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Braucht es einen TV-Dienst von Apple? | BR24

© Apple

Apple TV Service

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    Braucht es einen TV-Dienst von Apple?

    Mit Apples TV-Service steht der nächste Dienst in den Startlöchern. Der Konzern will diesen Ende März vorstellen und damit mal wieder den Markt umkrempeln. Die Vorzeichen sind gut, kann Apple doch seine App auf Milliarden Geräten installieren.

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    Das Leben von Hip-Hop-Legende Dr. Dre ist vieles, aber nicht langweilig. Dre stammt aus Compton, also dem Stadtteil von Los Angeles, in dem in den 80ern Gangs und Gewalt regierten. Diese alltägliche Gewalt, die das Leben des jungen Dr. Dre bestimmt hat, kann man auch in "Straight Outta Compton" beobachten, dem Biopic, das über Dre und seine Rap-Crew NWA gedreht wurde. Im Film sieht man, wie Dre schon als kleiner Junge mit Gewalt konfrontiert wird, als sein Schulbus überfallen wird.

    Apple setzt auf Inhalte für die ganze Familie

    Der Streamingdienst von Apple, der Ende März vermutlich vorgestellt wird, wollte nun aus dem Leben von Dr. Dre eine Fernsehserie machen. "Vital Signs" sollte die heißen, die Drehbücher waren geschrieben, Stars wie Sam Rockwell und Ian McShane verpflichtet. Bis Apple-Chef Tim Cook persönlich den Stecker zog. So berichtet es immerhin das Wall Street Journal, das in Sachen Apple immer gut informiert ist. Zu gewalttätig und explizit sei die Serie gewesen, sie vertrage sich nicht mit dem Image von Apple als familienfreundlichem Konzern. Denn Apple setzt seit langer Zeit auf Inhalte für die ganze Familie - im App Store gibt es keine Pornographie und keine Gewalt.

    Apples Kontrollwahn wird auch nicht vor dem TV-Service halt machen

    Der Vorgang ist gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Denn Gewalt, große Stars und viel Drama war bislang immer die Erfolgsformel für Streaming-Dienste. Konkurrent HBO, der Game of Thrones produziert, sieht sich als Lieferanten für explizite Erwachsenenunterhaltung.

    Kampf um die Zuschauer: Wer hat die beste Plattform?

    Ob Apple da jetzt mit familientauglicher Serien-"Software" punkten kann? Der Konflikt zwischen kreativen Serienmachern und einem Auftraggeber wie Apple, der gerne die Kontrolle behält, zeigt aber auch, wie sich die Machtverhältnisse in Hollywood verschieben. Es geht mittlerweile nicht mehr darum, wer das beste Programm hat, sondern wer die beste Plattform bereitstellt. Als Apple vor vier Jahren in das Musikstreaming-Geschäft einstieg, waren viele skeptisch – denn Apple Music ließ viele Funktionen vermissen, die Konkurrenten wie Spotify bereithielten. Aber: Apple hat eine kaum dagewesene Marktmacht. Die Apple Music-App ist vorinstalliert und durch schlaue Deals mit Handy-Anbietern hat Apple Music es inzwischen auf 56 Millionen zahlende Nutzer gebracht.

    Viele von Netflix und Co. genervt

    Von all den neuen Diensten, die gerade auf den Markt drängen, sind bereits viele Nutzer entnervt. Als Netflix vor ein paar Jahren auch in Deutschland verfügbar war, lautete das Versprechen: Hier gibt es nicht nur tolle Eigenproduktionen, sondern auch ein breites Film- und Serien-Sortiment von Drittanbietern. Davon ist inzwischen nicht mehr viel übrig.

    Wie viele Dienste braucht es?

    Erst Anfang der Woche wurden die Marvel-Serien "The Punisher" und "Jessica Jones" zwangsabgesetzt. Weil Disney, dem die Rechte an Marvel gehören, jetzt auch seinen eigenen Dienst plant. Genau wie RTL, wo man ab Ende der Woche exklusiv das Remake von "M – eine Stadt sucht einen Mörder" sehen können wird. Wer heute wirklich alles sehen will, der muss tief in die Tasche greifen. Allein Netflix, Amazon Prime und Sky Deutschland – also die drei Vorzeigedienste – kosten zusammen mindestens 26 Euro im Monat. Wer dazu noch Apples neuen Dienst abonnieren möchte, der laut Medienberichten 15 Dollar kosten soll, landet bei knapp 40 Euro.

    Die Apple App muss nicht im App-Store gesucht werden

    Damit die Nutzer für ihr Geld auch was bekommen, hat der Konzern tief in die Tasche gegriffen. Ok, so tief auch nicht, schließlich liegen Barreseven in Höhe von 300 Milliarden Dollar auf den Konten. Reese Witherspoon, Steven Spielberg und Oprah Winfrey sind bereits eingekauft. Aber: Auch wenn die Serien mittelmäßig wären, wird Apples Fernsehservice ein voller Erfolg. Denn der Konzern verfügt über eine unglaubliche Anzahl von Endgeräten, auf denen sich die Apple-TV-App vorinstallieren lässt. So ist das Abo nur noch einen Klick entfernt, während Konkurrenten wie Netflix oder der gerade auf der Berlinale angekündigte Dienst "La Cinetek" erst mal im App Store gesucht werden müssen. Ob hier eines Tages, wie damals bei Microsoft, die ihre Software vorinstallierten und dafür eine Strafe kassierten, die Kartellbehörden tätig werden müssen, ist eine Frage, die sich bald schon stellen könnte.