BR24 Logo
BR24 Logo
Netzwelt

Cookie-Hinweise: Einfach akzeptieren - und dann? | BR24

© Lucy Brown/Picture Alliance

Werbe-Netzwerke lieben Cookies. Nutzer sollten sich klar machen, dass sie nur Cookies annehmen, die ihnen schmecken.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Cookie-Hinweise: Einfach akzeptieren - und dann?

Nervig, wichtig, gefährlich, egal - Cookies sind all das. Den Hinweis auf Webseiten, welche Cookies gespeichert werden, akzeptiert jeder zweite Deutsche mit einem Klick - ohne ihn gelesen zu haben. Was passiert danach und was sind Cookies eigentlich?

Per Mail sharen

Ein Hinweisfenster mit einem grauen Button "Speichern" und einem grünen Button "Alle akzeptieren". Darüber vier Kästchen, in denen man einen Haken setzen kann, darüber ein paar Zeilen Text. Das erwartet Nutzer derzeit typischerweise, wenn sie das erste Mal eine Webseite besuchen. Und dann natürlich noch die Option, sich die (erweiterten) Einstellungen anzusehen.

Das alles soll die Entscheidung von Besuchern einer Webseite sein, denn sie sollen wählen können, welche Cookies die Webseite überhaupt nutzen darf und welche nicht. Wer als Betreiber solche Cookies setzen möchte, braucht die aktive Zustimmung des Nutzers – und die holt man sich typischerweise über die großen Hinweis-Fenster ein, die beim Besuch einer Seite aufploppen.

© BR Screenshot

So oder vergleichbar können die Hinweis-Fenster aussehen. Mit einem Klick auf den grünen Button akzeptiert man auch Werbe- und Tracking-Cookies.

Lästige Hinweis-Fenster

Viele Nutzer finden solche Hinweis-Fenster zur Cookie-Verwendung lästig, wenn sie einfach nur kurz eine Seite besuchen wollen, um sich über das Wetter am Wochenende zu informieren oder den Fotokalender zu bestellen. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage akzeptieren 60 Prozent der Deutschen die entsprechenden Hinweise auf Webseiten nach eigenen Angaben, ohne sie zuvor durchzulesen. Jüngere Menschen häufiger als ältere. Können uns Cookies egal sein?

Cookies: Helferlein und Datensammler

Cookies sind zunächst einmal nichts Schlimmes. Sie sind ein kleines Datenpaket, meist eine lange Zeichenfolge verpackt in einer Textdatei, das auf dem Gerät des Nutzers abgelegt wird, um ganz unterschiedliche Funktionen zu erfüllen. Ursprünglich dienten sie dazu, Webseiten-Betreibern rein technisch zu sagen, woher ein Besucher kommt, welche Sprache er spricht oder welches Betriebssystem er nutzt, um den Webseiten-Besuch zu optimieren.

Heute kann die Technik dabei helfen, dass Nutzer auf Webseiten eingeloggt bleiben, sie Artikel in ihrem Warenkorb wiederfinden können oder auch welche Artikel sie zuletzt angesehen haben. Solche "Session-Cookies" erleichtern die Bedienbarkeit, sie ersparen Nutzern häufig auch das mehrfache Eingeben von immer gleichen Nutzerdaten – etwa bei E-Mails oder dem Online-Shopping.

Weil Cookies so fleißige Datensammler sind, werden sie aber auch für andere Zwecke verwendet, die nichts mit angenehmerer Bedienbarkeit zu tun haben:

"Mittlerweile gibt es große Tracking- und Werbe-Netzwerke, die sehr, sehr viele von diesen persönlichen Informationen sammeln." Andreas Hentschel, Computerfachmagazin CHIP

Tracking für die Werbebranche

Werbe-, Tracking- oder Analyse-Cookies sammeln Daten über das Online-Verhalten von Nutzern, die dann für Werbezwecke, vor allem personalisierte Werbung, eingesetzt werden können. Wer interessiert sich also für welche Produkte? Auf welchen Webseiten war die Person sonst so unterwegs? Ist sie eher männlich oder weiblich, eher jung oder alt?

Werbe-Netzwerke setzen auf unterschiedlichen Webseiten Cookies, um so viele Daten wie möglich sammeln zu können und im Idealfall auch in einem Profil zusammenführen zu können. Für die Werbebranche ein klarer Effizienzgrund – nämlich die richtige Zielgruppe zu treffen:

"Als Mann Mitte 50 werden sie wahrscheinlich keine Werbung für Computerspiele oder Damenunterwäsche angezeigt bekommen." Andreas Hentschel, CHIP

Essenzielle Cookies

Wenn ich jetzt aber nicht möchte, dass Cookies diese werberelevanten Daten über mich sammeln und Werbe-Netzwerke Profile über mich anlegen? Dann sollte ich mir das Cookie-Hinweis-Fenster doch einmal ansehen, denn mitnichten muss ich alle diese Cookies zulassen.

"Es gibt nicht besonders viele Cookies, die wirklich essenziell für den Betrieb einer Seite notwendig sind." Andreas Hentschel, CHIP

Zwar lockt so manche Webseite damit, dass das Hinweis-Fenster mit einem Klick auf einen grünen Button mit der Schrift "Einwilligen" oder "Alle akzeptieren" verschwindet. Häufig werden dadurch aber alle möglichen Cookies akzeptiert, auch Werbe- und Tracking-Cookies – die Datensammler.

Diese Auswahl kann entweder direkt, oder nach einem Klick auf einen Einstellungs-Button eingegrenzt werden. Eingegrenzt auf essenzielle Cookies, wie die Session-Cookies, ohne die der Warenkorb eines Online-Shops leer bleiben würde.

© BR Screenshot

Bei diesem Hinweis müssen Nutzer erst auf den Button "Einstellungen" klicken, um die Cookies genauer auswählen zu können.

Nutzer muss die Wahl haben

Auch wenn die Hinweise und die damit verbundene Auswahl lästig erscheinen, rechtlich ist das notwendig. BGH und EuGH haben bestätigt, dass die Einwilligung eine informierte und bewusste Entscheidung der Nutzer sein muss, die eben nicht dadurch passiert, dass man einen kleinen Hinweis mit "okay" oder "zustimmen" einfach wegklicken kann. Daher die neue Gestaltung vieler Hinweise mit den detaillierteren Cookie-Auswahl-Optionen. Von einer optimalen Lösung kann aber noch keine Rede sein, sagen Verbraucherschützer:

"Die simulieren zum Teil einfach nur diese Einwilligung. Aber eigentlich ist alles darauf angelegt, dass man eben doch wieder wegklickt und diesen Cookies zustimmt." Heiko Dünkel, Verbraucherzentrale Bundesverband

Die Art, wie manche Hinweise gestaltet sind – etwa durch den verlockenden grünen Button – sorgt also häufig dafür, dass wieder keine informierte und bewusste Entscheidung getroffen wird. Bis sich eine optimale Lösung durchgesetzt hat, die genau das erreicht, ohne dabei die Nutzer zu nerven, wird es also noch dauern.

Tipps und Tricks, wie man die Cookie-Einstellungen in den Griff bekommt, finden Sie hier.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!