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Bitcoins sind eine Alternativwährung zum Zentralbankgeld und auch eine Anlage-Alternative in Corona-Zeiten. Zudem setzen immer mehr hochrangige Manager auf Bitcoin.

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Warum der Bitcoin ein Rekordhoch erreicht hat

Der Bitcoin ist zuletzt stark gestiegen, hat sogar die 20.000-Dollar-Marke überschritten. Für die aktuell hohe Nachfrage gibt es gleich mehrere Gründe, auch Corona spielt eine Rolle.

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Von
  • Christian Sachsinger

In den Zeiten der Corona-Pandemie ist die Unsicherheit unter den Anlegern sehr groß. Zwar sieht es so aus, als könnte nächstes Jahr das Virus mit Hilfe von inzwischen entwickelten Impfstoffen soweit eingedämmt werden, dass die Wirtschaft nicht mehr weiter darunter leiden muss. Es bleibt aber ein Restrisiko und die längerfristigen Auswirkungen auf die Ökonomie sind noch lange nicht klar.

Klassische Anlageformen wie Aktien, Staatsanleihen oder Währungen sind direkt an dieses Risiko geknüpft. Bitcoins sind zwar ebenfalls keine sichere Anlageform, ihr Kursrisiko hat aber nichts mit der allgemeinen Lage in der Weltwirtschaft zu tun. Für viele Anleger sind die Cybermünzen schon deshalb im Moment eine gute Alternative.

Eine technisch faszinierende Währung

Zur Erklärung trägt auch die anhaltende Begeisterung von technikaffinen Anlegern bei, die dafür sorgt, dass Bitcoins – trotz vieler Rückschläge - nie wirklich aus dem Bewusstsein der Anleger verschwunden sind. Das Kryptogeld basiert auf der Erfindung der Blockchain, jener Datenserie, die so geschickt ineinander verknüpft ist, dass es für Betrüger nahezu unmöglich wird, einen Bitcoin dazu zu mogeln.

Die Schaffung neuer Münzen erfolgt durch das sogenannte "Mining", das im Prinzip einem Rechenwettbewerb entspricht. Der wird umso anspruchsvoller, je mehr Bitcoins auf dem Markt sind. Inzwischen unterhalten die Miner große Rechenzentren, um im Wettstreit eine Chance zu haben.

Das führt zu viel Kritik durch Umweltschützer, die den immensen Stromverbrauch anprangern, den das Schaffen neuer Münzen erfordert. Auf der anderen Seite ist dieses System so raffiniert, dass die Faszination für den Bitcoin schon alleine dadurch nie wirklich verschwindet.

Bitcoins als Anti-Zentralbank-Geld

Dazu kommt, dass die Cybermünzen ein Gegenentwurf zum traditionellen Geldsystem mit Geschäftsbanken und Notenbanken sind. Während zum Beispiel der Euro von der Europäischen Zentralbank und der Dollar von der Federal Reserve gesteuert wird, entstehen die Cyberwährungen ohne jegliche Einmischung durch Zentralbanken.

Mehr noch: EZB und Fed haben überhaupt keine Möglichkeit die Entstehung neuer Cybermünzen zu beeinflussen. Tatsächlich ist der Bitcoin auch als Gegenentwurf zum klassischen Geldsystem entstanden, das in der Finanzmarktkrise vor gut zehn Jahren seine deutlichen Schwächen offenbarte. Es ist auch dieser anarchistische Aspekt, der bei vielen Fans für ungebrochene Sympathie für die Cybermünzen sorgt.

Kein Kurs-Absturz nach dem Rekord

Diese eher "weichen Faktoren", die für ein Grundinteresse am Bitcoin sorgen, haben ihn in der Vergangenheit allerdings nicht vor kräftigen Kursschwankungen bewahrt. Mit am heftigsten war der Absturz nach dem Rekordhoch bei über 19.000 Dollar im Dezember 2017. Danach fiel der Kurs innerhalb eines Jahres fast permanent, bis nur noch rund 3.000 Dollar übrig blieben.

Allem Anschein nach handelte es sich damals um eine reine Spekulationsblase, die eben geplatzt war. Diesmal scheint die Lage jedoch anders zu sein. Der Kurs gab nach dem ersten neuen Allzeithoch Anfang Dezember zwar erst einmal kräftig nach, erholte sich dann aber im Laufe der Woche wieder auf rund 19.000 Dollar. Mittlerweile steht er bei deutlich über 20.000 Dollar. Konkrete Gründe dafür gibt es mehrere.

Paypal steigt beim Kryptogeld groß ein

Der Bezahldienst Paypal gilt als seriöser Dienstleister zur Abwicklung von Geldgeschäften im Internet. Mit mehreren hundert Millionen Nutzern ist er zudem eine Marktmacht. Das Unternehmen glaubt nun, dass man der eigenen Kundschaft einen neuen Bezahl-Kanal über Cyberwährungen unbedingt öffnen sollte. "Es gibt keinen Zweifel, dass die Leute inzwischen für digitale Bezahlmöglichkeiten und für digitale Währungen schwärmen", so Paypal-CEO Daniel Schulman.

PayPal integriert also Bitcoins in das Konto, Kunden können sie dort in ihrer Wallet, ihrer virtuellen Geldbörse, speichern. Schulman will noch einen Schritt weitergehen und verschiedene Kryptowährungen als Zahlungsmittel einsetzen (anstatt Euro oder Dollar). Das war lange Zeit so nicht geplant.

Damit werden nun rund 30 Millionen Händler, die PayPal in ihre Online-Shops integriert haben, ihr Geld ab nächstem Jahr in Bitcoins, und anderen Cybermünzen bekommen können. Für den Bitcoin war diese Ankündigung ein Ritterschlag, der die virtuellen Münzen für viele Anleger plötzlich wieder in einem ganz anderen Licht erscheinen ließ.

Facebook-Währung hilft auch dem Bitcoin

Die Einführung der neuen Währung die ursprünglich von Facebook initiiert worden war, zieht sich in die Länge. Mehrere Zentralbanken hatten sich gegen Libra gesträubt und waren vor allem dagegen vorgegangen, dass das neue Geld mit einem Korb aus verschiedenen Währungen und Staatsanleihen hinterlegt wird. Das hätte eine Art Weltwährung geschaffen, auf die einzelne Notenbanken kaum mehr Einfluss gehabt hätten.

Nun gibt es einen Neustart unter anderem Namen, aus Libra wird Diem (lateinisch für Tag), wie die Assoziation zur Verwaltung der Kryptowährung in der Schweiz mitteilte. Viele Details sind offenbar immer noch nicht geklärt, so gibt es auch nach wie vor keinen definitiven Starttermin. Trotzdem tut sich was bei der neuen Währung und die Hoffnung, dass es nun doch bald losgehen könnte, lenkt viel Aufmerksamkeit auf alle Digitalwährungen, also auch auf den Bitcoin.

Gespräche über digitale Staatswährungen

Die Europäische Zentralbank hatte im Frühjahr 2020 ein Konzept für einen digitalen Euro vorgelegt. Darin steht unter anderem, dass am klassischen Prinzip der Geldschöpfung durch die Geschäfts-Banken und die EZB nicht viel geändert werden soll.

Jede Person soll sich zudem maximal 3.000 Euro in digitaler Form aufs Handy ziehen können. Es ist damit eine sehr abgespeckte Form einer Digitalwährung. Doch da gleichzeitig auch andere Länder, wie die USA und vor allem Schweden und China mit eigenem Cybergeld loslegen wollen, bringt das zusätzlichen Schwung in die gesamte Debatte um virtuelle Währungen und damit auch um den Bitcoin. Viele Anleger sehen hierin vielleicht sogar das erfolgsversprechendere Konzept im Vergleich mit den staatlich gesteuerten Versuchen.

Großinvestor glaubt jetzt an Bitcoin

Blackrock verwaltet ein immenses Vermögen von über sieben Billionen Dollar. Damit könnte der Finanzriese die gesamten deutschen Schulden auf einen Schlag tilgen – sogar dreimal (Ende 2019: 1,9 Billionen Euro). Zudem ist Blackrock rund um den Globus an etwa 17.000 Unternehmen beteiligt, kann also in der Wirtschaft enorm viel mitbestimmen.

Bislang war der Konzern gegenüber Bitcoin zurückhaltend. Noch im Oktober 2017 hatte der Chef des Unternehmens den Bitcoin als "Index der Geldwäsche" bezeichnet:

"Bitcoin zeigt Ihnen nur, wie groß die Nachfrage nach Geldwäsche in der Welt ist. Das ist alles, was es ist." Laurence Douglas Fink, CEO Blackrock

Nun denkt Finck auf einmal anders. Die Kryptowährung sei im Vergleich zu anderen Geldformen zwar noch recht klein, habe aber das Potenzial, sich zu einem globalen Markt zu entwickeln, so der Blackrock-Chef. Und seiner Meinung nach könnte es auch sein, dass der Bitcoin den Dollar als weltweite Reservewährung zumindest teilweise ablöst. Soviel Optimismus von einem der einflussreichsten Geldverwalter der Welt schiebt die Nachfrage nach Bitcoins verständlicherweise ebenfalls an.

Corona sorgt für Geldschwemme

Neben den genannten Antriebsfedern gibt es noch mehrere weitere Gründe für den hohen Bitcoin-Kurs. Dazu zählt auch das sogenannte "Bitcoin-Halving", das im Frühjahr durchgeführt wurde. Seitdem bekommen Bitcoin-Miner nur noch die Hälfte an Belohnung, wenn sie eine der komplizierten Rechenaufgaben gelöst haben, um neue Münzen entstehen zu lassen. Diese Halbierung des Lohnes findet in regelmäßigen Abständen statt und sorgt dafür, dass das Angebot an zusätzlichen Münzen zurückgeht.

Ohnehin ist die Anzahl der Bitcoins, die jemals geschaffen werden können, beschränkt und zwar auf 21 Millionen Stück (derzeit gibt es rund 18,7 Millionen). Und während viele Notenbanken derzeit massenhaft Staatsgeld produzieren, um die Kosten der Corona-Pandemie gegen zu finanzieren, bleibt das Angebot an Bitcoins knapp.

Der Traum von Kursen über 100.000 Dollar

Angesichts der positiven Faktoren wachsen viele Prognosen derzeit in den Himmel. Anders als bei Euro, Dollar oder sonstigen Währungen, die zwar ebenfalls - aber nur in engen Grenzen - schwanken können, weil sonst die Zentralbanken einschreiten, gibt es beim Bitcoin keine Institution die gegensteuert. Schon deshalb ist einem Kursanstieg nach oben theoretisch keine Grenze gesetzt.

Das gilt jedoch genauso in die andere Richtung. Es könnte durchaus sein, dass Bitcoins aus irgendeinem Grund – etwa weil große Cyber-Handelsplattformen gehackt werden – wieder ganz schnell massiv an Wert verlieren. Eine Geldanlage in Bitcoin und Co. kann sogar mit einem Totalverlust enden. Faszination hin, Kursanstieg her, es kann gar nicht oft genug gewarnt werden: Bitcoins sind ein Risikogeschäft und nichts, um sich zum Beispiel eine solide Altersvorsorge aufzubauen.

Im Tech-Podcast "Umbruch" gibt es hier viele Erklärungen rund um Bitcoin und Blockchain.

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