BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

BayernApp: Zu Beginn noch wenig Angebot der Behörden | BR24

© BR/Christian Sachsinger

Digitalministerin Gerlach stellt die BayernApp vor. Alles hängt jedoch von den Behörden ab.

5
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

BayernApp: Zu Beginn noch wenig Angebot der Behörden

Die Menschen steuern ihr Leben mit Hilfe von Smartphone und Tablet. Dem versucht der Freistaat Rechnung zu tragen: Jetzt gibt es die BayernApp zum Herunterladen. Damit soll die Verwaltung bald digitaler und bürgernäher werden. Wir haben es probiert.

5
Per Mail sharen
Von
  • Christian Sachsinger

"Die BayernApp ist die erste ihrer Art. Bayern geht voran beim Mobile Government", sagt Digitalministerin Judith Gerlach bei ihrer Präsentation. Und weil ich darüber nachdenke, ob es diese Disziplin überhaupt schon gibt, oder ob sie die Ministerin gerade eben erfunden hat, schweife ich gedanklich ab. Doch nur kurz, denn: "Egal, ob Sie eine Geburtsurkunde brauchen, Familiengeld beantragen oder Ihren neuen Hund anmelden wollen – das können Sie ab sofort auch ganz bequem von unterwegs über die BayernApp starten." Das will ich sehen.

31 Lebenslagen sorgen eher für Verwirrung

Die neue BayernApp kommt erst mal sehr nüchtern daher. Wenig optisches Geschnörkel, eine weiße Raute und das Landeswappen - mehr braucht´s anscheinend nicht. In zwei Schritten hat man den Einstieg geschafft: seinen Ort festlegen und die Lebenslage auswählen.

Wobei es bei der Lebenslage schon unübersichtlich wird. 31 verschiedene Optionen kann ich auswählen, einige erschließen sich mir sofort: Geburt, Umzug oder Ausweise und Dokumente beispielsweise. Unter Waren und Dienstleistungen, beziehungsweise unter Sicherheit kann ich mir dagegen nichts Konkretes vorstellen. Also wähle ich genau diese beiden und starte.

Nun zeigt mir die Bayern-App als erstes Leistungen an und informiert mich unter diesem Punkt, dass Deutsche einen Personalausweis bei ihrer zuständigen Gemeinde beantragen können. Tatsächlich?! Diese Information wird mir dabei angezeigt, obwohl ich die Lebenslage Ausweise und Dokumente vorhin ja gar nicht ausgewählt hatte.

Corona-Informationen gut sichtbar

Ich scrolle weiter nach unten in der App. Hier werden mir nun Informationen zum Coronavirus angeboten. Im dritten Unterpunkt, Besondere Hinweise, finde ich verschiedene Hotlines, etwa für Unternehmen, Schulleitungen oder Eltern. Nützlich!

Die Corona-Infos verschwinden auch nicht, nachdem ich andere Lebenslagen ausgewählt habe. Überhaupt scheint es keinen Unterschied zu machen, ob ich 10 Lebenslagen ausgewählt habe oder gar keine. Verstehe ich nicht! Ich frage nach beim Digital-Ministerium. Antwort: die Lebenslagen dienen vor allem zur Sortierung. Jene Dinge, die für mich gerade wichtig sind, rutschen nach oben. Aber angezeigt wird generell alles. OK, aber ob die App dadurch wirklich übersichtlicher wird?

Stichprobe KFZ-Anmeldung: eher bedingt hilfreich

Nun versuche ich mir über die Suchmaske konkrete Hilfe zu holen. Ich habe ein Auto gekauft und möchte es anmelden. Die Suche nach Auto anmelden liefert mir zwei Treffer: 1. Gewerbeanzeige; Gewerbeanmeldung (warum, bei mir geht es doch um ein Auto?) und 2. Kraftfahrzeug; Beantragung Neuzulassung (das passt!).

Nun wird das für mich zuständige Landratsamt angezeigt – und zwar gleich dreimal, mit dreimal der gleichen Adresse und der gleichen Telefonnummer. Sonst erfahre ich … nichts. Auch nicht, dass man, wie ich aus Erfahrung weiß, das Landratsamt und damit die KFZ-Zulassungsstelle wegen Corona derzeit nicht betreten darf, außer man hat vorher einen Termin gebucht. Online. Eine Steilvorlage für eine Verwaltungs-App. Leider verpasst. In der Bayern-App fehlt der simple Link zur Online-Termin-Buchung in meinem Landratsamt.

BayernApp ist von den Behörden abhängig

In der offiziellen Präsentation habe ich unterdessen erfahren, dass mit der BayernApp Zugang zu staatlichen und kommunalen Verwaltungsleistungen mit Verlinkungen zu mehr als 150 verschiedenen Online-Diensten und rund 6.000 staatlichen und kommunalen Behörden geschaffen werde. Vielleicht war mein Landratsamt da rein zufällig noch nicht mit dabei – während alle anderen schon fleißig die BayernApp befüllen? Wohl eher nicht.

Im Digitalministerium erfährt man, dass viele Behörden ihre Dienste grundsätzlich erst noch durchdigitalisieren müssten. Und obwohl sie dazu bis Ende 2022 verpflichtet sind, scheint es noch immer große Lücken zu geben. Das Ministerium kann hier nicht viel machen, außer Hilfsgelder für Software anzubieten. Nach unten durchregieren könne man nicht, heißt es.

Und deshalb weiß Ministerin Judith Gerlach wahrscheinlich, dass ihre Bayern-App momentan noch ein ziemlich leeres Gefäß ist. Und dieser Blau-Weiß-Digital-Verwaltungs-Amphore fehlt außerdem der letzte Schliff. Das zumindest gibt Gerlach auch unumwunden zu: die aktuelle BayernApp sei erst eine Version 1.0 – Updates sollen folgen.

© BR

Der Gang aufs Amt soll obsolet werden - mit einer neuen App fürs Smartphone. Doch einen Haken gibt´s bei der neuen BayernApp: Viele Kommunen können ihre Dienste noch gar nicht digital anbieten.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!