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Bundeskartellamt kritisiert Online-Vergleichsportale | BR24

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Vergleichsportale oft nicht gut

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Bundeskartellamt kritisiert Online-Vergleichsportale

Vergleichsportale setzen ihre Nutzer immer häufiger unter Druck. Das stellte das Bundeskartellamt bei der Untersuchung von Online-Portalen fest. Eines der Probleme: Die Seiten suggerieren Angebotsknappheit.

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Kartellamtspräsident Andreas Mundt bezieht sich in der Untersuchung zunächst auf Suchen nach der günstigsten Reise oder dem günstigsten Hotel. Hier werde Druck aufgebaut durch Anzeigen wie: "Jetzt Buchen! Nur noch drei Angebote!". Womöglich sehen sich daraufhin tatsächlich viele Menschen die entsprechenden Angebote an. Laut Mundt ist es jedoch unwahrscheinlich, dass eine große Anzahl von Nutzern dieses eine Hotel für den gleichen Zeitraum sucht. Das werde bei der Warnung jedoch verschwiegen.

Portale suggerieren Knappheit

Außerdem bedeute das begrenzte Angebot des Portals üblicherweise nur, dass lediglich dieses Portal nur noch über wenige Angebote verfüge, so der Kartellamtspräsident. Andere Anbieter können demnach aber durchaus noch weitere Plätze frei haben - das Hotel oder die Reise ist also längst nicht ausgebucht. Hat der Verbraucher dann sein bestes oder günstigstes Angebot gefunden, will er möglicherweise noch einmal prüfen und gegenchecken. Er geht also auf ein zweites oder drittes Vergleichsportal. 40 Prozent der Verbraucher machen das.

Manche Vergleichsportale liefern die gleichen Daten

Aber der Vergleich der Portale ist knifflig, auch da kann der Verbraucher aufs Glatteis geführt werden. Sehr viele Unternehmen greifen entweder auf dieselbe Datenbank zu oder sie sind ohnehin miteinander verflochten. Oft bringt es also gar nichts, von einem Vergleichsportal zum anderen zu wechseln, denn man bekommt immer die gleichen Ergebnisse.

Händler zahlen für hohes Ranking

Nicht nur bei der Frage "wer ist der Günstigste?" wird häufiger unlauter gehandelt. Auch bei der Suche nach dem verlässlichsten und subjektiv besten Anbieter, zum Beispiel bei Versicherungen, kann der Verbraucher getäuscht werden. Denn Rankings, die suggerieren: "Wer ganz oben steht steht, ist auch der Beste!", müssen nicht unbedingt stimmen, wie Andreas Mundt festgestellt hat. Mitunter wird für die sogenannte "Position null" bezahlt, also dafür, dass das eigene Online-Angebot beim Vergleichsportal ganz oben steht. Das sei mitunter verdeckte Werbung.

Portale decken nur einen Teil des Shopping-Angebots ab

Ein weiterer Kritikpunkt des Bundeskartellamtes: Vergleichsportale erwecken zuweilen den Eindruck, dass sie alle Angebote eingeholt haben, dass der Verbraucher also einen umfassenden Überblick über den Markt bekommt. Das stimmt nicht immer:

"In der Versicherungsbranche oder auch im Bereich Hotels ist die Marktabdeckung weniger als 50 Prozent. Das heißt: Sie finden weniger als 50 Prozent der am Markt verfügbaren Angebote tatsächlich auch auf so einem Vergleichsportal." Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes

Online-Portale bekommen bis Februar Zeit

Vermutungen, dass die Portale nicht immer völlige Transparenz bieten, gibt es schon länger. So hatte das Landgericht München bereits Check24 größere Transparenz für seine Nutzer verordnet. Direkte Konsequenzen hat die Untersuchung des Bundeskartellamtes bislang nicht. Die Betreiber betroffener Online-Seiten haben bis Anfang Februar Gelegenheit, zu den Ergebnissen Stellung zu nehmen.