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Ein Mädchen sitzt mit einer Weltkugel vor dem Fenster

Der Krieg in der Ukraine kann Kinder und Jugendliche verunsichern. Eltern sollten deshalb genau auf ihren Nachwuchs eingehen.

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Unterstützung für Eltern: Wie mit Kindern über Krieg sprechen?

Krieg ist ein heikles Thema, umso schwieriger ist es deshalb, mit Kindern darüber zu sprechen. Was ist das Wichtigste, das Eltern in dieser Situation tun können und wie nimmt man Kindern die Angst? Das BR-Format "Eltern ohne Filter" gibt Antworten.

Von
Kristina WeberKristina WeberBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Für die meisten Familien in Bayern war das sehr lange kein Thema mehr: Krieg in Europa. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine sorgen sich aber auch viele Kinder und haben Fragen. Ob und wie sollen Mütter und Väter mit ihrem Nachwuchs über das Geschehen sprechen? "Eltern ohne Filter" hat die Autorin und Pädagogin Inke Hummel um Unterstützung gebeten.

Sollen Eltern das Thema Krieg von sich aus ansprechen?

Grundsätzlich sei das Wichtigste, das Eltern in der jetzigen Situation tun können, ihre Kinder ernst zu nehmen, so die Bloggerin und Autorin von Ratgeber- und Kinderbüchern Inke Hummel. Ein Satz wie "du musst keine Angst haben" ist dabei nicht hilfreich, auch wenn das so manchem Elternteil vielleicht spontan schnell über die Lippen kommt. Den Kindern spricht man damit aber die Gefühle ab, die Angst ist da. Mütter und Väter sollten nicht passiv in Angst erstarren, sondern aktiv damit umgehen. "Und dafür müssen wir mit Kindern reden und zwar altersentsprechend", so Hummel.

Das bedeutet, jüngere Kinder benötigen eine andere Herangehensweise als ältere. "Wenn das Thema nicht aufkommt, würde ich es von mir aus nicht ansprechen", rät die Erziehungsexpertin. "Die Kinder, die mit der Thematik schon was anfangen können, werden sich sicher äußern, weil sie im Radio, bei Freunden im Kindergarten oder in der Schule etwas aufschnappen, und dann muss man damit umgehen." Aber sonst würde sie das erstmal nicht thematisieren und die Kinder nicht belasten, betont Hummel.

Expertin rät: Kleine Kinder nicht überfordern

Kommt der Nachwuchs dann von selbst auf die Eltern zu, sollten Mütter und Väter ihre Kinder nicht überfordern. "Kleineren Kinder helfen Erklärungen, die sich sehr konkret auf ihre Lebenswelt beziehen, weil sie das am besten verstehen können", sagt die Autorin. Jüngere Buben und Mädchen könnten noch nicht so abstrakt denken und würden noch viel Gefühl und Realität miteinander vermischen.

Deshalb spricht sich Inke Hummel dafür aus, die Lage auf die Kinderwelt runter zu brechen: "Da zanken sich Menschen, die sind so wütend, dass man sie nicht richtig ansprechen kann und deswegen wird das ein ganz doller Zank. Jetzt müssen andere dabei helfen, dass sie das lösen können. Und da sind jetzt alle dabei und das kann ein bisschen dauern". Weiter müsse man auch gar nicht spekulieren. "Es sei denn, es kommen weitere Nachfragen, dann muss man gucken, wie man das wieder so konkret und runtergebrochen wie möglich erklären kann."

Wie damit umgehen, wenn Kinder beängstigende Bilder gesehen haben?

Schwierig wird es immer auch dann, wenn Kinder schon Bilder gesehen haben, die Angst hervorrufen können. Pädagogin Inke Hummel empfiehlt den Eltern, dann aber ruhig zu bleiben. Sie rät dazu, erstmal nachzuhaken, was die Kinder genau gesehen haben und wo sie was gesehen haben. Dann könne man versuchen, das einzuordnen, was da kommt.

Laut Hummel sei es dann auch von großer Bedeutung, Zuversicht zu vermitteln: "Die ganze Situation möglichst als gesichert und geschützt darstellen, das hilft den Kindern erstmal damit umzugehen. Nicht zu sehr ins Detail gehen, nicht spekulieren und zukünftig darauf zu achten, was die Kinder sehen, eben altersentsprechend. Vielleicht Kindernachrichten miteinander zu gucken", rät die Expertin im BR-Format "Eltern ohne Filter"..

Eventuell eigene Ängste zurückhalten

Wenn Erwachsene Angst haben, sollten sie sie eher zurückhalten, empfiehlt Inke Hummel. "Wenn sie mich nicht total anfrisst, würde ich versuchen, sie nicht zu zeigen - gerade bei kleineren Kindern", erklärt die Familienbegleiterin. "Bei größeren Kindern kann man ja schon sachlicher und argumentativer miteinander umgehen mit der Angst und dem ganzen Thema. Wenn man aber spürt, dass man Angst hat, kann man die natürlich auch äußern, dem Kind gegenüber sagen."

So kann man beispielsweise Sätze formulieren mit "Ich weiß auch nicht so richtig" oder "Das macht mir auch Sorge". Aber nur so viel, wie möglich ist, betont Hummel. Außerdem sei es unentbehrlich, nicht passiv ängstlich zu sein, sondern wirklich zu prüfen, was kann man tun, um mit der Angst besser zurecht zu kommen. Kann man mehr lesen? Kann man mehr in Erfahrung bringen? Kann man manche Quellen vielleicht meiden, weil die einen stressen? Für die Autorin steht im Fokus, dass die Kinder merken: "Angst ist ok, man kann sich ihr stellen und man kann damit leben".

Über Krieg sprechen: Auf was ist bei Jugendlichen zu achten?

Anders als bei kleineren Kindern soll man bei Jugendlichen aktiv das Gespräch suchen - etwa bei einem gemeinsamen Essen oder wenn man gemeinsam Auto fährt, so Hummel. Fragen wie "Magst du drüber reden?" oder "Sollen wir irgendwas einordnen?" können hilfreich sein, um ins Gespräch zu kommen. Dabei kann es oft auch ganz spannend sein, von den Teenies zu hören, wie sie die Situation einordnen. Priorität hat für die studierte Pädagogin aber auch, klar zuzugeben, wenn man etwas nicht weiß.

Viele Eltern sind immer wieder auch unsicher, wie viel sie sagen sollen. Denen rät die Erziehungsberaterin im BR-Instagramformat "Eltern ohne Filter", sich altersentsprechend zu äußern: "Was heißt das genau? Wirklich nur hören, was ist bei den Kindern los, was beschäftigt sie und darauf reagieren und nicht noch on top irgendetwas mitbringen. Außer vielleicht in einer Diskussion mit einem sehr interessierten, nicht brutal verängstigten Jugendlichen, da kann man natürlich auch andere Dinge ansprechen, die einen so beschäftigen." Die Tendenz sei grundsätzlich aber, immer eher ein bisschen weniger zu sagen, als ein bisschen zu viel. Die Kinder sollen "sich gesehen fühlen und das Gefühl haben, man ist mit dem Thema gut umgegangen".

Pädagogin Hummel empfiehlt, Inhalte in sozialen Medien kritisch zu betrachten

Wenn Erwachsene selbst ratlos sind, dürfen sie das auch ruhig zugeben, meint Inke Hummel. "Aber je jünger die Kinder sind, desto wichtiger ist es wirklich, dass sie sich in Sicherheit fühlen und da sollte man möglichst gucken, dass man sich nicht total verzweifelt zeigt, das kann man dann lieber mit der Freundin oder dem Freund besprechen oder dem Partner oder der Partnerin, also mit anderen Erwachsenen." Gegenüber Kindern sollten Mütter und Väter in diesem Fall nur so ehrlich sein, wie es unbedingt sein muss.

Viele Kinder und Jugendliche informieren sich auch immer mehr über das Internet. Doch wie können Eltern ihren Kindern Ängste wie etwa vor einem dritten Weltkrieg, die auch durch Social Media entstehen, evtl. nehmen? "Zum Einen wär es natürlich wichtig, dass ich medienkompetent bin und das auch mit meinen Kindern übe, dass wir kritisch damit umgehen", sagt Erziehungsexpertin Hummel. "Es wird jetzt ja davor gewarnt auf Twitter zum Beispiel nicht alles gleich zu glauben und alles gleich zu teilen was da so kommt, denn es ist auch einfach viel Propaganda, also es sind viele Leute die sich profilieren wollen, und irgendwelche Fotos irgendwo aufgabeln, einen Text dazupacken und das teilen,  das muss man einfach sehr kritisch sich anschauen und auch überlegen wo man sich besser nicht informieren sollte." Zum anderen sei es laut Hummel auch nicht notwendig, "wirklich im Minutentakt alles zu aktualisieren und jedes Detail aufzusaugen".

Blick auch mal auf schöne Dinge richten

Im BR-Instagramformat "Eltern ohne Filter" empfiehlt Inke Hummel, die Angst der Kinder grundsätzlich nicht aus den Augen zu verlieren - auch im Nachgang. "Was Familien gut tun können danach, nach so einem Gespräch oder rundherum um so ein Gespräch ist, eventuell sich nochmal anders mit Angst zu beschäftigen. Zum Beispiel fiel mir heute Morgen als erstes das Buch vom Grüffelo-Kind ein, das sich ja auch seiner Angst stellt und von der Maus ziemlich reingelegt wird und da kann man einfach nochmal anders auf Angst gucken mit so einem Buch."

Mütter und Väter sollten ihren Kindern am Ende Schutz bieten und Erziehungsmethoden anpassen. "Wenn die Ängste groß sind, ist es vielleicht eine Zeit lang wieder okay wenn das Kind zurück ins Elternbett kommt, oder wenn man tagsüber mehr kuschelt." Auf der anderen Seite findet sie es essentiell, sich eben nicht nur mit Angst zu beschäftigen, sondern zu schauen, was gibt es sonst noch auf so der Welt. "Auch wenn das wirklich jetzt schlimm ist und riesengroß, müssen wir uns nicht nur da drum drehen. Wir dürfen auch noch uns damit befassen, was für ein neuer lustiger Kinderfilm ins Kino gekommen ist, was nächste Woche im Kindergarten oder in der Schule ansteht, was bei den Hobbies angesagt ist. Also den Fokus auch ein bisschen auf andere Dinge und auf schöne Dinge richten", so Inke Hummel.

Mehr zu diesem Thema auch im BR-Instagramformat "Eltern ohne Filter"

Video aus der BR-Abendschau zum Thema:

Psychologin Elisabeth Raffauff in der BR-Abendschau zum Thema "Wie mit Kindern über Krieg sprechen"

Bildrechte: BR

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