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Symbolbild: Eine Demonstrantin mit einem Plakat "Stell Dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin"

Symbolbild: Eine Demonstrantin mit einem Plakat "Stell Dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin"

Bildrechte: picture alliance/dpa | Mia Bucher
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    "Heile-Welt-Blase": Kritik an Brief gegen schwere Waffen wächst

    In einem offenen Brief warnten Prominente Bundeskanzler Scholz vor der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine. Doch die Haltung der Intellektuellen wird scharf kritisiert. Auch der Münchner Soziologe Armin Nassehi nennt die Einstellung "naiv".

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    "Er ist eher eine intellektuelle Beleidigung", so bewertet der Münchner Soziologe Armin Nassehi auf Twitter den offenen Brief, in dem sich 28 Intellektuelle und Personen aus Kunst und Kultur an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gewandt hatten. Der Brief war eine Reaktion darauf, dass der Bundestag am Donnerstag mit großer Mehrheit die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine gebilligt hatte. Die Befürchtung der Unterzeichnenden, darunter "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer, der Schauspieler Lars Eidinger und der Kabarettist Gerhard Polt: Weitere schwere Waffen könnten zu einer Eskalation führen, der russische Präsidenten Wladimir Putin könne darin etwa einen Anlass sehen, den Krieg auf die Nato auszuweiten. Unter dem Hashtag #offenerbrief häufte sich am Wochenende wiederum auf Twitter die Kritik an dieser Position.

    Armin Nassehi kritisiert den offenen Brief scharf

    In seinem Thread setzt sich Nassehi mit der Position des Briefes auseinander: Waffenlieferungen als mögliches Motiv für eine Ausweitung des Krieges seien "zu simpel". Der völkerrechtswidrige Angriff auf die Ukraine sei bereits verbrecherisches Motiv genug, unabhängig von einem potentiellen Atomschlag. Der Brief enthalte außerdem genau diejenige Reaktion, die sich Putin durch einen angedrohten Atomschlag erhoffe: Zurückhaltung.

    Argumente gegen die Waffenlieferung nicht stichhaltig

    "Würde man das vorherige Argument ernst nehmen, könnte man auch sagen: Das wäre doch geradezu eine Einladung für den Aggressor, sich weiterhin eskalierend verbrecherisch zu betätigen, wenn ihm nicht militärisch die Stirn geboten wird (…)", so Nassehi. Der Brief liefere kein einziges stichhaltiges Argument gegen Waffenlieferungen, "sondern nur Behauptungen und falsche Prämissen", so Nassehi weiter. Die Schlussfolgerung, "dass das Problem nur durch einen Kompromiss gelöst werden könne", hält er für falsch: "Es ist mindestens naiv, damit nicht einmal zu rechnen und zu glauben, man könne sich so schlicht heraushalten." Den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern des Briefes gehe es "nur darum, sich im besorgten Modus des Einmischens möglichst herauszuhalten. Aber wir sind schon mittendrin."

    "Wahnsinn" und "Heile-Welt-Blase"

    Satirisch-kritisch äußerte sich etwa auch der Satiriker und Moderator Jan Böhmermann: "Wenn Putin Deutschland mit Atomraketen angreift, wird sich der intellektuelle Schaden jedenfalls in Grenzen halten", schrieb er auf Twitter.

    Als "Wahnsinn" bezeichnete der FDP-Abgeordnete Konstantin Kuhle die Positionen des Briefes in einem Tweet. Von einer "Heile-Welt-Blase", die sich der dokumentierten Kriegsverbrechen verschließe, sprach der Europa-Abgeordnete der Grünen, Erik Marquardt.

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