    Initiative will gemeinsames Gesundheitsportal

    Nun haben sich mehrere dieser Anbieter zur Initiative "Wir für Digitalisierung" zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie ein Gesundheitsportal aufbauen, an das sich die verschiedenen Check-In-Anbieter andocken können. "Auch Luca ist da willkommen", betont Jan Kus, Mitgründer der Initiative und Geschäftsführer bei Recover, gegenüber BR24. Die Gesundheitsämter in Deutschland sollen ihren Anfragen gebündelt über diese Plattform laufen lassen können. "Aktuell sind bundesweit etwa 50 Anbieter dabei", sagt Kus.

    Wie genau funktioniert das Portal?

    Die Gesundheitsämter melden sich auf dem Portal an und können anschließend ein "Tracing Ticket" für Infektionsfälle anlegen, erklärt Sina Beckstein, Managing Director bei "Darf ich rein.de", das Teil der Initiative ist. Das Portal ist mit den Unternehmen verbunden, die sich anschließen wollen. Das Gesundheitsamt startet über das Portal die Nachverfolgung und der entsprechende Betrieb wird über eine Infektion informiert, so Beckstein. Anschließend kann er die Daten verschlüsselt an das Gesundheitsamt übermitteln.

    Die personenbezogenen Daten seien geschützt, betont Jan Kus. Welche Maßnahmen konkret dafür eingesetzt werden, hänge aber vom jeweiligen Check-In-System ab. "Die Daten werden nur durchgeschickt - und wieder gelöscht, sobald sie abgerufen wurden. Sie bleiben verschlüsselt mit den Sicherheitsmerkmalen der Ämter."

    Trotzdem sollen die Betriebe im Notfall, die Daten entschlüsseln können. Dabei gehe es nicht darum, dass die Betriebe die Daten "im Klartext" standardmäßig abfragen, sondern nur im Infektionsfall und zielgenau für spezielle Tage, so Beckstein.

    Modellprojekt startet in Köln

    Könnte dieses Portal nun dabei helfen, dass Biergärten und Cafés wieder öffnen? Nächste Woche will "Wir für Digitalisierung" ein Modellprojekt mit der Stadt Köln starten. "Momentan machen wir Workshops mit dem Gesundheits- und Ordnungsamt", so Kus.

    Man erhoffe sich davon auch Erkenntnisse für andere Gesundheitsämter, sprich andere Städte und damit mögliche Partner. Denn nicht jedes Gesundheitsamt nutze das gleiche System zur Kontaktverfolgung.

    Wenn es nun ein einheitliches Gesundheitsportal gibt, an das sich die verschiedenen Check-In-Anbieter andocken können, muss sich dann jeder diverse Apps runterladen? Kus verneint das.

    "Die meisten Check-In-Anbieter sind web-basiert, das heißt, die einzige App, die man braucht, ist der Fotoapparat." Jan Kus, Mitgründer "Wir für Digitalisierung"

    Landkreis München will Anbieter aus Bayern testen

    Während Mecklenburg-Vorpommern seine Gesundheitsämter nun an die Luca-App angeschlossen hat, prüft der Landkreis München beispielsweise aktuell den Einsatz von "Darf ich rein.de" für die Region.

    Das Start-up mit Sitz in München ist auf dem Hackathon "Wir vs Virus" der Bundesregierung entstanden. Umgesetzt wurde es anschließend von der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung (AKDB) und der Dehoga Bayern. Laut eigenen Angaben nutzen bislang über 3.800 Standorte - Betriebe, Restaurants, Cafés etc. - die Web-App. In Bayern sei das System bisher unter anderem in Fürth, Bayreuth, Immenstadt im Allgäu und Kempten im Einsatz. Auch Universitäten wie die LMU oder die Uni Regensburg sind demnach unter den Kunden.

    Was ist mit dem Datenschutz?

    Cafés, Restaurants oder Veranstalter, die die Web-App zum Check-In nutzen, laden die Daten der Gäste als CSV-Datei runter und schicken sie an die zuständige Gesundheitsbehörde weiter, wenn diese Daten in einem Infektionsfall nachfragen.

    Dass die Lokale damit noch Zugriff auf die Daten haben, sei richtig, erklärt Beckstein. Das entspreche aber der Corona-Schutzverordnung, die besagt, dass Betriebe Daten im Infektionsfall vorhalten müssen.

    Auch Jan Kus betont, dass er persönlich personenbezogene Kontaktdatenerfassung falsch findet. Allerdings stehe es so aktuell eben in den Corona-Schutzverordnungen und daher würden sie diese gemeinsame Gesundheitsplattform auch entsprechend bauen.

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