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Blockchain-Technologie enttäuscht Erwartungen - vorerst | BR24

© dpa/Matthias Balk

Wer den Begriff Blockchain liest, kann den Eindruck gewinnen, dass kein Problem zu groß oder zu klein für die Technologie ist. Wie weit ist sie?

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    Blockchain-Technologie enttäuscht Erwartungen - vorerst

    Vom Bankensystem bis zur Fußball-Sammelkarte: Blockchain klingt wie ein Zauberwort, wie eine Technologie, für kein Problem zu groß oder zu klein ist. Aber wo steht die Blockchain-Revolution wirklich? Eine Bestandsaufnahme.

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    In die Blockchain-Technologie wird seit einiger Zeit große Hoffnung gesetzt. Die Technologie soll zahlreiche Probleme der Gegenwart lösen und den Menschen den Alltag erleichtern. Das nächste große Ding also.

    Das zeigt auch ein Blick auf Pressemitteilungen der vergangenen Woche: Ein Autobauer will Blockchain für die Luftverbesserung nutzen, der FC Bayern ist Partner eines Blockchain-basierten Sammelkarten-Spiels und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sieht Blockchain als Weg zu einer moderneren Energiewirtschaft.

    Was ist die Blockchain?

    Die Blockchain ist letztlich quasi wie die Praxis, dass in Deutschland jeweils der Mieter und der Vermieter eine unterschriebene Version des Mietvertrages erhalten – nur, dass sie zusätzlich noch verhindert, dass eine der Parteien nachträglich einen nicht vereinbarten Anhang dazulegt.

    Ein Blockchain-Mietvertrag würde auf dem Rechner des Mieters und dem Rechner des Vermieters gleicherweise verschlüsselt gespeichert. Wenn nun einer der beiden das Dokument nachträglich ändert, würde diese Änderung auch beim anderen Vertragspartner mit Zeitstempel angezeigt. Er könnte so immer nachweisen, dass der Vertrag nachträglich und einseitig angepasst wurde. Bisher müsste man für eine solche Sicherheit eine Version des Vertrages bei einem Notar hinterlegen.

    Ein weiteres Beispiel: Peter sagt seiner Bank, dass sie Rolf Geld zukommen lassen soll. Dafür ändert nun die Bank den Kontostand von Peter und den von Rolf. Letztlich müssen beide darauf vertrauen, dass die Bank keine Fehler macht und vor Manipulationen durch Kriminelle geschützt ist. Die Blockchain speichert den Transaktionsverlauf, aber eben auf den Rechnern der beiden Beteiligten. Vertrauen entsteht dadurch, dass Peter und Rolf die Transaktionen und deren Verlauf sowie potentielle Manipulationen gleichermaßen einsehen können.

    Was bringt die Blockchain?

    Die dezentrale Möglichkeit, Dinge wie eben Geld, Mietverträge oder aber FC-Bayern-Sammelkarten fälschungssicher und ohne Mittelmann digital auszutauschen, soll vieles vereinfachen. Notare, Banken und Börsen würden teilweise unnötig.

    Neben den genannten Beispielen lassen sich so beispielsweise auch wissenschaftliche Datensätze zwischen Forschern oder Testamente zwischen Erblasser und Erben fälschungssicher teilen. Lieferketten könnten von allen daran Beteiligten gemeinsam überwacht werden, ohne dass ein Teil der Kette manipulieren kann. Auch demokratische Wahlen könnte man auf diese Weise ganz ohne Wahlbeobachter fälschungssicher machen, glauben manche.

    Auch für die öffentliche Verwaltung bieten sich Möglichkeiten, wie ein Beispiel am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zeigt. Dort experimentiert man aktuell mit Blockchain-Asylanträgen. Hier gibt es meist viele verschiedene Beteiligte, was die Dokumentation schnell unübersichtlich und fehleranfällig machen kann. Nutzt man eine Blockchain, ist jede Änderung am Dokument, jedes Hinzufügen und Entfernen von Informationen, für jeden am Antragsprozess Beteiligten jederzeit einsehbar. So kann - wie für Behörden wichtig - sicher nachgewiesen werden, wer wann welche Änderung vorgenommen hat.

    Auch die bayerische Verwaltung soll künftig laut Ministerpräsident Markus Söder verstärkt auf Blockchain-Technologie setzen.

    Wie weit ist die Blockchain?

    Im Alltag angekommen ist die Technologie dennoch nicht wirklich. Eher wird gerade ausgelotet und erforscht, wo der Einsatz von Blockchain wirklich lohnt. Das tun derzeit zwar viele Firmen und Institutionen, allerdings meist noch ohne konkreten Ergebnisse, die weit über Spielereien hinausgehen.

    Das bestätigt auch ein Blick auf eine Analyse des US-Marktforschungsunternehmens Gartner. In seinem Analyseformat "Hype cycle", der den Verlauf des Rummels um eine Innovation als Zyklus beschreibt, ist die Blockchain zuletzt vom "Gipfel der überhöhten Erwartungen" ins "Tal der Enttäuschung" abgerutscht.

    Wie tot ist die Blockchain?

    Nachdem jahrelang riesige Hoffnungen in die Technologie gesetzt wurden und, wie angesprochen, schon das Ende von Banken, Notaren oder Laufzetteln in Ämtern nahe schien, merkt der Markt laut Gartner jetzt, dass die tatsächliche Anwendung der Technik oft noch im Status von Experimenten verharre.

    Allerdings werde die Technologie dieses Tal auch wieder verlassen und dann wirklich Neuheiten vorantreiben. Bis Blockchain wirklich skalier- und umsetzbare Lösungen bietet, dürften aber noch einige Jahre vergehen. Die Experten von Gartner rechnen damit frühestens im Jahr 2028.