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Bund und Google: Zeitschriftenverleger kritisieren Kooperation | BR24

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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Wolfgang Kumm

Das Bundesgesundheitsministerium und Google arbeiten jetzt zusammen. Von der Kooperation erhofft sich Minister Spahn, dass User weniger Falschinformationen von "Dr. Google" bekommen. Doch Medienunternehmen fühlen sich benachteiligt.

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Bund und Google: Zeitschriftenverleger kritisieren Kooperation

Das Bundesgesundheitsministerium und Google arbeiten jetzt zusammen. Von der Kooperation erhofft sich Minister Spahn, dass User weniger Falschinformationen von "Dr. Google" bekommen. Doch Medienunternehmen fühlen sich benachteiligt.

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  • Agnes Popp
  • BR24 Redaktion

Der Bund kooperiert mit Google: Für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), so der Eindruck, ist diese Zusammenarbeit ein logischer Schritt.

Gesundheitsminister Spahn erklärt Kooperation

Auf einer Pressekonferenz sagte er kürzlich: "Wer Gesundheit googelt, soll auf unserem Portal des Bundes landen und dort die Gesundheitsinformationen finden, die er braucht." Das Portal solle die zentrale Anlaufstelle werden für verlässliche Gesundheitsinformation im Internet: "Was liegt da näher, als mit Deutschlands populärster Suchmaschine zusammenzuarbeiten - nämlich mit Google."

Hinter der Kooperation steckt die Absicht, Bürgerinnen und Bürger vor Falschinformationen im Netz zu schützen. Sie sollen möglichst schnell zu den wissenschaftlich fundierten Informationen des Gesundheitsministeriums geleitet werden. Dafür sorgt ein prominent hervorgehobener Infokasten, der ganz oben erscheint, sobald User in Google nach bestimmten Gesundheitsthemen suchen.

Verleger: Werden gar nicht mehr auf Google gefunden

Scharfe Kritik kommt vor allem von den Zeitungen und Zeitschriften. Die müssen sich auf dem hart umkämpften Internet-Markt mit ihren Beiträgen zu Gesundheitsthemen behaupten.

"Die freifinanzierten Redaktionsportale von den vielen Verlagen, die es gibt in Deutschland, die werden dann gar nicht mehr gefunden. Der User bleibt dann auf dem ersten Portal hängen", sagt Rudolf Thiemann, Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger.

Medienethikerin: Presse auf Portale wie Google angewiesen

Nach Ansicht von Jens Spahn sind die User auf den Seiten des Bundes gut aufgehoben. Ob sie sich danach erneut in die Google-Suche begeben, um unabhängige journalistische Informationsquellen zu nutzen, ist ungewiss. Auch Jessica Heesen von der Forschungsstelle für Medienethik und Informationstechnik an der Universität Tübingen kann die Kritik nachvollziehen: "Die Presse ist angewiesen auf solche Portale wie Google in so einer super-pluralistischen Medienwelt, die wir heutzutage haben."

Zeitschriftenverleger: Das kommt rüber wie Propaganda

Dass eine Konkurrenzsituation entsteht, hängt damit zusammen, dass sich das Portal, mit dem das Ministerium eine Berliner Agentur betraut hat, von der Aufmachung kaum von journalistischen Webseiten unterscheidet. Und da geraten nach Ansicht von Verleger Rudolf Thiemann demokratische Grundsätze ins Wanken.

Denn Thiemann zufolge ist es die Aufgabe der Presse, zu beobachten, was die Exekutive macht: "Wenn die Exekutive aber selber über ihre normale Informationspflicht hinaus redaktionellen Aufwand betreibt und sich ein solches Kleid überwirft, das aussieht wie freie Presse, dann kommt das rüber wie Propaganda."

Vergleichbarer Streit: Verleger und Stadt München

Tatsächlich gibt es aktuell einen Fall, bei dem ein ähnlicher Vorwurf im Raum steht: Vergangene Woche entschied das Landgericht München, dass die Stadt München mit ihrem Portal muenchen.de gegen das Gebot der Staatsferne der Presse verstößt. Geklagt hatten unter anderem die Süddeutsche Zeitung und der Münchner Merkur. Die "pressemäßige Berichterstattung über das gesellschaftliche Leben in einer Gemeinde" sei "originäre Aufgabe der lokalen Presse und nicht des Staates", sagten die Kläger.

Heesen meint, es sei problematisch, wenn eine Behörde die Aufgabe der freien Medien übernehme. Schließlich würden in vermeintlich objektive, reine Informationen häufig Wertungen einfließen: "Je nachdem, wie man Dinge gewichtet, Informationen darstellt – das sind Dinge, die einen dazu verleiten können, dass man bestimmte Nachrichten auch im Gesundheitswesen eben so bewertet, wie das im Sinne des Ministeriums sein könnte."

Darum sieht die Medienethikerin die Zusammenarbeit mit dem Suchmaschinen-Giganten Google besonders kritisch: "Staatliche Behörden sollen natürlich auch mitwirken am Prozess der öffentlichen Meinungsbildung, aber ein Ministerium muss sich genauso gut einreihen in den öffentlichen Diskurs wie die vielen anderen Mitbewerber."

Spahn will Portal noch weiter ausbauen

Das Bundesgesundheitsministerium beruft sich auf Anfrage des BR darauf, dass Google weder Geld bekomme noch Einfluss auf die Inhalte auf dem nationalen Gesundheitsportal habe. Und es betont: Durch den Infokasten würden "die eigentlichen Suchergebnisse in keiner Weise beeinträchtigt".

Das sehen die Verleger anders. Sorgen machen sie sich auch, weil das Gesundheitsportal nicht nur über Covid-19 informiert. Ob Migräne, Krebs oder Diabetes: Bei einer medizinischen Stichwortsuche zu 160 Krankheiten werden die Antworten des Gesundheitsportals oben ganz prominent präsentiert. Und Ziel von Jens Spahn ist es, das Gesundheitsportal noch weiter auszubauen.

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