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Bayerischer Digitalgipfel: Mensch und Maschine als Team | BR24

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Bayerischer Digitalgipfel: Mensch und Maschine als Team

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Bayerischer Digitalgipfel: Mensch und Maschine als Team

Raketentriebwerk aus dem 3D-Drucker, Arztdiagnose mit KI-Hilfe oder Roboter auf dem Mars - der Zug in Sachen KI und ähnlicher Hochtechnologie ist noch lange nicht abgefahren. Aber es braucht Anwendungsbeispiele, um die Zukunft greifbar zu machen.

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Gleich zu Beginn werden Brezen in Hashtag-Form gereicht und die Bühne eröffnet ein Science-Slammer, indem er - nicht ganz humorfrei - die Probleme, die künstliche Intelligenz mit der Bratwurst hat, veranschaulicht. Natürlich darf die bayerische Färbung erkennbar sein auf der "code bavaria", dem Bayerischen Digitalgipfel 2019, den das Bayerisches Staatsministerium für Digitales in München veranstaltet.

Denn in Bayern geht etwas voran, was etwa Technologie-Entwicklungen im Bereich künstliche Intelligenz angeht. Die Start-up-Förderung ist besser geworden. Und mit Standorten wie der Technischen Universität München hat der Freistaat in dem Bereich begehrte Zentren für Ausbildung und Forschung. Außerdem finden hier mittlerweile auch regelmäßig wichtige Kongresse statt, die sich mit Digital-, Startup- und Tech-Themen beschäftigen, wie etwa die Digital Life Design, Bits & Pretzels oder der Zündfunk Netzkongress.

Kritik, ja bitte

Und nun: ein Digitalgipfel eines Ministeriums, mit namhaften Experten und Gästen aus Großbritannien oder Estland. Digitalministerin Judith Gerlach könnte die Beweihräucherung des Standorts Bayern breittreten, benennt in ihrer Eröffnungsrede auf dem Digitalgipfel aber die Aufgaben, die bislang noch wenig glanzvoll umgesetzt wurden.

Es hakt noch in der digitalen Verwaltung

Stichwort E-Government - hier sagt Gerlach, dass die digitale Umsetzung vieler Behördengänge für die Bürger noch nicht weit genug ist. Dass etwa die immergleichen Daten, zum Beispiel wie viele Kinder jemand hat, mehrfach durch Behörden erhoben werden, wenn diese Informationen doch sowieso beim Finanzamt lägen, müsse durch Austausch und Vernetzung verbessert werden.

Und auch die Sichtbarkeit von Frauen in IT- und Tech-Berufen könnte noch besser sein, denn vielen junge Frauen fehlt hier ein Vorbild aus diesem Bereich. Hier könnte die kürzlich von Gerlach ins Leben gerufene Initiative "BayFiD – Bayerns Frauen in Digitalberufen" helfen, eine Art Mentoring- und Vernetzungsprogramm für Frauen.

Wie besiegt man die Angst vor künstlicher Intelligenz?

Das große Thema künstliche Intelligenz nimmt nahezu das gesamte Programm des Digitalgipfels ein. Und dabei herrscht überwältigender Konsens. Es gibt eine enorme Hürde hier in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern: Während chinesische und US-Unternehmen vorangehen und Tatsachen schaffen, geht es hier nur langsam voran. Und am Ende sollen diese Tatsachen unser europäisches Wertesystem ja nicht überrumpeln. Was also tun?

Dystopien zu künstlicher Intelligenz à la Terminator ausmalen? Warten und hoffen, dass die Politik alle Rahmenbedingungen durchdekliniert? Mögliche Arbeitsplatz-Verluste anprangern? Nein. Viele Speaker betonen, dass es vor allem mehr konkrete Anwendungsbeispiele braucht, um den Menschen die Angst vor künstlicher Intelligenz zu nehmen ohne dabei berechtigte Bedenken vom Tisch zu wischen.

Positiv-Beispiele hierfür finden auch auf der "code bavaria"-Bühne statt: Etwa wie im Intensiv-Medizin-Bereich, z.B. der Frühmobilisierung von Patienten, KI und Robotik den Pflegekräften bei körperlich herausfordernden Aufgaben zur Seite stehen können, sodass diesen mehr Zeit und Kraft für die Patientenbetreuung bleibt. Oder das Raketentriebwerk, das von künstlicher Intelligenz designt und dann mit dem 3D-Drucker hergestellt wurde. Dabei wird der Ingenieur nicht überflüssig gemacht, sondern seine Expertise wird einfach an anderer Stelle stärker gebraucht: Er definiert und konzipiert den Anwendungs- und Funktionsbereich.

Ethik und Interdisziplinarität

Damit dabei nicht nicht an den Menschen vorbei gedacht wird, muss Innovation so divers und interdisziplinär wie möglich gestaltet werden. "Der Informatiker ist nicht die eierlegende Wollmilchsau", sagt Lorena Jaume-Palasi von der "Ethical Tech Society". Es brauche Leute aus dem Fachsektor, aber auch Soziologen, Experten für Usability und andere Disziplinen. Jan-Hendrik Passoth, Leiter des "Munich Center for Technology in Society" der TU München ergänzt, dass ein Umdenken in den Entwicklungsprozessen nötig sei: Dabei sollte man sich zu Beginn der Entwicklung an gesellschaftlich relevanten Zielen orientieren, und nicht am Ende.

Ziel: Mensch und Roboter sind eins - auf dem Mars

Egal wie skeptisch man Robotern und künstlicher Intelligenz möglicherweise gegenübersteht - am Stand des "Roboy"-Teams durfte man sich ein Bild machen von einem Roboter, der noch Großes vorhat, und durch den man sich wohl gerne ersetzen lässt. Das Team will seinen humanoiden Roboter immer weiter dem Menschen nachempfinden, nachbauen und verbessern. Der Roboter soll am Ende vom Menschen gesteuert, quasi als dessen Avatar, in Bereichen eingesetzt werden, die für den Menschen selbst eher unwirtlich sind. Ziel des Teams: der Mars. Dort soll der Roboter 2024 dann zum Einsatz kommen. Mensch und Maschine als Team.