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AWE-Messe in München: Die neue Realität wird Normalität | BR24

© BR/Thomas Moßburger

Eine Augmented-Reality-App reichert die Realität (Tisch) mit einem Kiebitz an. Der Vogel wird lebensgroß dargestellt und bewegt sich.

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    AWE-Messe in München: Die neue Realität wird Normalität

    Wer hier aufschlägt, dem ist eine Realität nicht genug. Die Augmented World Expo in München zeigt, wie sich der Begriff "Augmented Reality" langsam mit Leben füllt. Auch in den Alltag von Otto-Normal-Verbrauchern soll die Technologie Einzug halten.

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    Nicht alle Revolutionen starten mit einem lauten Knall. Das gilt offenbar auch für die Veränderungen, die Augmented-Reality-Anwendungen in unser Leben bringen werden. Während Smartphones mit der Vorstellung des ersten iPhones schlagartig aufkamen, schleicht sich die Reality-Technologie eher langsam in unseren Alltag.

    Wie sie das tut, ist ist bei der Augmented World Expo (AWE) in München zu besichtigen. Dort zeigen große und kleine Aussteller, allen voran aus Deutschland, wie nützlich Augmented Reality für Arbeitswelt, Bildung und auch Alltag sein oder besser gesagt: werden kann.

    Zunächst eine kurze Erklärung: Augmented Reality (AR) meint das "Anreichern" der Realität mit weiteren Informationen oder auch Objekten. Ein Beispiel: Ein User hält sein Handy auf einen Baum und das AR-Programm blendet live ein, welche Baumart da vor ihm steht. Oder: Ein Nutzer kann über eine AR-Einrichtungs-App virtuelle Möbel in einem leeren Raum, den er mit seinem Handy filmt, aufstellen und umherschieben.

    Bosch setzt AR schon ein

    Solche Anwendungen sind auf der AWE-Messe keineswegs nur ferne Zukunftsmusik. Der Autozulieferer Bosch setzt Augmented Reality beispielsweise bereits bei Schulungen für Mechaniker ein. Am Bosch-Stand wird das erlebbar. Die Teilnehmer solcher Weiterbildungen setzen eine AR-Brille auf und lernen virtuell zum Beispiel einen Elektromotor kennen. Dafür blicken sie einfach durch die Brille auf einen realen Tisch, auf den der Motor projiziert wird. Quasi wie ein Hologramm in Science-Fiction-Filmen.

    Die Technologie ermöglicht, den Motor als Ganzes und seine Teile vor den Augen des Nutzers dreidimensional in Bewegung zu zeigen oder einzelne Teile am virtuellen Motormodell farblich hervorzuheben. Der Nutzer kann, wenn er durch die Brille schaut, sogar einzelne Motorstücke virtuell mit den Händen aus dem Motor ziehen, sich direkt vor Augen halten, mit den Händen drehen und wenden.

    Auch für Reparaturen sind solche oder ähnliche AR-Anwendungen praktisch. Gleich mehrere AWE-Aussteller bieten etwa in Bauhelme einbaute AR-Systeme an. Beispielsweise könnte Kfz-Mechaniker sein Handy mit AR-Funktionalität auf den Automotor vor sich halten. Auf dem Display würde eine spezielle AR-App dann mit Pfeilen anzeigen, wo er in diesem – ihm vielleicht unbekannten Auto – das Motorteil findet, das er auf Defekte untersuchen oder austauschen möchte.

    © BR/Thomas Moßburger

    Die AR-Anwendung der Münchner Firma EyecandyLab reichert das Fernsehprogramm, hier bei einem Fußballspiel, mit Informationen an.

    Schöne neue Fernsehwelt?

    Doch nicht nur die Arbeitswelt verändert sich durch Augmented Reality. Die Münchner Firma Eyecandy Lab hat sich beispielsweise der Verbesserung des Fernseh-Erlebnisses verschrieben. Sie reichert das Fernsehprogramm mit weiteren Informationen an, wenn der Zuschauer sein Handy oder Tablet auf das TV-Gerät hält, wie sie an ihrem Stand zeigen.

    Läuft gerade ein Fußballspiel, erkennt das Programm das und blendet, um das Fernsehbild herum, interaktiv Zusatzinformationen ein. Der User kann einzelne Spieler anklicken, sich die Aufstellung oder Statistiken anzeigen lassen. Ein anderes Beispiel: Im Fernsehen wird ein Paar Schuhe präsentiert. Der Zuschauer kann nun sein Handy auf den TV anhalten und die AR-App zeigt ihm an, wie die Schuhe heißen und wo er sie kaufen kann. Vielleicht zeigt ihm die App sogar ein 3D-Modell der Schuhe und er kann sie von allen Seiten betrachten.

    Bayern fördert AR-Entwicklung

    Dass erweiterte Realität in Zukunft ein wichtiger Teil der Arbeitswelt werden dürfte, hat auch der Freistaat Bayern mittlerweile erkannt. Er fördert sogenannte XR Hubs (Extended-Reality-Netzwerke), die einen Austausch zwischen bayerischen Unternehmen, Universitäten oder auch Schulen ermöglichen sollen, die sich für die Augmented- oder Virtual-Reality-Technologien interessieren oder schon damit arbeiten.

    Dabei gehe es zunächst darum, ein Netzwerk aufzubauen und Informationen und Kontakte zu teilen, wie die Leiterin des Münchner Hubs, Silke Schmidt, gegenüber BR24 erklärt. 2019 geht es nun mit Hubs in München, Nürnberg und Würzburg los.

    Nicht immer geht's ums Geld

    Helfen werden dabei auch Experten der Technischen Universität München. Sie präsentieren am Stand des staatlich geförderten Netzwerks, dass Augmented Reality auch abseits von wirtschaftlichen Interessen die Realität bereichern kann: Ihre Anwendung ermöglicht es, seltene einheimische Vögel in Lebensgröße ins eigene Wohnzimmer projizieren zu lassen.

    Auch über seine Heimat kann man mit AR also noch etwas lernen – und beim nächsten Waldspaziergang dann mit neuem Vogelfachwissen glänzen.