© Hella Wittenberg

Smartphone mit geöffneter Shelfd-App

Allein auf Youtube werden jede Minute 400 Stunden neue Videos hochgeladen. Selbst unersättliche Filmjunkies können bei der riesigen Video-Menge im Netz den Überblick nicht behalten. An diesem Punkt setzen die "Shelfd"-Macher David Streit, seine Freundin Hella und Co-Gründerin Andrea an. Auf ihrer Online-Plattform werden Videos empfohlen. "Shelfd", abgeleitet vom englischen "shelf" für Regal, bietet gleichsam ein digitales Magazin zur Orientierung an.

Mediatheken als Fundgrube

Den Stoff für ihre Plattform "Shelfd" liefern die diversen Mediatheken, sowohl öffentlich-rechtliche wie private. Viel Arte ist dabei, aber auch Netzkino und Watchbox. 30 Mediatheken surfen die "Shelfd"-Betreiber selbst ab und schauen sich die Filme an.

"Was wir weiterempfehlen, das landet bei uns auf der Plattform. Und der Nutzer gibt in seinem Profil an, was er am liebsten schaut und kriegt dann Tipps genau entsprechend seines Geschmacks." David Streit, Shelfd-Gründer

Wer sich registriert, könne aus einem Dutzend Kategorien seine Lieblingsgenres auswählen. Ob Independent oder Deutscher Film, ob Kunst- und Kultur oder Gesellschaftsdokus - alle Geschmäcker können laut Streit differenziert bedient werden: "Unsere Nutzer steuern immer nur die zwei, drei selben Kanäle an. Ob das jetzt die ARTE-Mediathek ist oder die BR-Mediathek - sie gehen selten darüber hinaus. Insofern: Was sie bei uns bekommen, ist immer eine Überraschung, was es noch alles gibt." In der Regel ist das für die User kostenlos.

Empfehlungen von Menschen und nicht von Algorithmen

Besonders stolz ist Streits Team auf die persönlichen, durch mehrstündiges tägliches Surfen ermittelten Empfehlungen. Mit diesen persönlichen Tipps möchten sie sich langfristig von Streaming-Diensten unterscheiden, deren Empfehlungen auf Algorithmen basieren. "Denn so eine Empfehlung von einem Freund oder auch von einer vertrauten Marke wie 'Shelfd' ist viel mehr wert als einfach ein loser Algorithmus", meint Streit. Die Reaktionen der Community würden durchweg positiv ausfallen. Eine der Stimmen: "Wer liebevoll kuratierte Mediathekeninhalte sucht, findet diese bei 'Shelfd'." Oder: "Für alle, die Netflix schon leergeschaut haben."

David Streit, Co-Gründer der Film-Kuratierplattform "Shelfd"

David Streit, Co-Gründer der Film-Kuratierplattform "Shelfd"

Positive Reaktion bei den Öffentlich-Rechtlichen

Auch Verantwortliche des öffentlich-rechtlichen Rundfunks würdigen die Leistung der Plattform. Eben erst hat die ARD auf der Internationalen Funkausstellung eine modernisierte Fassung ihrer Mediathek vorgestellt. Malte Blumberg, Chef von ARD Online, sieht die Macher von Shelfd als Bündnispartner.

"Ehrlich gesagt freu ich mich total darüber, dass es Menschen gibt, die in den Mediatheken nach Schätzen suchen. Gerade David Streit und sein Team von 'Shelfd' sind ja wirklich findige Menschen, die sich unheimlich gut mit den Inhalten auskennen." Malte Blumberg, Technikchef von ARD Online

Viele Newsletter-Abonnenten, schleppende Crowdfunding-Einkünfte

Mehr als 11.000 Abonnenten beziehen inzwischen den wöchentlichen Newsletter. Eine erstaunliche Zahl, zumal "Shelfd" bislang kein Geld hat, um in Eigenwerbung zu investieren. Denn die Crowdfunding-Kampagne über die Plattform "steady" verläuft eher schleppend. Gerade mal 100 Euro kommen da derzeit monatlich zusammen. Mindestens 150 Euro sind aber allein erforderlich, um die nötigen Technikkosten zu decken. Das Medienbudget der interessierten Filmfreaks wird offenbar bereits durch Abo-Gebühren für die einschlägigen Streaming-Dienste absorbiert. "Die durchschnittlichen Nutzer bezahlen 3,50 Euro - das ist so der Preis einer Fernsehzeitschrift, die man im Monat für uns ausgibt", sagt Streit.

"Shelfd" hat seine Angebote nach bekannten Regisseuren und Produzenten benannt: Für 1,50 Euro erhält man das Wes-Anderson-Basispaket: den Newsletter samt individuellen Mediathekentipps. Wer monatlich 9,50 Euro für das Michael-Haneke-Paket locker macht, wird mit diversen Extras belohnt: die Teilnahme an exklusiven Filmverlosungen oder den Zugang zu einer geheimen Facebook-Gruppe. Aber das dürfte auf Dauer nicht reichen. Mit langweiliger Werbung will "Shelfd" seine Nutzer nicht quälen.

Angestrebt: Personalisierte Ansprache und Promotion

Mittelfristig schwebt den Machern eher eine personalisierte Ansprache bestimmter Zielgruppen vor. "Unser Geschäftsmodell ist es dann, bei der Promotion von Inhalten zu helfen", erläutert Streit, "etwa, indem man sich bekannten Marken als Plattform für das Abspielen von unterhaltsamen Streaming-Playlisten zur Verfügung stellt." Warum, so fragt der "Shelfd"-Macher, sollte nicht zum Beispiel eine bekannte Marke die besten Weihnachtsfilme empfehlen und dem "Shelfd"-Nutzer in sein Regal stellen? Diesen Ansatz möchten sie verfolgen.