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Cloud Gaming: Naht das Ende der Spielekonsole? | BR24

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Das Zeitalter des Spiele-Streaming ist gekommen. Das hat zumindest Google versprochen. Aber kann der neue Dienst Google Stadia wirklich mit dem mithalten, was klassische Spielekonsolen bieten?

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Cloud Gaming: Naht das Ende der Spielekonsole?

Das Zeitalter des Spiele-Streaming ist gekommen. Das hat zumindest Google versprochen. Aber kann der neue Dienst Google Stadia wirklich mit dem mithalten, was klassische Spielekonsolen bieten?

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Der Markt für Videospiele ist eine gigantische Industrie. Allein in diesem Jahr hat er für Umsätze von rund 152 Milliarden Dollar weltweit gesorgt. Traditionell wird der Markt von von den Herstellern der wichtigsten Spielekonsolen dominiert: Sony mit der PlayStation, Microsoft mit der X-Box und Nintendo mit wechselnden Konsolen wie zuletzt der Nintendo Switch.

Doch gerade die Konsolenhersteller müssten sich dieses Frühjahr den Abgesang auf ihre Geräte. Fast zwei Jahrzehnte hatten sich die beiden größten Hersteller einen erbitterten Wettstreit geliefert. Doch jetzt gab es einen neuen Spieler in der Partie: Google.

Wie Google in den Spielemarkt einsteigen will

Der Suchmaschinen-Konzern hat ein neues Betätigungsfeld für sich entdeckt. Wie so häufig im Silicon Valley lautet das Motto, bisherige Geschäftsmodelle radikal zu unterbrechen. Und das ganz ohne Hardware. Das heißt, Google macht Gaming ohne Konsole.

Die Idee: Der Spiele-Server steht bei Google im Rechenzentrum, der Spieler steuert das Geschehen via Smartphone, Tablet, PC oder Chromcast-Gerät, angeschlossen an den Fernseher. Voraussetzung: eine dicke Internetleitung mit mindestens 35 MBit im Download. Quasi Netflix fürs Spiele-Zocken. "Mit Stadia gehören stundelange Downloadzeiten für Spiele der Vergangenheit an", verspricht Phil Harrison von Google.

Google schwebt das sofortige Spieleerlebnis vor. Man soll nur noch auf den Kaufen-Knopf für das jeweilige Spiele klicken und kann dann ohne dass man eine Konsole für 300 Euro oder mehr anschaffen muss, loslegen. Die Idee ist bestechend, denn neben Google gibt es nur wenige Unternehmen, die solch ein Cloud-Gaming ermöglichen könnten. Der Grund: man benötigt ein weltumspannendes Netz von Rechenzentren.

Google Stadia: Ein Flop?

Doch von dem Anfangs-Hype ist heute nicht mehr viel geblieben. Der Tech-Blogger Dave Lee meint zu Google Stadia: "Wer schön aussehende Bilder erwartet, wird da ein wenig enttäuscht. Es ist akzeptabel. Es schaut aber auf keinen Fall so gut aus wie auf einer modernen Konsole oder einem Spiele-PC."

Das Hauptproblem: Selbst wenn man über eine 100 Mbit und mehr Internetleitung verfügt, gibt es immer wieder Ruckler bei der Übertragung. Es fehlt eine halbe oder ganze Sekunde, monieren viele Spieler. In wichtigen Spielesituationen bedeutet das Game Over.

Viele professionelle Gamer sind von Google Stadia deshalb enttäuscht. "Google wollte wohl Erster sein beim Spiele-Streaming. Ich glaube, das war ein massiver, massiver Fehler", bringt Jake Baldino von gameranx es auf den Punkt.

Die Konsolen leben vorerst weiter

Für Sony und Microsoft bedeutet die Google-Schlappe vor allem eines: Sie können in Ruhe an der nächsten Generation ihrer Spielekonsolen arbeiten, die im nächsten Jahr pünktlich zu Weihnachten auf den Markt kommen sollen.

Außerdem haben die beiden Platzhirsche eine strategisches Bündnis geschlossen. Sony macht in der X-Cloud von Microsoft mit. Auch das soll eine Spiele-Streaming-Plattform werden. Und damit Konkurrenz für Googles unglücklich gestartetes Stadia.