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Über 20 Jahre hat UMTS gute Dienste geleistet, jetzt wird das alte Handynetz abgeschaltet. Das hat für manche User Folgen.

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3G-Netze werden abgeschaltet: Was sich für Verbraucher ändert

Vodafone und Deutsche Telekom schalten ihre UMTS-Netze (3G) endgültig ab. Telefónica Deutschland beginnt mit dem Abschaltprozess. Direkt betroffen sind einige Nutzer mit sehr alten Verträgen - und manche Autofahrer.

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Von
  • Christian Sachsinger

Vodafone und Deutsche Telekom wollen ihre UMTS-Netze (3G) Ende Juni endgültig abschalten. Telefónica Deutschland beginnt zum 1. Juli mit dem Abschaltprozedere, das sich bis zum Ende des Jahres hinziehen kann. Zunächst geht es in ersten Regionen von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern los. Dann sollen weitere 9.500 Standorte in Großstädten wie München, Köln, Frankfurt, Stuttgart, Essen und Düsseldorf und parallel auch große Teilen Bayerns vom UMTS-Netz gehen.

Damit wird ein Strich unter ein Thema gezogen, das vor gut 20 Jahren Politik und Wirtschaft stark beschäftigte. Im Jahr 2000 wurden die UMTS-Lizenzen für 100 Milliarden Mark, gut 50 Milliarden Euro, bei einer Versteigerung an vier Unternehmen vergeben.

Neben Telekom und Vodafone, waren damals O2 und E-Plus, die erst später zu Telefónica Deutschland fusionierten, dabei. Die Chefs der Mobilfunkkonzerne waren erbost, über die Auktion, die sie als staatliche Abzocke empfanden. Tatsächlich hatten die Firmen in einem monatelangen Bieterwettkampf immer wieder versucht, sich gegenseitig auszustechen.

UMTS galt als Technik der unbegrenzten Möglichkeiten

Im dritten Mobilfunkstandard, mit dem ausgeschriebenen Namen "Universal Mobile Telecommunications System" (UMTS), sahen manche Experten eine Lizenz zum Gelddrucken, oder zumindest einen Technologiesprung, den man auf gar keinen Fall verpassen durfte. Damals schon zeichnete sich ab, dass Datenverkehr über das Internet bald der große Trend sein würde.

Die mit Begeisterung angekündigte Datengeschwindigkeit von 384 Kbit/Sekunde würde heute jedoch keinen User mehr in Begeisterung versetzen. Mittlerweile verspricht die neue Mobilfunktechnologie 5G Datenraten von 10 Gbit/Sekunde, soll also rund 30.000 mal so schnell sein. Allein dieser Zahlenvergleich macht deutlich, dass UMTS überholt ist. Dazu kommt, dass die Mobilfunkkonzerne die alten Funkfrequenzen nun brauchen um die 5G-Technik voranzutreiben.

Wer nutzt überhaupt noch UMTS?

Es betrifft nur ein paar Prozent, doch bei rund 150 Millionen SIM-Karten, die in Deutschland unterwegs sind, geht es eben bei der Umstellung doch um eine oder mehrere Millionen. Telefónica beziffert die alten SIM-Karten, die noch kein 4G (der Nachfolger von 3G, bzw. UMTS) beherrschen auf weniger als 900.000. Dazu kommen noch eine halbe Million Kundinnen und Kunden, deren Handys nicht 4G-fähig sind.

Reine Telefon-Kunden müssen nichts tun

Wer nur telefonieren will und noch mit der alten Technik unterwegs ist, braucht nichts zu tun. Gespräche laufen auch über die Vorgängernetze (2G) weiter. Probleme könnte es jedoch geben, wenn eine Kundin oder ein Kunde ein altes Handy (nur) zum Telefonieren weiter nutzen möchte, von der Mobilfunkgesellschaft aber eine neue (4G-fähige) SIM-Karte bekommt. Hier ist es möglich, dass neue Karte und altes Handy nicht zusammenpassen. In diesen Fällen sollte man einen SIM-Kartentausch also lieber ablehnen.

Fürs Surfen von UMTS auf LTE umstellen

Wer unterwegs Mails abrufen oder im Internet surfen will, muss dagegen agieren. Die Telefongesellschaften haben die allermeisten Kunden inzwischen angeschrieben und ihnen den Austausch der SIM-Karten angeboten – eigenen Angaben zufolge gratis. Um Daten nutzen zu können, sollte man den Austausch also nicht ablehnen.

Wenn nicht die SIM-Karte, sondern das Handy das Problem bei der Umstellung darstellt, müssen sich Kunden auf eine Zusatzausgabe einstellen. Weil dafür jedoch oft ein neues Handy notwendig ist, hat zum Beispiel Vodafone eine Seite für die "UMTS-Umsteiger" zusammengestellt, auf der sie günstige Geräte finden können.

Manchmal gibt es auch noch ganz alte Mobilfunkverträge, die nur eine UMTS-Nutzung vorsehen. Um weiterhin Daten senden und empfangen zu können, brauchen diese Personen also einen neuen Vertrag. Bei einem Prepaid-Vertrag ohne Laufzeiten, lässt sich innerhalb kürzester Zeit wechseln. Läuft dagegen ein alter, reiner UMTS-Vertrag noch länger, sollte man so bald wie möglich kündigen. Beim neuen Tarif, raten Verbraucherschützer, sich möglichst keinen teuren 5G-Vetrag "aufschwatzen" zu lassen. 4G reicht völlig und 5G ist ohnehin noch gar nicht überall nutzbar, weil das neue Netz derzeit erst aufgebaut wird.

Sind Autofahrer betroffen?

Das Problem bei vernetzten Autos ist, dass die Mobilfunktechnik und damit auch die SIM-Karte, fest integriert sind. Einfach Karte austauschen, wie beim Handy, geht nicht. Bis etwa 2014 lief die Fahrzeugvernetzung noch über UMTS. Sie ermöglichte Dienste, wie den automatischen Notruf im Auto, das Öffnen der Türen per Smartphone-App oder Verkehrsinformationen.

Die meisten der Anwendungen würden auch in Zukunft weiterlaufen, wie die Zeitschrift ct berichtet. Demnach nutzt etwa BMW, als einer der ersten Fahrzeughersteller, der Datendienste ins Auto integriert hatte, den sogenannten Fallback auf 2G. Das heißt, da die Internetanwendungen der ersten Stunde für das Auto nur wenige Daten benötigen, reicht es aus, auf das noch ältere, langsamere 2G-Mobilfunknetz zurückzustellen. Manche Dienste würden dann etwas langsamer laufen, heißt es. Nur wenige andere, wie der Download von Kartenmaterial für das Navi, würden nicht mehr funktionieren, so ct.

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