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5G-Gewinner - und auch Verlierer? | BR24

© pa/dpa/Michael Probst

Die Auktion um die 5G-Mobilfunkfrequenzen ist beendet. Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Drillisch bezahlen 6,6 Mrd. Euro.

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5G-Gewinner - und auch Verlierer?

Der Finanzminister freut sich über die zusätzlichen Milliarden - die etablierten Netzbetreiber sind mit dem Ergebnis der 5G-Auktion weniger zufrieden: Sie halten es für ungerecht.

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Die Reaktionen auf das Ende der längsten Mobilfunkauktion in der Geschichte der Bundesnetzagentur sind unterschiedlich. Bundesfinanzminister Olaf Scholz zeigte sich zufrieden. "Die Versteigerungserlöse sind höher ausgefallen, als wir erwarten durften. Das ist gut", sagte er im ARD-Interview.

Im Vorfeld der Auktion hatte Scholz mit Einnahmen von bis zu fünf Milliarden Euro gerechnet. Rund 1,5 Milliarden Euro mehr sind es nun geworden. "Uns steht mehr Geld zur Verfügung, um die Digitalisierung von Schulen voran zu treiben. Und uns steht mehr Geld zur Verfügung, um den Breitbandausbau auch in den Regionen Deutschlands besser werden zu lassen, wo das heute nicht so gut ist." Die Erlöse der Auktion fließen in den Sonderfonds "Digitale Infrastruktur".

Deutliche Kritik von den etablierten Netzbetreibern

Weniger begeistert zeigten sich die etablierten Mobilfunk-Netzbetreiber. Die Deutsche Telekom spricht von einem bitteren Nachgeschmack: "Wir hätten es deutlich früher und deutlich günstiger haben können", sagte Unternehmenssprecher Philip Schindera der ARD. "Das Auktionsdesign hatte Schwächen und die sind hier zum Tragen gekommen. Dadurch ist der Industrie sehr viel Geld verloren gegangen, das sie für den Netzausbau dringend gebraucht hätte."

Valentina Daiber, Vorstandsmitglied bei Telefonica Deutschland, ging sogar einen Schritt weiter: "Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass eine Frequenzvergabe über eine Auktion kontraproduktiv für den Mobilfunkausbau in Deutschland war. Der Verlauf der Auktion hat gezeigt, dass das Design sowie die nicht ausreichende Menge an zur Verfügung gestellten Frequenzen die Kosten in die Höhe getrieben haben."

Teil der Frequenzen noch nicht vergeben

Die Netzbetreiber ärgert vor allem, dass rund ein Fünftel des Frequenzspektrums für die Industrie freigehalten wird. Diese Frequenzen werden von der Bundesnetzagentur bald an interessierte Unternehmen vergeben.

Hannes Amtesreiter, Deutschland-Chef des Mobilfunkriesen Vodafone, fordert in einem Zeitungsinterview gar, dass, "der Bund die Einnahmen aus der Auktion in Form einer Förderung an die Unternehmen zurückgibt, um damit ein besseres Mobilfunknetz zu bauen."

Scholz hält Verfahren für korrekt

Bundesfinanzminister Scholz verteidigte die Auktion der Bundesnetzagentur: "Die Ausschreibungsbedingungen waren ganz klar und viel besser als bei früheren Gelegenheiten. Wer hier mitgemacht hat, der muss auch für eine sehr gute Versorgung des Mobilfunks in Deutschland sorgen, sonst hätte er die Lizenzbedingungen nicht erfüllt."

1&1-Drillisch als neuer Netzbetreiber

Der Mobilfunkmarkt in Deutschland wird künftig einen neuen mittelständischen Player haben. Die United-Internet-Tochter 1&1-Drillisch mit Sitz im Westerwald investierte rund 1,1 Milliarden in Mobilfunklizenzen. Unternehmenschef Ralph Dommermuth freute sich über den Ausgang der Auktion: "Wir haben Frequenzen ersteigert, mit denen wir in der Lage sind, ein leistungsfähiges 5G-Netz aufzubauen. Damit schlagen wir ein neues Kapitel in unserer Unternehmensgeschichte auf. Als vierter Netzbetreiber werden wir einen Beitrag leisten, Deutschland zum Leitmarkt für 5G zu machen und neue Geschäftsfelder für unser Unternehmen erschließen."

Als Neuling muss 1&1-Drillisch nicht so strenge Versorgungsauflagen erfüllen wie die Konkurrenten. Auch das sorgte im Vorfeld für Ärger, sogar vor Gericht.

Von Stephan Lenhardt, SWR

© BR

Mit drei Monaten war sie die längste Auktion zur Versteigerung von deutschen Mobilfunkfrequenzen. Jetzt kann der Bund sich freuen.