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Blocken und Löschen: Internet-Freiheit in China | BR24

© pa/dpa

Tea and Tiananmen: Chinas neue Zensurmaschine

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    Blocken und Löschen: Internet-Freiheit in China

    In kaum einem anderen Land weltweit wird das Internet strenger kontrolliert und zensiert als in China. Und es zeigt sich: Zensur funktioniert auch über Konditionierung der Menschen: Wer das freie Internet nicht kennt, kann es auch nicht vermissen.

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    Eine Mauer als Abschottung funktioniert dann am besten, wenn kaum einer versucht, sie zu überwinden. Mit der digitalen Mauer, der sogenannten "Great Firewall", kontrolliert die Kommunistische Partei den Zugriff auf das Internet in China. Dai Wei ist 29 Jahre alt und arbeitet als Friseur in Peking. Er ist jung, er wirkt hipp, aufgeschlossen und neugierig. Aber die digitale Mauer in China stört ihn nicht wirklich.

    "Wir Chinesen vermeiden es eher, darüber zu reden. Die meisten fühlen sich in dieser Internet-Umgebung wohl. Ihnen ist es egal, ob es nun die Great Firewall gibt oder nicht. Normalerweise vermeiden wir auch, VPN-Tunnel zu nutzen. Eigentlich stört das unser Leben nicht besonders." Dai Wei, Friseur in Peking

    Soziales Umfeld, in dem nichts hinterfragt wird

    Die VPN-Tunnel sind kleine Programme, mit denen die Sperren im Internet überwunden werden können. Aber auch sie werden von den Zensoren hart bekämpft, funktionieren schlecht oder gar nicht. China hat das Internet im Griff, sagt Wu’er Kai Xi, ein Dissident, der in Taiwan lebt. Er ist ehemaliges Vorstandsmitglied der Organisation Reporter Ohne Grenzen.

    Die chinesische Regierung kontrolliere den Informationsfluss, sagt Wu’er Kai Xi. Sie habe riesige Ressourcen und gebe sehr viel Geld dafür aus: "Und weil sie den Informationsfluss so effektiv kontrolliert, schafft sie ein soziales Umfeld, in dem die Menschen aufhören, kritisch zu denken, Dinge in Frage zu stellen, zu streiten oder nach dem Warum zu fragen."

    Kein Interesse an ausländischen Internetseiten

    Eine Studie der Stanford Universität in Kalifornien aus dem vergangenen Jahr bestätigt genau das. Die Forscher Yuyu Chen und David Yang haben rund zwei Jahre lang die Internetgewohnheiten von 1.800 Pekinger Studenten untersucht. Die Teilnehmer bekamen dabei auch die Möglichkeit, gesperrte Internet-Seiten zu lesen, haben das aber häufig gar nicht genutzt. Nicht einmal jeder Vierzigste hatte das Bedürfnis nach Informationen außerhalb des üblichen chinesischen Propaganda-Rasters.

    Der 29-jährige Friseur Dai Wei bestätigt diese Haltung, auch für ihn sind ausländische, gesperrte Internetseiten uninteressant.

    "Das liegt auch in unserer traditionellen, chinesischen Kultur begründet und ist nicht wie im Ausland. In China wünscht man sich Harmonie und Stabilität, deshalb möchten wir eigentlich die Nachrichten der anderen Art gar nicht lesen. Ich habe das früher getan, jetzt nicht mehr." Dai Wei, Friseur

    Leck könnte System erschüttern

    Das Fazit der Stanford-Autoren: die Zensur in China schaffe einen Zustand, in der die Bürger gar nicht mehr auf die Idee kommen, nach anderen Informationen zu verlangen. Es sei denn, sie werden aktiv darauf hingewiesen, dann steige das Interesse rapide. Darauf setzt auch Wu’er Kai Xi. Als einer der prominentesten Studentenführer von 1989 kommt sein Name im chinesischen Internet nicht vor, er existiert quasi nicht.

    Nach Ansicht von Wu’er Kai Xi ist die Kampagne der Regierung, den Zugang zu Informationen zu kontrollieren, zu diesem Zeitpunkt ein Erfolg. Aber: "Wenn da ein Leck sein sollte, dass größer wird, dann kann der Damm ganz schnell brechen. Die derzeit erfolgreiche Internet-Zensur könnte eines Tages dazu führen, dass das Regime herausgefordert wird."

    Regierung schafft Parallelwelt

    Aber so lange bleibt es dabei: China blockiert die Freiheit im Internet und schafft eine Parallel-Welt. Ob Facebook, Twitter, Youtube oder Google: China hat für alles eigene Anbieter. Die Chinesen sind verrückt nach sozialen Netzwerken. Aber die Zensoren haben die Kontrolle und Zugriff auf jeden Server. Für China bleibt das ein schwieriger Spagat: Kontrolle und Zensur auf der einen Seite und Innovation und Entwicklung auf der anderen Seite. Noch aber erfüllt die digitale Mauer stabil ihren Dienst.