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Die Blockchain-Plattform BitClout will die sozialen Medien verändern - doch zieht damit vor allem Unmut auf sich

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    Blockchain-Plattform baut einen menschlichen Aktienmarkt

    Das neue soziale Netzwerk "BitClout" will mit dem Ansehen von Personen Geld verdienen. Ethische Bedenken sind nur eines von vielen Problemen. Trotzdem werden im Silicon Valley hunderte Millionen Dollar in das Netzwerk investiert.

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    Von
    • Gregor Schmalzried

    Ein neues soziales Netzwerk sorgt im Silicon Valley für Kontroversen. "BitClout" hat mit dem Konzept eines "menschlichen Aktienmarkts" einen dreistelligen Millionenbetrag an Investitionen eingesammelt. Doch das Projekt, das wie Bitcoin und NFTs auf der Blockchain-Technologie basiert, wird hart kritisiert.

    💡 Was ist die Blockchain?

    Eins der großen Trend-Themen in Tech- und Finanzwelt. Eine Blockchain ist eine dezentrale Datenbank, in der Informationen nicht nur auf einem Rechner, sondern tausendfach gespeichert werden. Die Technologie verspricht Sicherheit und eine Revolution des Internets - wird auch kritisch gesehen: Noch gibt es nämlich wenige nützliche Anwendungen der Blockchain, außerdem verbraucht sie im Moment sehr viel Energie und gilt deshalb als umweltschädlich.

    Was soll BitClout sein?

    Das Versprechen der Plattform BitClout steht groß auf der eigenen Homepage: "Bitcoin is decentralizing money, BitClout is decentralizing social." Soll heißen: So wie die Kryptowährung Bitcoin eine dezentralisierte Alternative zum klassischen Geldsystem darstellen soll, soll BitClout die sozialen Medien dezentralisieren. Wie auf Twitter kann man hier auf dem eigenen Profil Updates posten und einen Feed von den Accounts sehen, denen man folgt. Da das Projekt auf der Blockchain-Technologie basiert, soll es jedoch keine zentrale Instanz geben, die Inhalte kontrollieren kann.

    Zahlreiche der wichtigsten Wagniskapital-Geber der Vereinigten Staaten haben in das Projekt investiert - dreistellige Millionen-Dollar-Beträge in Bitcoin. Es gibt auch erste prominente User der Plattform: darunter die Musiker Diplo und Mike Posner, der Schauspieler Ashton Kutcher und der Fußballer Paul Pogba.

    Ein menschlicher Aktienmarkt

    Die wichtigste Funktion von BitClout ist jedoch eine, die sie stark von anderen sozialen Netzwerken unterscheidet: Wie das White Paper der Plattform erklärt, kann man auf BitClout nicht nur Accounts folgen, man kann auch in sie investieren. Dazu wird für jeden Account Kryptowährung angeboten, die man kaufen und verkaufen kann.

    Die Theorie dahinter: Wird eine prominente Person beliebter, so steigt auch der Wert ihrer Kryptowährung. Leidet ihre Reputation, etwa durch einen Skandal, soll der Wert fallen. Auf diese Weise entsteht eine Art menschlicher Aktienmarkt auf der Blockchain, in dem man mit dem Ansehen realer Personen Geld verdienen kann.

    Nach dieser Metrik ist die aktuell wertvollste Person auf der Plattform übrigens Tesla-Gründer Elon Musk. Es folgen Personen wie Popstar Ariana Grande, YouTuber Logan Paul und "DiamondHands", der Gründer von BitClout. Laut der New York Times handelt es sich dabei vermutlich um den ehemaligen Google-Mitarbeiter Nader al-Naji.

    Heftige Kritik an Bitclout

    Seit dem Start von BitClout wird die Plattform heftig kritisiert. Die Journalistin und Blockchain-Expertin Amy Castor bezeichnet BitClout als "eine schlechte Idee auf der anderen". Besonders falsch sei es, dass BitClout sich selbst nicht als Unternehmen, sondern als Blockchain bezeichne, um Regulierung zu entgehen, was wohl kaum funktionieren würde. In der Szene der Blockchain-Investoren steht der Verdacht im Raum, bei BitClout könnte es sich gar um einen "Schwindel" handeln, zu intransparent sei das Geschäftsmodell.

    Vor allem aber die Idee eines menschlichen Aktienmarkts sorgt bei vielen Beobachtenden für Kopfschütteln. Dass der Wert einer Person mit ihrem Verhalten steigen und fallen könnte, erinnert an Social Credit-Systeme, wie sie etwa in Bezug auf China oft diskutiert werden. Zudem könnte eine breite Nutzung von BitClout die gefährlichsten Aspekte der sozialen Medien noch weiter verschärfen: Mittlerweile denken einige Social Media-Plattformen darüber nach, Like- und Follower-Zahlen auszublenden, damit auf den Nutzerinnen und Nutzern weniger Druck herrscht. Ein System wie BitClout würde einen solchen Druck im Gegenteil stark verschärfen. Diese Probleme bleiben nicht unbemerkt: "Oh Junge, BitClout ist die schlechtesten Teile von allen sozialen Medien auf einmal", schreibt ein User auf Twitter.

    Auch für Prominente besteht in diesem Modell ein erhebliches Risiko. Zwar soll BitClout Personen des öffentlichen Lebens die Möglichkeit geben, am eigenen Kursgewinn zu profitieren. Doch genau darin bestehe die Gefahr, erzählt der Milliardär und Tech-Investor Mark Cuban in einem Interview - denn genau wie Aktienkurse wären auch BitClout-Konten angreifbar für Manipulation: "Wenn einem seine Community wichtig ist, will man doch keine Erwartungen erzeugen, die man dann nicht erfüllen kann. Ich will doch kein Mark Cuban-Token, das an einem Tag eintausend Dollar wert ist und am nächsten nur noch einen Penny, ohne dass ich weiß, welche Kräfte von außen das bewirkt haben."

    © Bitclout/Screenshot
    Bildrechte: Bitclout/Screenshot

    Das BitClout-Profil von Influencerin Kim Kardashian. Selbst angemeldet ist sie nicht.

    Elon Musk & Co sind gar nicht auf der Plattform

    Einige Prominente sind wohl bereit, das Risiko des eigenen Wertverfalls einzugehen, doch viele andere halten sich zurück. Allerdings: Das bedeutet nicht, dass ihre Kryptowährungen nicht auf BitClout verfügbar wären. Elon Musk, der auf BitClout der wertvollste Account ist, ist selbst kein Nutzer der Plattform. Trotzdem gibt es ein Profil mit seinem Namen.

    Das liegt daran, dass BitClout massenhaft Profile von prominenten Personen erstellt hat, ohne diese zu fragen. Lee Hsien Loong, der Premierminister von Singapur, hat in einem Facebook-Post BitClout dafür kritisiert, dass ohne seine Erlaubnis Kryptowährung unter seinem Namen verkauft würde. Und auch der Star Trek-Schauspieler William Shatner machte auf Twitter seinem Ärger über die Plattform Luft - sie sei ein "Schwindel".

    Auch rechtliche Schritte sind nun denkbar. Dass BitClout die Gesichter und Namen berühmter Personen nutzt, um mit ihnen Geld zu verdienen, ist nur eines der vielen Probleme, wegen derer die Plattform kritisiert wird. Doch es könnte das eine Problem sein, dass am meisten Gefahr für die Zukunft des Blockchain-Netzwerks birgt.

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