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Burda-Chef fordert mehr digitale Souveränität für Europa | BR24

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Paul-Bernhard Kallen auf der von Hubert Burda Media veranstalteten Digitalkonferenz DLD

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    Burda-Chef fordert mehr digitale Souveränität für Europa

    Google, Facebook, Amazon: Gegen die großen Tech-Giganten haben deutsche Unternehmen kaum eine Chance. Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen fordert nun einen Kraftakt, um das zu ändern.

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    "Wir müssen eine eigene digitale Infrastruktur aufbauen, die unseren Wertvorstellungen entspricht – das betrifft den Browser, Suchmaschinen und so weiter", sagte Paul-Bernhard Kallen dem Handelsblatt. Geht es nach dem Chef von Hubert Burda Media, dann muss Europa energische Maßnahmen ergreifen, damit europäische Unternehmen mit US-amerikanischen Schritt halten können. Denn europäische Pendants zu Google, Facebook & Co. gibt es gar nicht oder sie spielen nur eine marginale Rolle, wie etwa der Browser Cliqz, der zum Burda-Konzern gehört.

    US-Firmen profitieren vom Netzwerkeffekt

    Konkurrenz aus Europa hat es schwer gegen die US-Riesen, schon alleine, weil die vom sogenannten Netzwerkeffekt profitieren. Das heißt, je mehr Menschen eine Plattform benutzen, desto größer der Nutzen dieser Plattform. Oder konkret: Whatsapp hilft einem wenig, wenn man die einzige Person auf dem Planeten ist, die Whatsapp auf dem Handy hat. Hat Whatsapp allerdings zwei Milliarden User, darunter Freunde und Familie, dann sieht die Sache schon anders aus. Auch deswegen wird auf EU-Ebene eine Pflicht zur Interoperabilität diskutiert. Wer bei Whatsapp ist, soll auch Personen schreiben können, die einen Account bei Signal haben - und umgekehrt. Das soll den Netzwerkeffekt aushebeln.

    Vorteil für Facebook & Co. : ein Berg an Daten

    Die US-Konzerne haben noch einen weiteren Vorteil, nämlich, dass sie bei ihren Unternehmensentscheidungen auf gigantische Berge an Daten zurückgreifen können. Wie man heute weiß, hat Facebook beispielsweise Whatsapp im Jahr 2013 deswegen übernommen, weil der Konzern von Mark Zuckerberg aus seinen Daten frühzeitig wusste, dass in Form von Whatsapp ein unliebsamer Konkurrent heranwuchs. Dieses Wissen haben europäische Firmen nicht. Und dann ist da auch noch die bloße Marktmacht. Apple hat mit Apple Music einen eigenen Musikdienst, der in Konkurrenz zum europäischen Unternehmen Spotify steht. Zugleich ist aber Spotify auf Apple und seinen digitalen App-Store angewiesen – ein ungesundes Machtungleichgewicht.

    Paul-Bernhard Kallen: Facebook behandeln wie die Telekom

    Paul-Bernhard Kallen fordert deswegen, dass man den US-Playern mehr Vorschriften machen soll. "Diese Vorschriften müssen Europas Werte widerspiegeln, Werte wie Datenschutz, Datensicherheit, Datenintegrität", so der Burda-Chef. Nach Meinung des Medien-Managers könnte man zum Beispiel Whatsapp als Telekommunikationsdienst einstufen, der verpflichtet wäre, alle 90 Tage die Daten zu löschen. Die Frage allerdings ist, ob das von den Kunden des Dienstes überhaupt gewünscht wäre.

    Ist Europa bereit für die digitale Gesellschaft?

    Eine weitere Frage: Wer soll europäische Alternativen finanzieren? Und wie kann Europa attraktiv werden für Startups? 2019 erst wurde, auch unter Beteiligung Deutschlands, eine neue europäische Urheberrechtsrichtlinie verabschiedet, die von vielen Digitalexperten und der Digitalwirtschaft äußerst kritisch gesehen wurde und wird. Und als kürzlich auf EU-Ebene die Corona-Pakete geschnürt wurden, da geschah das auch auf Kosten der Digitalisierungprojekte.

    Rücksicht auf Amazon und Microsoft?

    Dabei hatte die EU kürzlich erst mit Gaia X ein europäisches Cloud-Projekt ins Leben gerufen. Für den Burda-Chef sind das Vorzeigeprojekte, die Mut machen, aber nicht mehr. "Ich glaube, man möchte Amazon und Microsoft nicht wehtun", so Paul-Bernhard Kallen. Immerhin: Der Burda-Manager ist nicht der erste, der mehr digitale Souveränität Europas anmahnt. Kürzlich erst hatte eine Projektgruppe, an der neben Kallen auch BR-Intendant Ulrich Wilhelm beteiligt ist, Ideen für ein digitales Ökosystem in Europa vorgestellt.

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