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Briefkasten-Firma soll Rechte an Domain-Endung ".org" übernehmen | BR24

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Die Domain-Endung ".org" soll an eine dubiose Firma verkauft werden

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    Briefkasten-Firma soll Rechte an Domain-Endung ".org" übernehmen

    Es ist ein Geschäft mit vielen Fragezeichen: Das gemeinnützige Unternehmen, das die Domain-Endung ".org" vergibt, soll an eine dubiose Firma verkauft werden. Internetpioniere und Netzaktivisten sind alarmiert.

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    Archive.org, Stiftungen.org, Ethikrat.org, Oxfam.org, Greenpeace.org: Viele angesehene Organisationen benutzen die Endung ".org" . Das ist kein Zufall: Die Endung wurde ursprünglich für nicht-kommerzielle NGOs geschaffen. Vergeben wird ."org" von der gemeinnützigen Firma „Public Interest Registry“ die, so wurde bereits im November bekannt, an eine Investmentgesellschaft verkauft werden soll. Schon damals hagelte es Kritik von Netzpionieren und Internet-Aktivisten. Befürchtet wird, dass die Domain ".org" nun kommerzialisiert wird und in der Folge für viele Nutzer der Domain teurer.

    ".org" nur noch für die, die es sich leisten können?

    Betroffen ist unter anderem die deutsche Seite Netzpolitik.org. Ihr Gründer Markus Beckedahl kritisiert, dass sich gerade gemeinwohlorientierte Organisationen aus dem globalen Süden die Endung dann nicht mehr leisten könnten. Und: Anders als bisher würde die Endung Spielball eines kapitalgetriebenen Unternehmens werden.

    „Wir geben die Kontrolle einer wichtigen Infrastruktur, die bislang gemeinwohl-orientiert verwaltet wurde, an eine dubiose, intransparente Firma ab“. Markus Beckedahl, Netzpolitik.org

    Die entscheidenden Stellen wurden geschwärzt

    Die Kritiker des Geschäftes dürften sich in ihrer Skepsis mittlerweile bestätigt fühlen. Denn diese Woche wurden Dokumente zu diesem pikanten Geschäft veröffentlicht aus denen hervorgeht, dass die Investmentgesellschaft lediglich die Finanzierung des Geschäfts übernimmt. Eigentümer von ".org" wird letztlich eine Briefkastenfirma, deren Eigentümer unbekannt sind, weil die entscheidenden Stellen in den Dokumenten geschwärzt wurden. Zusätzliche Brisanz erhält das Geschäft dadurch, dass das ehemals gemeinnütziger Unternehmen offenbar bereits in eine Art GmbH umgewandelt wurde.

    Um den Verkauf doch noch abzuwenden, haben mittlerweile Internetpioniere und Silicon Valley-Größen eine eigene gemeinnützige Genossenschaft gegründet. Das Ziel: ".org" selbst zu kaufen.