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Battle Royale ohne Politiker-Battle | BR24

© Koelnmesse/Uwe Weiser

Versuchte, die Wogen nach der Diskussion um Fördertöpfe für die deutsche Gamesbranche zu glätten: Verkehrsminister Andreas Scheuer (2. v.r.)

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Battle Royale ohne Politiker-Battle

Rauer Ton, wilde Vorwürfe, fliegende Spielecontroller - all das gab es nicht. Die Auftritte von Politikern auf der Gamescom, zum Beispiel im "Debatt(l)e Royale"-Format, gingen ohne größere Blessuren oder Streit über die Bühne. Ein Wunsch bleibt aber.

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Hier "Cyberpunk 2077" und "Final Fantasy VII", dort Politiker im sogenannten "Debatt(l)e Royale 2019“. Auf der Gamescom stellten sich am Mittwoch mehrere Politiker den Fragen der Moderatoren und Gamer, welche sie über die sozialen Medien stellen konnten. Mit von der Partie war vor allem die Generalsekretärs-Riege mit Paul Ziemiak (CDU), Lars Klingbeil (SPD), Linda Teuteberg (FDP), dazu die Geschäftsführer Jörg Schindler (Die Linke) und Michael Kellner (Die Grünen). Die AfD war nicht dabei.

Viele kritische Themen

Dabei diskutierten sie viele kritischen Themen. Eines war die Zusicherung der Gamesförderung. Zwar stehen im Bundeshaushalt für das laufende Jahr aktuell noch Fördertöpfe von 50 Millionen Euro zur Verfügung, die von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) versprochene Unterstützung für das kommende Jahr 2020 taucht im Haushaltsentwurf allerdings bislang nicht auf. Scheuer versprach zur Eröffnung der Gamescom vage, dass die Förderung weithin ganz oben auf seiner Prioritätenliste stehe. Auch die beiden Generalsekretäre der Regierungskoalition Ziemiak und Klingbeil bekräftigten, dass sie hinter der Förderung stünden und diese auch künftig fortgesetzt werden sollte.

Rezo und das Zauberwort Kommunikation

Auch das mehr als 15 Millionen mal geklickte Video von Youtuber Rezo, in welchem er vor allem die CDU deutlich kritisierte, war Thema der Diskussionsrunde. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak wich dem Thema anfangs aus, gestand am Ende aber ein, dass die CDU eine bessere Kommunikation für solche Fälle brauche – es müsse auf der "gleichen Ebene“ geantwortet werden. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil plädierte für ein Umdenken, denn man müsse mit allen Medien gleichermaßen zusammenarbeiten:

"Wir sind in der Politik immer noch glücklich darüber, wenn wir mit einem tollen Zitat in der FAZ laufen. Aber viele haben noch nicht durchdrungen, wie heute moderne Kommunikation funktioniert und das ist etwas, was uns beschäftigen sollte, weil man dann den Anschluss an die junge Generation dann auch verliert.“ – Lars Klingbeil, SPD-Generalsekretär

Alle wollen schnelles Internet, aber wo bleibt es?

In einem Punkt war sich die "Debatt(l)e Royale“-Runde ziemlich einig: Sie alle sind für besseres Internet, denn das wird am Ende nicht nur fürs "Cloud Gaming“ gebraucht. Allerdings mussten sie sich eingestehen, dass der aktuelle Stand des Breitbandausbaus hinterher hängt. Wie das künftig besser werden soll, darüber gingen die politischen Forderungen, je nach Parteifarbe, von Privatisierung bis mehr staatliche Kontrolle des Ausbaus, erwartungsgemäß weit auseinander, auch wenn sich das eher nach harmonischen Bekundungen als nach handfestem politischen Streit anhörte.

Neben dem "Debatt(l)e Royale“ gab es noch weitere Politiker-Besuche auf der Gamescom: Verkehrsminister Andreas Scheuer und Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, eröffneten bereits am Dienstag die Gamescom. Scheuer, dessen Fördertopf-Pläne im Vorfeld für Irritationen gesorgt hatten, versuchte mit warmen Worten für die deutsche Games-Branche die Wogen zu glätten. Wirklich konkret wurde er allerdings nicht.

Wundenlecken mit Axel Voss

Auch Europapolitiker und Gesicht der EU-Urheberrechtsrichtlinie Axel Voss (CDU) besuchte die Gamescom am Mittwoch. Kein einfacher Besuch, denn im vergangenen Jahr bekam er einen Shitstorm tausender Youtuber und Gamer ab, weil er in ihren Augen die EU-Urheberrechtsreform mit den umstrittenen Artikeln 13/17 federführend voran getrieben hatte.

Reformgegner, darunter viele Streamer und Gamer, fühlten sich als "Bots“ diffamiert und nicht gehört, obwohl sie Zehntausende Menschen gegen die Reform auf die Straße brachten. Es sei viel in der Kommunikation schief gelaufen, gibt Voss zu, der bereits auf der Digitalkonferenz "Republica“ auftrat – auch kein leichtes Pflaster für ihn. Er kritisierte aber auch den Umgangston in der Debatte, die seiner Meinung nach irgendwann nicht mehr auf sachlicher Ebene habe geführt werden können. Das habe er dann auch nicht mehr versucht.

Er wäre bislang nicht angefeindet worden auf der Gamescom, sagt Voss. Trotzdem würde er sich mehr Dialogbereitschaft wünschen. Es brauche freilich mehr Flexibilität vom Gesetzgeber was die schnellen Änderungen im Digitalen angeht. Und ja, eigentlich sei auch er gegen sogenannte Uploadfilter, aber Youtubes "Content-ID“ sei ja auch gar kein solcher Filter. Sollte das von Uploadfilter-Gegnern befürchtete "Overblocking“ von Inhalten wirklich eintreten, müsse man nachjustieren.

Besucher eher kritisch

Manche Gamescom-Besucher halten solche Auftritte von Politikern für sinnvoll, solange der Kontakt zu den Jungen auf inhaltlicher Ebene gesucht wird und nicht zum Schaulaufen verkommt. Der Wunsch ist: ernst genommen werden. Man muss aber auch sagen: Die Politiker-Auftritte stehen auf der Gamescom eher selten im Mittelpunkt – dort stehen, wer hätte es gedacht, die Games.