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Apple-Legende: Was steckt hinter dem Ausstieg von Jony Ive? | BR24

© Picture Alliance

Apple-Legende Jony Ive

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Apple-Legende: Was steckt hinter dem Ausstieg von Jony Ive?

Dünn und minimalistisch: Dieses Design prägte Jony Ive bei Apple über 20 Jahre lang. Vor Kurzem teilte Apple-Chef Tim Cook überraschend mit, dass Ive seinen Posten als Chefdesigner bei Apple verlässt. Doch warum?

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Jony Ive hat ganz wesentlich zum Wiederaufstieg von Apple in den vergangenen 20 Jahren beitragen. Ive stand gemeinsam mit Apple-Mitgründer Steve Jobs für Apple als edle Design-Schmiede. Das Unternehmen ist extrem erfolgreich, in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres lag der Gewinn bei mehr als 30 Milliarden Dollar. Doch die Zeiten ständig neuer Erfindungen und damit neuer Produkte sind vorbei.

Apple-Legende Ive immer mehr in der Versenkung verschwunden

Tim Cook, Nachfolger und Chef von Apple, richtet den Konzern gerade vollkommen neu aus. In den vergangenen Jahre war Ive immer mehr in der Versenkung verschwunden. Und das hat sehr viel mit einer Aussage zu tun, die Ive vor ein paar Jahren mal in einem Apple-Werbefilm getan hat:

"Wenn man was wirklich Neues schaffen will, dann muss man ganz von vorne anfangen. Man muss sich mit großer Absicht von der Vergangenheit lösen." Jony Ive

Es steht ganz außer Frage, dass sich Apple und sein einstiger Chef-Designer in den vergangen vier Jahren voneinander entfernt haben. Damals - im April 2015 - hat das Unternehmen die erste Version der Apple Watch vorgestellt. "Danach war in der Welt der Gadgets im Prinzip alles erfunden", sagt Steve Kovac vom Wirtschaftssender CNBC.

Jedes Jahr hat es ein neues Produkt gegeben - vom iPod zum iPhone zum iPad und zur Apple Watch. Die Technologie hat jetzt ihre Grenzen erreicht, es gibt zur Zeit einfach nichts neues zu erfinden und deshalb hat sich Ive schlichtweg gelangweilt. Steve Kovac, CNBC

Jobst und Ive: Freunde mit Liebe zum Detail

Apple-Mitgründer Steve Jobs und der heute 52-jährige Ive waren enge Freunde. Sie konnten stundenlang über Designfragen fachsimpeln und galten als detailversessen. Von diesem Ruf zehrt der Milliarden-Konzern noch immer. Doch heute sei weniger ein gutes Hardware-Design gefragt als durchdachte Software, sagt die Analystin Carolina Milanesi im Wirtschaftssender Bloomberg.

"Jony Ive war in letzter Zeit nicht sehr erfolgreich; sein Fokus galt immer einem schlichten und zugleich eleganten Design. Wenn man aber Software-Benutzerführung und Hardware Design unter einen Hut bekommen möchte, ist das schwierig. Dafür wurde er jüngst kritisiert. Und da gab es Versäumnisse." Carolina Milanesi, Bloomberg

Das Wall Street Journal berichtet, dass der Nachfolger von Steve Jobs, Tim Cook, jahrelang versucht habe, Ive bei Laune zu halten - mit einem deutlich höheren Gehalt als jeder andere Apple Mitarbeiter und mit hohen Freiheitsgraden. Am Ende waren wohl beide voneinander enttäuscht und auch entmutigt.

Ives' Posten soll vorerst nicht neu besetzt werden

Cook trimmt seit Jahren Apple zu einem Unternehmen, das auf neue Erlösquellen setzt - Film-Abos und Software-Pakete. Cook will unabhängiger von den schwächelnden iPhone Verkaufszahlen und dem Hardware Geschäft werden und setzt auf Dienstleistungen in der Cloud. Den Posten des Design-Chefs will er offenbar erst mal nicht besetzen. Die Design-Abteilung, so war aus Cupertino zu hören, berichtet jetzt direkt an Jeff Williams, der als Vorstand das operative Geschäft leitet. Analystin Milanesi glaubt, der Abgang von Ive tue dem Unternehmen langfristig gut.

"Für das Designteam bei Apple ist es gut, dass es keine große Nachfolge-Diskussion gibt. Das gibt dem Team Freiheit seine Arbeit zu machen. Apple hat sich mehr zu einem teamorientierten Unternehmen entwickelt, das weniger auf einzelne Köpfe ausgerichtet ist. Das ist wichtig." Carolina Milanesi, Bloomberg

Hat Jony Ive Apple zu früh verlassen?

Multimillionär Ive fällt indes weich: In San Francisco hat er eine Designfirma mit dem Namen "LoveFrom" gegründet. Gene Munster, Analyst von Loup Ventures meint bei CNBC, der Umbau von Apple hin zu mehr Servicedienstleistungen sei bald abgeschlossen.

"Darüber ist viel gesagt worden. Ich glaube die nächste Phase gehört den tragbaren Geräten, den Hearables, den Brillen, die mit augmented Reality arbeiten. Und ich glaube, dass für Apple das Auto eine große Zukunft bringen könnte. " Loup Ventures, CNBC

Vielleicht behält Analyst Munster ja recht und Ive hat Apple zu früh verlassen.