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Kalender mit Eintrag Sommerzeit und eine Armbanduhr.

Wie herum jetzt? Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit.

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Zeitumstellung auf Sommerzeit: Wie wird an der Uhr gedreht?

In der Nacht zum 27. März wird von Winter- auf Sommerzeit umgestellt. Eine Stunde wird uns genommen. An vielen Menschen geht die Zeitumstellung nicht spurlos vorüber, weshalb die Abschaffung beschlossen wurde - eigentlich!

Von
Marlene RiedererMarlene Riederer
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Am letzten Sonntag im März beginnt die Sommerzeit, am letzten Sonntag im Oktober die Winterzeit. Eine Stunde hin oder her, aber wie herum diesmal? In der Nacht von Samstag auf Sonntag, den 27. März, werden in Deutschland die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Dazu wird der Zeiger um 2.00 Uhr auf 3.00 Uhr vorgestellt.

Die Zeitumstellung hat viele Gegner

Der Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit ruft schon seit Langem Gegner auf den Plan. Viele Menschen haben von dem Hin und Her genug. Deshalb startete die EU-Kommission 2018 eine EU-weite Online-Befragung zur Zeitumstellung. Die Resonanz war riesig. 4,6 Millionen Menschen nahmen teil, davon allein rund 3 Millionen aus Deutschland. Das Ergebnis: 84 Prozent der Teilnehmer forderten die Abschaffung der Zeitumstellung.

Österreich, das zum Zeitpunkt der Entscheidung den rotierenden Vorsitz im Rat der Mitgliedstaaten innehatte, setzte das Thema auf seine Prioritätenliste, erreichte aber keine Einigung. Auch die nachfolgenden Ratspräsidentschaften aus Rumänien, Finnland, Kroatien und Deutschland kamen zu keiner Lösung. In diesem Jahr sind es erst Frankreich und dann Tschechien. Ursprünglich geplant war eine Abschaffung der Zeitumstellung für Ende 2021.

Was ist das Problem bei der Abschaffung der Zeitumstellung?

Die Mitgliedsstaaten der EU sind sich nicht einig. Soll dauerhaft Sommerzeit oder Normalzeit gelten - oder alles so bleiben, wie es ist? Bisher konnte man sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Fehlende Absprachen aber könnten einen Flickenteppich verschiedener Zeitzonen innerhalb der EU ergeben oder das ganze Vorhaben noch zum Scheitern bringen. Seit 2002 ist die Umstellung EU-weit einheitlich geregelt, um Probleme durch unterschiedliche Uhrzeiten im Gütertransport oder bei Flug- oder Bahnverbindungen zu vermeiden.

Auch in Deutschland ist die Frage, ob man sich für eine dauerhafte Winter- oder für die Sommerzeit entscheidet. Die Winterzeit ist die in Deutschland geltende normale Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Mehr als die Hälfte, die an der Online-Petition teilgenommen hatten, votierten für eine dauerhafte Sommerzeit - und folglich dagegen, die Winterzeit beizubehalten.

Winterzeit ist die normale Mitteleuropäische Zeit

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin spricht sich aber für eine Beibehaltung der Normalzeit aus. Das Tageslicht und insbesondere der Blauanteil des Sonnenlichts sei der "Hauptzeitgeber" für die innere Uhr des Menschen und maßgeblich für den Wach-Schlaf-Rhythmus. All dies wird den Experten zufolge am besten durch die Winterzeit gewährleistet. Durch Umstellung auf Sommerzeit drohe hingegen ein Schlafmangel, der zu Konzentrations- und Leistungseinbußen sowie mehr Unfällen führe.

Auch der Deutsche Lehrerverband fürchtet für den Fall einer dauerhaften Umstellung auf Sommerzeit gesundheitliche Gefahren für Schüler. Nach Umstellung auf die permanente Sommerzeit würden besonders Teenager leiden, die - bedingt durch die Pubertät - einen verschobenen Biorhythmus haben und Langschläfer sind, so der Münchner Chronobiologe Till Roenneberg.

Auf der Blauen Couch verrät der Schlafforscher Till Roenneberg, was er von der Zeitumstellung hält.

Bildrechte: dpa/picture alliance, Montage: BR

Welche Folgen hat die Zeitumstellung für den Menschen?

Empfindliche Menschen leiden eine ganze Weile unter einer Zeitumstellung, denn sie kann den Organismus belasten und zu Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit führen. Die Folgen können Müdigkeit, Bluthochdruck, Schlafstörungen und Konzentrationsschwäche sein.

Es kann einige Tage sogar bis Wochen dauern, bis sich der Körper an den neuen Rhythmus gewöhnt hat. Die Umstellung im Frühjahr fällt vielen Menschen schwerer als der Wechsel im Herbst.

Die meisten wünschen Befragten wünschen sich eine dauerhafte Sommerzeit. Viele Wissenschaftler und Ärzte finden das keine gute Idee.

Bildrechte: BR

Warum kam es überhaupt zur Umstellung der Zeit?

Als 1980 die Sommerzeit eingeführt wurde, geschah dies mit den besten Absichten: Nach der Ölkrise 1973 wollte man im Sommer Strom sparen und das Tageslicht besser nutzen.

Ob die Rechnung aufgegangen ist, da streiten sich die Experten bis heute. Denn auch wenn es abends länger hell ist, wird gerade in den kälteren Monaten dafür morgens mehr geheizt. Die Einsparungen sind, wenn überhaupt, minimal.

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