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Corona machte der Digitalisierung Beine

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    2020: Das Jahr, in dem das Internet unverzichtbar wurde

    Homeoffice, Telemedizin, Heimkino: Ohne das Internet ging wenig im Jahr von "Social-Distancing". Doch Corona legte auch schonungslos die Versäumnisse in Sachen Digitalisierung offen.

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    Von
    • Christian Schiffer

    Wird das Internet der Corona-Krise standhalten? Diese bange Frage stellte sich im März. Das Coronavirus hatte einen ersten Lockdown erzwungen. Arbeit, Bildung, Kultur: All das musste im Hauruck-Verfahren aus Büros, Schulen, Kinosälen und Konzerthäusern in die eigenen vier Wände verlagert werden. Der Bildschirm wurde so noch mehr zum Fenster zur Welt.

    Nachbarn vernetzten sich in Social-Media-Gruppen, um sich gegenseitig zu helfen, Großeltern hielten per Smartphone Kontakt zu ihren Enkeln, und Informationen zum Pandemie-Geschehen erreichten Millionen Menschen per Podcast. Das Internet hielt trotzdem stand, vielleicht auch, weil große Streaming-Dienste vorsichtshalber die Streaming-Bitraten drosselten.

    Boom der "Distance Economy"

    Corona hat in diesem Jahr eine Digitalisierung auf Speed erzwungen. Und so erlebte ein bis dato weitgehend unbekannter Videodienst namens "Zoom" einen steilen Aufstieg, genau wie Netflix oder das Home-Training-System Peloton. Auch die Telemedizin erlebte ihren Durchbruch, zudem wurden bargeldlose Bezahlsysteme pandemiebedingt beliebter.

    Ganz generell boomte die "Distance Economy", darunter fallen Produkte und Dienstleistungen, die Menschen über das Netz Distanz zueinander halten lässt. Das Netz tat im Corona-Jahr also letztlich genau das, wofür es irgendwann einmal geschaffen wurde: Es verband Menschen und machte es so einfacher, sich an den Hashtag #stayathome zu halten.

    Ähnliches gilt übrigens auch für Computerspiele. Noch nie wurde so viel gespielt wie 2020, und das Nintendo-Spiel "Animal Crossing" avancierte zum Megaseller. Kein Wunder, handelt es sich bei dem Feel-Good-Game doch um eine kunterbunte Antithese zur tristen Corona-Realität.

    Homeoffice-Realität brachte neue Herausforderungen

    Aber es gab und gibt auch Probleme. Der Umstieg auf digitale Alternativen fiel oft schwer, viele Unternehmen waren auf die neue Homeoffice-Realität nicht vorbereitet. Auch die Mitarbeiter mussten sich an den neuen digitalen Arbeitsalltag gewöhnen und manchmal musste auch neues Equipment angeschafft werden.

    Bisweilen klagten Mitarbeiter darüber, dass irgendwer vor allem anfangs in Videokonferenzen immer sein Mikro anhatte, sodass die Hintergrundgeräusche die Dezibel-Zahl eines Laubbläsers erreichten. Oder im Gegenteil: Irgendwer konnte seine Kollegen nicht hören. Probleme, die auch vor der Bundeskanzlerin nicht halt machten.

    ... und den Grünen-Politiker Jürgen Trittin zur Weißglut brachten....

    Aber auch jenseits kleinerer Missverständnisse und Irritationen legte Corona die Versäumnisse im Bereich der Digitalisierung schonungslos offen, insbesondere im Bereich der Schulen. Die Lehrer wirkten bisweilen überfordert, die Infrastruktur veraltet, didaktische und pädagogische Konzepte fehlten und zu allem Überfluss stürzte auch immer wieder die digitale Lernplattform Mebis ab.

    Corona dürfte ein für allemal klar gemacht haben, dass ein schnelles und stabiles Internet kein exotischer Wunsch, sondern notwendig ist, um an Kultur, Wirtschaft und Bildung teilzuhaben. Die Frage bleibt allerdings, ob sich diese Erkenntnis auch in konkreter Politik niederschlagen wird.

    Netz ließ Corona-Verschwörungstheorien sprießen

    Das Internet hat im Jahr 2020 sicherlich dazu beigetragen, dass die Bürger schnell und umfassend über Corona und die Pandemie informiert werden konnten. Zugleich sprossen aber auch die Verschwörungstheorien, vor allem auf Plattformen wie Facebook, YouTube, Twitter oder Telegram.

    2020 war das Jahr, in dem Facebook & Co. im Zuge von Corona und der US-Präsidentschaftswahl so energisch gegen Fake News vorgingen wie noch nie, wobei sie auch vor Donald Trump nicht halt machten. 2020 war aber auch das Jahr, in dem die Politik die Daumenschrauben für die großen Tech-Konzerne anzog: Geht es nach dem Willen von 48 US-Bundestaaten, soll Facebook zerschlagen werden.

    Das Internet wird zum "Splitternet"

    Die US-Politik zeigte auch Zähne gegenüber TikTok. Die Kurzvideo-Plattform sollte nach dem Willen von Donald Trump in den USA verboten oder zumindest ein Verkauf des US-Geschäfts an ein amerikanisches Unternehmen erzwungen werden. Mittlerweile ist davon keine Rede mehr, auch weil die Gerichte zu Gunsten von TikTok geurteilt haben. Dennoch dürfte sich in den nächsten Jahren der Trend zum "Splitternet" fortsetzen und das Netz weiter in verschiedene Einflusssphären zerfallen.

    Pandemiebekämpfung per Smartphone

    Auch 2021 wird uns Corona noch begleiten und damit auch die Frage, welchen Beitrag Technologie zur Eindämmung der Pandemie leisten kann. In 2020 war es vor allem die Corona-Warn-App, an die viele Hoffnungen geknüpft waren, die sich aber nur teilweise erfüllten. Es bleibt zu hoffen, dass das Programm zügig weiterentwickelt und dem Infektionsgeschehen angepasst wird. Eines ist sicher: Corona wird uns auch nächstes Jahr noch beschäftigen, aber das Internet wird standhalten.

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