BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Christine Meder
Bildrechte: BR/Christine Meder

Der Bund investiert nun in Forschung an 6G.

9
Per Mail sharen

    Bund fördert 6G-Forschung - Opposition ist skeptisch

    Das deutsche 5G-Netz steckt noch in den Kinderschuhen, schon kommt das nächste G um die Ecke. 2030 soll das deutlich schnellere 6-Netz starten. Die Bundesregierung fördert das nun mit viel Geld, die Opposition fürchtet leere Versprechen.

    9
    Per Mail sharen
    Von
    • Thomas Moßburger

    Das Jahr 2030 klingt für viele Menschen nach sehr ferner Zukunft, ist aber nur noch neun Jahre entfernt. Zu dieser Zeit soll auch der neue Mobilfunkstandard 6G Einzug in unsere Arbeits- und Alltagswelt halten.

    200 Mio Euro Förderung für 6G-Forschungsinitiative

    Die Bundesregierung wird bis 2025 700 Millionen Euro für die weitere Erforschung von 6G-Technologien bereitstellen, wie nun Wissenschaftsministerin Anja Karliczek (CDU) gegenüber dem "Handelsblatt" ankündigte. In dieser Woche startet laut der Ministerin die erste deutsche 6G-Forschungsinitiative, die mit 200 Millionen Euro gefördert wird. Erklärtes Ziel der Förderung: "die technologische Souveränität Deutschlands und Europas langfristig stärken".

    Große Möglichkeiten durch 6G

    All das könnte helfen, eine Realität zu schaffen, die wirklich ein bisschen an futuristische Science-Fiction-Filme erinnert. Karliczek nennt in einer Mitteilung ein Beispiel: "In der sogenannten Extended Reality, zu Deutsch: Erweiterte Realität, können Hologramme − zum Beispiel Menschen in 3D − in hoher Auflösung und in Echtzeit auf mobile Endgeräte oder in Räume gestreamt und projiziert werden." Fans von Star-Wars-Filmen längst bekannt, würde so eine Technologie private Treffen, aber auch Arbeiten oder medizinische Behandlungen nachhaltig verändern.

    Fern-Diagnose und Fern-Reparatur mit 6G

    Ein Mechaniker im Homeoffice könnte sich einen kaputten Motor live in 3D ins heimische Arbeitszimmer übertragen lassen und einen Roboter zur Reparatur schicken, ein Arzt bestimmte Erst-Untersuchungen auch aus der Ferne vornehmen. Auch Echtzeit-Diagnosen künstlicher Intelligenzen, ob an Motoren oder am menschlichen Körper, würden mit 6G wahrscheinlicher.

    Karliczek: Datenübertragung mit 6G 100 Mal schneller als mit 5G

    Grund ist, dass die 6G-Technologie eine nochmals deutlich bessere und schnellere Datenübertragung ermöglichen soll als 5G. "Mit 6G werden Daten mehr als 100 Mal schneller übertragen als mit 5G", so die Ministerin. Diese Übertragungsraten sollen ermöglichen, genug Daten zu versenden, um detailreiche Live-Hologramme zu übertragen oder einen optimierten Verkehrsfluss selbst in Innenstädten zu ermöglichen, was etwa "Heise" als Beispiel nennt. So könnten Autos sekundenschnell mit anderen Fahrzeugen verhandeln, wer an der nächsten Kreuzung wem Vorfahrt gewährt, um einen optimierten und sicheren Verkehrsfluss zu ermöglichen.

    Zweifel in der Opposition

    Zurück in der Gegenwart gibt es jedoch erhebliche Zweifel daran, dass die nun verkündete 6G-Initiative der Bundesregierung uns schon bald eine Welt mit Hologramm-Stammtische und staufreie Städte bringt. "Vollmundige Ankündigungen sind eine Spezialität dieser Bundesregierung. Ob Andreas Scheuer oder Ministerin Karliczek, realitätsferne Zielgrößen mit großem Tamtam bekanntzugeben, ist sowohl im Breitband- als auch im Mobilfunkbereich gang und gäbe", kommentiert Margit Stumpp, Expertin für digitale Infrastruktur in der Bundestagsfraktion der Grünen auf BR24-Anfrage.

    Grüne: Vielerorts in Deutschland nicht einmal 4G

    Jetzt über ein 6G für 2030 sprechen, findet die Grüne sogar "zynisch", während viele Menschen in Deutschland sich aktuell mit 2G oder 3G begnügen müssten. Es gebe weiterhin unversorgte Gebiete, der 5G-Ausbau käme noch kaum beim Verbraucher an und die für den 4G-Ausbau von Verkehrsminister Scheuer verantwortete Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft stecke im bürokratischen Nirvana fest.

    Kritik an schleppendem Mobilfunkausbau

    Darauf weist auch Manuel Höferlin, digitalpolitischer Sprecher der FDP im Bundestag, gegenüber BR24 hin: "Sollte der Ausbau weiterhin so unsagbar langsam vorankommen, wie Minister Scheuers Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft, die ihre Arbeit schon letztes Jahr hätte aufnehmen sollen und noch lange nicht einsatzbereit ist, dann werden wir bis 2030 noch nicht mal ein flächendeckendes LTE-Netz haben." Auch der FDP-Mann empfiehlt der Regierung, erst einmal 4G- und 5G-Ausbau voranzubringen statt "irgendwelche vagen Versprechungen über den Aufbau des 6G-Netzes" zu machen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!