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Zahlen mit dem Smartphone | BR24

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Kontaktlos Zahlen übers Smartphone: 2017 starteten Postbank und Deutsche Bank ihren Service. Im Juni 2018 folgte Google mit einem Bezahldienst, nun sind die Sparkassen und Volks- und Raffeisenbanken nachgezogen. Wie gut und sicher sind die Angebote?

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Zahlen mit dem Smartphone

Kontaktlos Zahlen übers Smartphone: 2017 starteten Postbank und Deutsche Bank ihren Service. Im Juni 2018 folgte Google mit einem Bezahldienst, nun sind die Sparkassen und Volks- und Raffeisenbanken nachgezogen. Wie gut und sicher sind die Angebote?

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Kontaktloses Zahlen

Kontaktloses Bezahlen mit dem Handy geht mit Android-Geräten (Apple Pay ist in Deutschland noch nicht gestartet), die über einen sogenannten NFC-Chip verfügen. Das Kürzel steht für Near Field Communication, eine Technik die Daten zwischen zwei Geräten übertragen kann, wenn diese sich ca. 4 cm aneinander annähern. Solche Chips sind inzwischen auch in vielen Kredit bzw. EC-Karten verbaut.

Welche Apps gibt es?

Auf das Smartphone muss ein entsprechende Bezahl-App aus dem Android Play Store geladen werden, also z.B. Google Pay, Mobiles Bezahlen von den Sparkassen, Boon von Wirecard oder Glase vom schwedischen Unternehmen Glase FinTech AB. Diese Apps brauchen nun Zugriff auf eine Kreditkarte, auf eine Guthabenkarte (z.B. bei Google Pay) oder auf ein Bankkonto. Das Einrichten der App ist meist in ein paar Minuten erledigt. Nun gilt es nur noch einen Laden zu finden, dessen Kassenterminal mit NFC ausgerüstet ist, zu erkennen an einem Antennensymbol. Daran hält man sein Smartphoneund braucht bei kleineren Beträgen (25 bzw. 50 Euro) nichts mehr weiter zu tun. Bei größeren Rechnungen muss allerdings das Handy entsperrt bzw. eine zusätzliche PIN-Nummer eingetippt werden, auch eine Autorisierung per Fingerabdruck ist möglich.

Wie sicher ist NFC?

Prinzipiell können die Chips geknackt und Daten ausgelesen werden. Da bei manchen Apps kleinere Überweisungen zudem ohne Entsperren des Gerätes möglich sind, könnten Kriminelle theoretisch mit einem tragbaren Bezahlterminal einfach im Vorbeigehen Zahlungen auslösen. Das gestohlene Geld würde dann ja aber auf einem Bankkonto landen und ein Dieb wäre somit identifizierbar. Das Risiko, bzw. der Aufwand lohnen für Beträge von maximal 50 Euro also kaum.

Allerdings sind auch Smartphones anfällig für Viren und anderer Schadsoftware. Die Hersteller versuchen dem entgegenzuwirken, indem Sie die Bezahlfunktionen vom Rest des Systems isolieren und wichtige Daten verschlüsseln. Trotzdem gibt es immer ein geringes Restrisiko.

Was passiert wenn mein Handy geklaut wird?

Wenn Fremde ein Smartphone mit Bezahl-App in die Finger bekommen, können sie damit auch Shoppen gehen. Je nach Einstellung lassen sich kleinere Einkäufe ohne PIN bezahlen, da hierfür das Handy oft nicht entsperrt werden muss. Bekommt jemand das Smartphone ungesperrt zu fassen, kann er womöglich bis zum Kartenlimit damit zahlen. Eine sichere Displaysperre ist also ein MUSS, wenn auf dem Smartphone eine Bezahl-App läuft. Außerdem sollte man App dann so einstellen, dass nur dann bezahlt werden kann, wenn das Gerät entsperrt ist, diese Möglichkeit bietet etwas die Sparkassen-App. Genau wie bei der Kreditkarte muss auch der Verlust eines Handys mit Zahl-Funktion sofort gemeldet werden. Sonst haftet der Kunde auch hier für unrechtmäßige Transaktionen bis zu 50 Euro. Wer sich grob fahrlässig verhalten hat, weil er zum Beispiel die PIN-Nummer auf die Rückseite des Geräts gekritzelt hat, muss sich darauf einstellen, dass es deutlich teurer wird, wenn sich Kriminelle bedienen. Der Anzeigepflicht kann man zum Beispiel beim Zentralen Sperrannahmedienst nachkommen unter der landesweiten Nummer 116 116.

Kostet Bezahlen mit dem Handy etwas?

Nein, Apple möchte zwar 15 % am Anteil, den das Kreditkartenunternehmen bzw. die Bank an einer Transaktion verdient. Aber nicht der Kunde, sondern das entsprechende Kreditinstitut muss die Gebühr an Apple entrichten. In der Regel erheben Visa, Mastercard & Co. eine Gebühr von zwei oder drei Prozent pro Bezahlung, von diesem Betrag würde Apple in Zukunft also 15 % einstreichen. Bei den Sparkassen hatte es Berichte über Kosten für den Kunden beim Handy-Zahlen gegeben. Ob den Kunden tatsächlich einen monatlichen Betrag von beispielsweise 25 Cent in Rechnung gestellt wird, entscheidet jede Sparkasse selbst, viele Niederlassungen wollen darauf allerdings verzichten.

Was machen die Pay-Apps mit den Daten?

Wer mit dem Handy bezahlt, teilt seine Kaufhistorie dem Anbieter der App und der beteiligten Bank mit. Die Nutzerdaten lassen durchaus Rückschlüsse zu auf das Konsumverhalten und damit auf die eigene Person. Zudem werden die Daten zu Geld gemacht: So räumt sich die App Glase das Recht ein, zielgerichtete Werbung von Dritten zu schalten. Und Google behält sich vor, die Daten in bestimmten Fällen auch Drittanbieter zur Verfügung zu stellen, wie aus den Geschäftsbedingungen hervor geht.

Verschwindet jetzt das Bargeld?

Nein. Die Deutschen lieben Bargeld, hier wird auch wesentlich weniger mit Kreditkarten bezahlt als beispielsweise in den USA. Vorreiter in Sachen bargeldlose Gesellschaft ist Schweden, dort bringt der weitgehende Verzicht auf Bargeld allerdings auch Probleme mit sich. Bargeld garantiert Anonymität im Zahlungsverkehr und schon alleine deswegen scheint es weder wahrscheinlich noch wünschenswert, dass in Zukunft nur noch per Smartphone bezahlt wird.