Interaktive Ausstellung im Kommunikationsmuseum.
Bildrechte: BR

Kommunikationsmuseum

Per Mail sharen
Artikel mit Video-InhaltenVideobeitrag

Computer als Reporter? Ausstellung zur Zukunft des Journalismus

Macht intelligente Software künftig Reporter überflüssig? Wie erkennt man Fake News? Ersetzt das Handy teure Medientechnik? Fragen wie diese stellt und beantwortet die erneuerte Journalismus-Ausstellung in Museum für Kommunikation in Nürnberg.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Willkommen in der Zukunft des Journalismus. Mitten im Museum, das auch für seine historischen Postkutschen, Telefone und Briefmarken berühmt ist. In der neu gestalteten Dauerausstellung "Wie kommt Neues in die Welt" thematisiert das Museum für Kommunikation in Nürnberg aktuelle Trends im Journalismus. Die Umgestaltung sei notwendig gewesen, weil sich die Medienwelt extrem schnell weiterentwickelt habe, sagt Museumsdirektorin Annabelle Hornung. Ab Mittwoch, 29. März, ist die runderneuerte Abteilung geöffnet.

Medien im Praxis-Check

Besucherinnen und Besucher können an einem Newsdesk ihre eigenen Schlagzeilen schreiben. Auf dem großen Bildschirm, der in der Mitmachstation eingebaut ist, erscheinen die Titelbilder verschiedener Museumszeitungen. Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht, sagt Hornung. "Am Newsdesk kann man sich mit verschiedenen Phänomenen beschäftigen, zum Beispiel mit dem Fakten-Check oder dem neuen Bereich künstliche Intelligenz." Denn die Artikel in den Museumszeitungen hat der Computer geschrieben. Fünf bis zehn Wörter haben die Museumsmacher vorgegeben. Den Rest hat ChatGPT-Software erledigt.

Vermittlung von Medienkompetenz

Aus Sicht von Museums-Chefin Hornung klappt das schon erstaunlich gut. "Man erkennt auf den ersten Blick möglicherweise gar nicht, dass es sich um einen maschinell hergestellten Artikel handelt." Erst wenn man mehrere KI-Artikel gelesen habe, merke man "dass es an der ein oder anderen Stelle nicht so klingt, als hätte es ein Mensch geschrieben". Die Besucher können so einen Eindruck von der neuen Technik bekommen, die gerade in vielen Bereichen getestet wird und auch schon zum Einsatz kommt, sagt Hornung. "Wir wollen für die Gäste gewisse Leitplanken ausrichten, damit sie ihre Medienkompetenz hier an diesem Mitmachtisch schulen können", damit sie zum Beispiel Fake News wie das Bild vom Papst im Daunenmantel erkennen könnten.

Bilder wie zu Dürers Zeiten

Aber die Museumsmacher blicken in den Schaukästen und auf den Erklär-Tafeln auch zurück. So ist zum Beispiel ein Zeitungs-Titelblatt aus dem Jahr 1912 zu sehen, das über den Untergang der "Titanic" berichtet. Ein Holzschnitt zeigt den Dampfer, ein zweiter einen Eisberg. Aktuelle Fotos gab es damals in Zeitungen noch nicht. Die konnten erst Jahrzehnte später nach der Erfindung des Bildtelegrafen übermittelt werden. Mitarbeiter Joel Fischer zeigt eines dieser Geräte, bei denen das Foto, das übertragen werden soll, auf eine Walze gespannt ist. "Es war ein Abtastverfahren. Das Bild wird in kleine Bildpunkte zerlegt, die dann elektrisch per Leitung oder Funk übertragen werden können."

Schnelle Fotos aus Krisengebieten

Das ist ein Beispiel für eine Technik, die den Journalismus weiterentwickelt hat. Auf einmal waren ferne Länder ganz nahe, und vor allem Kriegs-Reporter hätten Bildtelegrafen genutzt, erzählt Fischer. "In den 60-er Jahren kamen tragbare Bildtelegrafen in Mode. Mit denen konnten zum Beispiel Bilder vom Vietnamkrieg geschickt werden. Die brandaktuellen Fotos waren dann zwölf Minuten später in den Redaktionen in New York zum Beispiel."

Journalismus braucht Technik

Zu sehen sind im Museum für Kommunikation in Nürnberg unter anderem auch eine kleine und leichte Reiseschreibmaschine aus den 1940er-Jahren und ein Tonbandgerät. Sie sind allerdings längst von Smartphone abgelöst worden. Mit ihm können Journalistinnen und Journalisten alles: telefonieren, schreiben, fotografieren, filmen und senden, sagt Direktorin Hornung. Das Handy sei längst zum Turbo für einen neuen Journalismus geworden. Die crossmediale Berichterstattung sei zwar schon älter, aber: "Dass man so gute Ton- und Videoaufnahmen machen konnte wie mit dem Smartphone, das ist natürlich eine neuere Entwicklung."

Künstliche Intelligenz oder doch ein Journalist – dieser neue Teil der Dauerausstellung, der sich kurz und knapp an alle Besucherinnen und Besucher wendet, kann die Frage nicht beantworten, wer in zehn Jahren die Schlagzeilen macht. Hier und heute, in diesem Artikel, war’s ein Mensch und keine Software.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!