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Hält der Hype? Wie es mit "Clubhouse" weitergehen könnte | BR24

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Nicht jeder Clubhouse-Talk ist hochtrabend. Inwiefern die Themen künftig in die Breite gehen, ist für Clubhouse wichtig, glaubt Thomas Moßburger.

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    Hält der Hype? Wie es mit "Clubhouse" weitergehen könnte

    Obwohl die App nur die wenigsten nutzen können, hat "Clubhouse" es auf Platz 1 der App-Store-Charts von Apple geschafft. Das Prinzip der App ist simpel, der Hype zu erklären. Doch ist Clubhouse etwas für die breite Masse? Ein Blick in die Glaskugel.

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    Von
    • Thomas Moßburger

    In den USA ist die App seit Frühjahr 2020 erhältlich, mittlerweile hat Clubhouse auch Deutschland erreicht. Und wie: Platz 1 in den App-Charts, Thema in fast allen Medien. Und das, obwohl man nur mit Einladung reinkommt - und auch das nur als iPhone-User.

    Doch gerade der elitäre Ich-war-dabei-bevor-es-cool-war-Hipster-Hauch dürfte seinen Teil zum Hype beitragen. Die App selbst ist schnell erklärt: Der User wählt zwischen verschiedenen Live-stattfindenden Gesprächen, denen er oder sie dann lauschen kann. Wer will, kann sich auch mit Fragen beteiligen und mitdiskutieren.

    Was geht gerade bei Clubhouse?

    Dazu spricht man - ganz ohne Video oder Mikrofon-Equipment - einfach ins Handy. Das ist so einfach, dass schon in der ersten Woche auch prominente Politiker, Journalisten und Sportler immer wieder die Zeit finden, sich in ein Gespräch einzuklinken.

    Inhaltlich liegt der Themenschwerpunkt der deutschen Clubhouse-Community bisher relativ nahe an hippen Digital-, Influencer- und Medienkonferenzen: Instagram-Reichweiten-Aufbau, Online-Shop-Optimierung, die Zukunft des Journalismus, das Zusammenspiel von Politik und Social Media, die US-Wahl oder auch aktuelle Trends für Fotografen und Filmemacher werden dort besprochen.

    Hinzu kommen leichtere Themen wie Fußball, Fernsehsendungen wie „Bachelor“ oder auch ein Talk über Ausflugsziele in Brandenburg. Themen, über die man in Nicht-Lockdown-Zeiten mit Kollegen in der Mittagspause plaudern würde. Daneben gibt es in den USA, wo schon deutlich mehr Nutzer mitmachen, auch bereits einige Fälle von unerfreulichen Gesprächsrunden inklusive Verschwörungstheorien, Rassismus, Corona-Falschinformationen und Frauenverachtung. Auch gebrüllt und beleidigt wird da hin und wieder auf dem Podium.

    Elitäre Themensetzung?

    In Deutschland, wo die App noch von einer relativ kleinen Gruppe von Menschen genutzt wird, inbesondere aus der Medienbranche, geht es dagegen angenehm zivil zu. Man könnte auch sagen: akademisch, vielleicht auch elitär. Gut möglich, dass sich die Themen ändern, wenn die App für Alle offen ist. Denn es darf bezeifelt werden, ob sich die breite Masse für Business-Talks über das Skalieren von Start-Ups und das Pushen von Click-Through-Rates in Instagram-Shops erwärmen kann.

    Themen für alle

    Dafür braucht es vermutlich mehr menschelnden Talk à la Markus Lanz, mehr Fußball-Stammtisch, mehr Promi-Gossip sowie auch viele nischige Talks zu Spezial-Themen wie Kuscheltier-Sammeln oder jemanden, der Gute-Nacht-Geschichten vorliest.

    Durch die Einfachheit der App könnten da so manch spannendes Aufeinandertreffen von Menschen passieren, die niemals den Aufwand betrieben hätten, sich in ein Radio-Studio zusammenzusetzen oder einen Podcast aufzunehmen. Vielleicht schaltet sich Thomas Gottschalk in den Kuscheltier-Talk zu - einfach, weil er es vom Sofa aus machen kann. Oder Mats Hummels meldet sich bei der Fußball-Stammtisch-Runde und erklärt kurz seine Sicht zum BVB-Spiel aus dem Mannschaftsbus heraus.

    Stärken der App nutzen

    Schafft die App es, solche Themen für die breite Masse zu besetzen und gleichzeitig ihre Vorteile, also die Schnelligkeit und das unkomplizierte Zuschalten spannender Menschen zu nutzen, ist durchaus Potential da. Dass Audio-Formate gut funktionieren, zeigt bereits der Podcast-Boom, der seit Jahren anhält.

    Warum nicht jedem Samstag, zehn Minuten nach Abpfiff der 15.30-Uhr-Spiele ein paar Edel-Fans des eigenen Lieblingsvereins bei der Analyse des Spiels lauschen? Warum nicht in der wöchentlichen Instagram-Reichweiten-Sprechstunde einen Experten fragen, wie man mehr Follower auf den eigenen Moped-Tuner-Kanal bekommt? Warum nicht jeden Abend nach Börsenschluss zwei, drei Broker über die Aktienentwicklungen des Tages diskutieren lassen?

    Professionalisierung wahrscheinlich

    Die Hoffnung, dass die App unzählige Menschen von Zuhörern zu Speakern oder Schöpfern neuer Formate macht, sollte man dabei aber wohl nicht haben. Früher oder später werden Talks auf Clubhouse - ähnlich wie das Format Facebook Live - etwas sein, dass zum großen Teil Profis planen und durchführen.

    Medienhäuser, Rundfunkanstalten, Influencer, Unternehmen werden die App nutzen und dort mit mehr oder weniger spannenden Talks und mehr oder weniger spannenden Gästen aufwarten. Ergänzend zu ihren anderen Kanälen. Eine Politik-Journalistin könnte etwa wenige Minuten nach neuen Corona-Beschlüssen einen kurzen Live-Talk mit Hendrick Streeck, Kevin Kühnert und Christian Lindner bei Clubhouse abhalten - eben weil sich jeder von ihnen schnell aus Büro, Auto oder Wohnzimmer zuschalten kann, anstatt in ein Studio kommen zu müssen.

    Vielleicht wird aber auch Clubhouse den ein oder anderen Star selbst produzieren und jemand, den heute noch keiner kennt, moderiert auf einmal regelmäßig eine Live-Talkshow, die Interessantes zu Tage führt. Gut möglich also, dass wir bald den ersten Clubhouse-Stars lauschen können.

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