53

Wahl auf dem Parteitag Natascha Kohnen ist SPD-Vize - ein Portrait

Sie ist ein echtes Münchner Kindl und eine politische Quereinsteigerin: Natascha Kohnen. Eine Frau, die eigener Aussage nach der Ärger über die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie in Bayern zur Politik gebracht hat. Heute wurde sie auf dem SPD-Parteitag mit 80,1 Prozent zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt.

Von: Peter Kveton

Stand: 07.12.2017

Natascha Kohnen | Bild: picture-alliance/dpa/Tobias Hase

Eine Frau startet durch: SPD-Landesvorsitzende, Spitzenkandidatin bei der nächsten Landtagswahl und nun auch noch stellvertretende Bundesvorsitzende. Vor wenigen Jahren wäre das noch nicht gegangen, räumt Natascha Kohnen freimütig ein:

"Ja, das ist richtig – meine Kinder sind groß, beide mit der Schule fertig, beide in Ausbildung – und jetzt ist Zeit."

Natascha Kohnen, designierte SPD-Vizechefin

Kohnens späte Karriere

Die echte Münchnerin, Biologin und Redakteurin gilt als politische Quereinsteigerin – sie ist erst spät, mit über dreißig in die SPD eingetreten. Schnell machte sie dort Karriere: Zunächst Gemeinderätin in Neubiberg und schon nach wenigen Jahren Landtagsabgeordnete, dann Generalsekretärin der Bayern-SPD an der Seite des glücklosen Florian Pronold. Als ausgerechnet er sie zu seiner Nachfolgerin vorschlug, forderten einige in der SPD einen wirklichen Neuanfang. Am Ende setzte sich Kohnen in einer Mitgliederbefragung gegen fünf männliche Kontrahenten durch. Jetzt will sie auch auf Bundesebene stärker mitreden, will stellvertretende Bundesvorsitzende werden:

"In der SPD war der Süden Deutschlands bisher ein bisschen stiefmütterlich behandelt in den letzten Jahren, fast schon Jahrzehnten, und insofern wird es wirklich Zeit, dass jemand aus dem Süden in die SPD-Spitze mit hinein kann und auch mal den Blick Richtung Süden drehen und wenden kann, weil hier sind die Themen auch schon nochmal andere."

Natascha Kohnen, designierte SPD-Vizechefin

Soziale Probleme in Bayern anders gelagert

Laut Kohnen ist Bayern ein wirtschaftlich sehr starkes Land, aber es hat trotzdem soziale Probleme, die sich aber von denen im Rest der Republik unterscheiden:

"Bei uns sind beispielsweise Mindestlohnhöhen, wie sie im Moment festgesetzt sind, die greifen ja hier gar nicht bei diesen Lebenskosten, die wir hier im Süden Deutschlands haben, das heißt, darüber muss man reden. Und natürlich das Riesenthema Wohnen: Bezahlbares Wohnen ist hier in Bayern eines der wichtigsten Themen, die Menschen haben immer mehr Angst, dass sie sich ihr Dach über dem Kopf nicht leisten können."

Natascha Kohnen, designierte SPD-Vizechefin

Auf den Mund gefallen ist Kohnen jedenfalls nicht – allerdings nutzt sie dieses Talent zu selten, halten ihr Kritiker vor. Sie vermissen auch neue Akzente auf Landesebene. Momentan spielt für sie aber die Musik auf der Bundesebene, wo eine neue Große Koalition droht. Kohnen mahnt ihre Partei zur Zurückhaltung:

"Jetzt müssen wir erstmal herausfinden, ob die gegenüberliegende Seite, wie auch immer sie aussehen mag, überhaupt mit den großen Punkten von uns leben kann, und dann schauen wir mal, ob es weitergeht und wie es dann weitergeht."

Natascha Kohnen, designierte SPD-Vizechefin

Kohnen ist noch relativ unbekannt in Bayern

In Bayern steht Kohnen vor dem Problem, dass sie außerhalb Münchens kaum jemand kennt. Innerhalb der SPD kennt man sie, zumindest ein bisschen – sie sitzt bereits im Bundesvorstand.


53

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Seppl, Freitag, 08.Dezember, 06:03 Uhr

8. Pippi Langstrumpf Partei

Die Vereinigten Staaten von Europa, Familiennachzug für subsidiär geschützte - für wen möchte diese SPD Politik machen?
Wer sich erinnert, was die Detsche Einheit gekostet hat, dar kann mal ahnen, was erst für Europa für Opfer zu bringen wären. Und der Familiennachzug? Sollen die Leute die Turnhallen wieder füllen? Oder wo will die SPD die Leite unterbringen?

Die Bürgermeister vor Ort, die die Leute am Hals haben werden, haben wohl nicht viel zu melden Inder SPD.

Die Sozis leben in Wolkenkuckucksheim, von den täglichen Sorgen der Bürger lassen die sich. Offenbar nicht stören.

Keine Rolle spielen für die Sozis Kinderarmut, Altersarmut, Obdachlosigkeit, Menschen mit Zeitverträgen und Niedriglöhner.

Josef Rödl, Donnerstag, 07.Dezember, 21:39 Uhr

7. Bitte kein Christen-Bashing!

Von Natascha Kohnen halte ich sehr viel. Als christlicher Linker hoffe ich nur, dass sie nicht ebenso in ein Christen-Bashing verfällt wie ihr Vorgänger "Lattengustl"-Pronold.

Bri B., Donnerstag, 07.Dezember, 16:04 Uhr

6. Kompetente Frauen tun der Politik auf allen Ebenen gut

Endlich mischt auch in der SPD in Bayern wieder eine Frau stärker mit und schon kommen bissige Kommentare (s.u.), sofern es sich nicht um bezahlte Meinungsmache aus der CSU-Wahlkampkasse handelt.
Es geht heutzutage ja überhaupt nciht um einen "ständiger Krieg mit den Männern" und auch nicht um die Herdprämien der CSU. Wenn es nach den Kommentatorinnen unten ginge, währen Frauen auch heute wohl immer noch nur für Haushalt und Kinder zuständig.

  • Antwort von Ex Sozi, Donnerstag, 07.Dezember, 16:42 Uhr

    Wo ist denn die Kompetenz dieser Frau? Irgend eine?

Barbara, Donnerstag, 07.Dezember, 13:23 Uhr

5. Um die vielen Armuts-Rentner kümmert sich auch die SPD nicht,

egal, wie die Leute alle heißen.

  • Antwort von latte e mielle, Donnerstag, 07.Dezember, 15:26 Uhr

    @Barbara

    um die vielen armutsrentner kümmert siche KEINE partei!!!
    bei den sondierungsgesprächen wurde das thema armutsbekämpfung zu keiner zeit aufgegriffen:
    von KEINER partei!!

  • Antwort von Bri, Donnerstag, 07.Dezember, 16:19 Uhr

    Gerade heute las ich eine Meldung, dass die Rentner in Deutschland immer länger Rente beziehen.
    Sollen die jüngeren Angestellten und Arbeiter noch mehr von ihrem Gehalt als Sozialabgaben zahlen?
    Nein, da bräuchte es schon eine große Rentenreform. So eine grundlegende große Umgestaltung hätte ich gerade von einer großen Koallition für möglich gehalten - doch auch diese hat sich nichtmal daran gewagt.
    Das spricht entschieden gegen eine Fortsetzung der großen Koalition,zu der ja gerade auch von Frau Kohnen eher kritische Anmerkungen kamen.
    Barbara, was wäre denn ihr Lösungsvorschlag?

  • Antwort von Gerda, Donnerstag, 07.Dezember, 23:24 Uhr

    @ Bri
    Zur Verbesserung Ihrer eigenen Situation im Alter empfehle ich Ihnen, regelmäßig etwas auf die hohe Kante zu legen, das haben die meisten der heutigen Rentner auch getan. Ich lebe heute, ich hab' nicht viel Geld, niedrige oder keine Zinsen sind kein Argument. Kleinvieh macht auch Mist.

    Im übrigen ist es gut für das Rentenkonto, nicht erst im biblischen Alter mit dem Arbeiten zu beginnen, einen Beruf zu haben und sich nicht mit einem JOB abspeisen zu lassen.

Peter, Donnerstag, 07.Dezember, 10:40 Uhr

4. Kohnen

Die Frau erscheint mir auf jeden Fall glaubwürdiger als der evtl. kommende Ministerpräsident.