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Wegen des Vorwurfs des gewerbsmäßigen Betrugs im Internet muss sich in Würzburg ein 37-Jähriger am Landgericht verantworten.

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    Betrug im Netz: Weiterer "Cybertrading"-Prozess in Würzburg

    Eben erst ist ein 40-Jähriger in Würzburg zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt worden. Nun beginnt ein neuer Prozess in einem ähnlichen Fall. Es geht um Betrug im großen Stil: Zwei Gruppen sollen im Netz Anleger um ihr Geld gebracht haben.

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    Von
    • Pirmin Breninek

    Bei einer ganzen Reihe von fingierten Anlageportalen soll der Mann aktiv gewesen sein. Am Landgericht Würzburg muss sich ab Donnerstag ein 37-Jähriger verantworten. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger Bandenbetrug im Internet. Auf sogenannten "Cybertrading"-Plattformen soll der Angeklagte Privatanleger um mehr als 550.000 Euro gebracht haben. Es ist bereits der dritte Prozess dieser Art, der nun in Würzburg stattfindet.

    Anlagebetrug über fingierte Online-Handelsportale

    Die Vorwürfe gegen den Angeklagten klingen erschreckend bekannt. Er hat nach Angaben der Ermittler für Plattformen unter den Titeln "XTraderFX" oder "OptionStarsGlobal" gearbeitet. Unter anderem soll der 37-Jährige in der bulgarischen Hauptstadt Sofia als eine Art "Call-Center-Agent" tätig gewesen sein.

    Die Masche der Tätergruppen verlief dabei wohl immer wieder ähnlich: Unter der Aussicht auf große Gewinne wurden Anleger dazu gebracht, auf den betrügerischen Plattformen Konten zu eröffnen, so schildert es die zuständige Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB). Die Einstiegsbeträge lagen vergleichsweise niedrig: 250 bis 300 Euro. Bestand einmal ein Konto, wurden die Anleger laut den Ermittlern überzeugt, noch mehr Geld zu investieren. Dafür seien ihnen gefälschte Grafiken angezeigt worden, die vermeintliche Gewinne zeigten. Die Anleger dachten also, ihr Geld sei am Devisenmarkt oder in Kryptowährungen investiert worden. Auszahlungen hätten jedoch kaum stattgefunden. Tatsächlich landete der Großteil des Geldes wohl in den Taschen der Betrüger.

    Weiterer Angeklagter in Würzburg zu Haftstrafe verurteilt

    Sollten sich die Vorwürfe erhärten, erwartet den Mann vermutlich eine Haftstrafe. Erst vor wenigen Tagen ist bereits ein inzwischen 40-Jähriger am Landgericht Würzburg zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Auch der 40-Jährige war Teil des Betrugsnetzwerkes um "XTraderFX" und "OptionStarsGlobal". Der nun angeklagte 37-Jährige soll ab Juni 2019 außerdem Teil einer weiteren Gruppierung gewesen sein. Über diese liefen laut den Ermittlern Plattformen unter den Namen "Trade Capital", "Fibonetix" und "Nobel Trade". Auch auf diesen Portalen sollen Anleger um mehrere Millionen Euro betrogen worden sein.

    Anzeige kam aus Ochsenfurt

    Die vorliegenden Verfahren rund um fingierte Handelsplattformen werden in Würzburg verhandelt, weil eine der geschädigten Personen aus dem unterfränkischen Ochsenfurt stammt. Hinter diesen und anderen Fällen steckt nach bisherigem Kenntnisstand der Ermittler ein Netzwerk, das in verschiedenen europäischen Ländern aktiv war. Anfang Januar 2019 sollen an mehreren Standorten unter anderem in Georgien und Bosnien-Herzegowina insgesamt 472 Personen beschäftigt gewesen sein. Laut ZCB beläuft sich der Schaden insgesamt auf mehr als 100 Millionen Euro. Betroffen seien tausende Anleger aus Deutschland – in anderen europäischen Ländern sind ähnlich viele Geschädigte bekannt.

    Allein zur Plattform "XTraderFX" lagen bei der Zentralstelle Cybercrime Bayern im Dezember 2020 insgesamt 203 Strafanzeigen aus Deutschland vor. Das Dunkelfeld sei jedoch "beträchtlich", heißt es. Nach monatelangen Ermittlungen nahmen Ermittler aus Deutschland, Österreich, Serbien und Bulgarien, im April 2020 zwei internationale Tätergruppen fest.

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