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#birdboxchallenge - Mems, die weh tun | BR24

© dpa

Sandra Bullock im Horror-Film "Bird Box"

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    #birdboxchallenge - Mems, die weh tun

    Augen zu und durch! In der "birdboxchallenge" verbinden sich Nutzer wie im Netflix-Film "Bird Box" die Augen und rennen dann albern herum. Netflix warnt jetzt vor Verletzungen. Die Challenge ist aber nicht das erste Mem mit Gefährdungspotenzial.

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    Typisch Netz? Ja. Witzig? Keine Ahnung. Tut das weh? Ja. Zumindest, wenn man dem Kleinkind die Augen verbindet, und es dann gegen die Wand rennt. Unschön. Ein Netzphänomen entwickelt mal wieder Auswüchse, wie in dem folgenden Video. Was ist da los?

    Im Netflix-Horrorfilm "Bird Box" flieht Sandra Bullock mit ihrer Familie im dystopischen Amerika vor unsichtbaren Monstern - mit verbundenen Augen, sonst droht der Tod. Soweit die Mechanik des Films. Ein willkommenes Setting für Internetquatsch, und so fangen Nutzer an, sich die Augen zu verbinden, verrückt im Haus herum zu rennen, 24 Stunden blind durch die Stadt zu steuern, oder eben auch wirklich dumme Dinge zu tun: sich beim Autofahren die Mütze über die Augen zu ziehen oder sein Kind mit verbundenen Augen gegen die Wand rennen zu lassen.

    Netflix: "Tut euch nicht weh"

    Die Videos landen dann unter dem Hashtag #birdboxchallenge bei Youtube, Instagram oder Twitter. Das Netz befindet die Challenge für unterhaltsam und kopiert sie dort in den unterschiedlichsten Varianten - ein Mem ist geboren. Netflix findet dieses "Bird Box"-Fantum zwar super, aber jetzt hat sich der Streamingdienst via Twitter mit einer Bitte geäußert: "Ich kann nicht glauben, dass ich das sagen muss: Bitte tut euch nicht weh bei dieser 'Bird Box'-Challenge."

    Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Netzphänomen so weit eskaliert, dass es am Ende eben nicht bei blauen Flecken bleibt:

    2011 lag "Planking" voll im Trend. Planking begann damit, dass man sich mit dem Gesicht nach unten und Armen parallel zum Körper bauchlängs irgendwo an einem ungewöhnlichen Ort hinlegte und fotografierte, zum Beispiel Mitten auf der Treppe in der Einkaufsstraße oder im Supermarkt-Regal. Die Orte wurden mit der Zeit immer extremer und gefährlicher. Im Mai 2011 gab es dann einen Todesfall in Australien, wo das Mem besonders populär war: Ein junger Mann fiel bei einem Planking-Versuch vom Balkon und starb.

    © Sun Xiumin/picture alliance

    Trend, der um die ganze Welt ging: Planking. Hier ein Mann in Shenyang, China.

    Auch in den letzten Jahren hatte sich im Netz, vor allem in den USA, eine Challenge entwickelt, die alles andere als harmlos war: die "Tide POD Challenge". Dabei filmten und fotografierten sich meist Jugendliche, wie sie in ein knallbuntes Gelkissen mit Flüssigwaschmittel bissen. Erst nicht ganz ernst gemeint und nur vermeintlich auf die Gelkissen beißend, gab es bald die ersten Nutzer, die tatsächlich die Gelkissen zerbissen und ihnen das Waschmittel aus dem Mund lief.

    Jugendliche zerbeißen Waschmittel-Pads

    Allein zu Beginn des Jahres 2018 schoss die Zahl der bei den amerikanischen Giftnotrufen gemeldeten Fälle absichtlich herbeigeführten Schluckens solcher Waschmittelpads in die Höhe. Die Zahlen zeigten: Vor allem Jugendliche waren betroffen.

    Aber schließlich findet auch nicht jedes Mem sein Ende in solchen Katastrophen. Dass jetzt bei der #birdboxchallenge wieder alle mit dabei sind, vom Familienvater bis zur Influencerin, heißt natürlich nicht, dass deswegen alle viel vernünftiger unterwegs sind.