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Darf sich über ein Börsen-Wunder freuen: Der Computerspiele-Einzelhändler GameStop

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    Aktien-Hype um GameStop: Wie das Internet die Börse narrt

    Es ist die Börsenstory des Jahres: Die Aktie des Computerspiele-Einzelhändlers "GameStop" eilt von Rekord zu Rekord. Hinter dem Hype steckt eine neue Generation von Otto-Normal-Investoren, die die Hedgefonds-Manager das Fürchten lehren.

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    Von
    • Christian Schiffer

    Wer vor einem Jahre in den Computerspiele-Einzelhändler GameStop investiert hätte, der hätte wohl das Geschäft seines Lebens gemacht. Um über 7.000 Prozent ist der Wert einer GameStop-Aktie in den letzten 12 Monaten gestiegen, dabei galt das Unternehmen eigentlich als marode.

    Plötzlicher Aufstieg eines längst abgeschriebenen Einzelhändlers

    GameStop ist ein Einzelhändler für Computerspiele, der seine besten Zeiten allerdings schon hinter sich hatte – so schien es zumindest. GameStop galt als Servicewüste ohne sonderlich optimistischen Umsatz - und Gewinnaussichten. In einer Zeit, in der Spiele immer häufiger online gekauft werden oder sich Abo-Dienste für Computerspiele etablieren, schien eigentlich kein Platz mehr zu sein für den stationären Einzelhandelsdinosaurier namens GameStop.

    Ähnliche Gedanken scheint sich auch die Investmentgesellschaft Melvin Capital gemacht zu haben und setzte auf fallende Börsenkurse des Unternehmens und das zunächst auch mit Erfolg; lange Zeit verloren die GameStop-Papiere kontinuierlich an Wert. Doch dann trat eine Bewegung von Graswurzel-Investoren auf den Plan und sorgte für ein Börsenwunder, das zugleich Melivin Capital Milliardenverluste bescherte.

    Aktienkauf per App immer mehr im Kommen

    In den USA boomt schon seit einiger Zeit die App Robinhood, mit der Kleinanleger mit dem Handy am Börsengeschehen teilnehmen können. In Europa ist Robinhood noch nicht erhältlich, allerdings gibt es ähnliche Apps, etwa Trade Rebublic oder eToro. In den USA machen solche Graswurzel-Investoren laut Bloomberg mittlerweile etwa 20 Prozent des US-Börsenhandels aus und sind damit zu einem relevanten Faktor des Börsengeschehens geworden.

    Vor allem in der Corona-Zeit haben viele vor allem junge User damit begonnen, per Smartphone das herkömmliche Aktiengeschäft aufzumischen und dabei vor allem sogenannte "Short Seller" ins Visier zu nehmen, darunter Hedgefonds wie eben Melvin Capital, die auf fallende Kurse setzten. Schon vor der GameStop-Aktion hatten die Guerilla-Investoren scheinbar längst abgeschriebene Aktien, wie die des insolventen Autovermieters Hertz oder die des früheren Foto-Giganten Kodak, zu unverhofften Börsen-Comebacks verholfen.

    Eine Revolte, ausgebrütet auf Reddit

    Bei GameStop kam nun einiges zusammen: Zunächst einmal hatte GameStop ohnehin schon einen kleinen Turnaround hingelegt, weil ein Investor Anteile der Firma gekauft und versprochen hatte, das Unternehmen zu sanieren. Hinzu kam, dass in den USA die Corona-Hilfe von 600 Dollar ausgezahlt wurde; Geld, das die Robinhooder sofort in Aktien investieren konnten.

    Angeheizt wurde der Run auf die GameStop-Papiere über Plattform Reddit und hier vor allem in dem Unterforum r/WallStreetBets und dem deutschen Pendant r/mauerstrassenwetten. Auch Tesla-Gründer Elon Musk, der sich selbst schon mit Shortsellern herumärgern musste, die auf fallende Tesla-Kurse gewettet hatten, feuerte die Börsenrevolution an. Auch andere Beobachter, darunter die linke US-Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, äußerten Sympatie für die Börsen-Revolution.

    "Short Squeeze", so wird es genannt, wenn diejenigen, die auf fallende Kurse gesetzt haben, ausgequetscht werden, wie eine Zitrone - und genau das ist hier passiert. Melvin Capital dürfte Milliarden verloren haben, musste sich Geld von Mitbewerbern leihen und hat nach eigener Aussage mittlerweile alle Short-Positionen bei GameStop geräumt.

    Unterdessen durften sich auch andere Aktien über Nachfrage von Seiten der jungen Guerilla-Investoren freuen, darunter die Kinokette AMC etwa oder die Handy-Veteranen Nokia. Spannend wird nicht nur die Frage sein, wie es mit dem GameStop-Kurs weitergeht, sondern auch, wie mit Robinhood selbst. Das Unternehmen möchte noch in diesem Jahr den Schritt auf das Börsenparkett wagen.

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