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S-Bahn steht in einem Bahnhof. Das 9-Euro-Ticket gilt ab dem 1. Juni. Schon jetzt kann man es kaufen.

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9-Euro-Ticket: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Heute ist der offizielle bundesweite Verkaufsstart für das 9-Euro-Ticket, auch wenn es regional zum Teil schon vorher verfügbar war. Gültig ist das Ticket ab Juni jeweils für einen Monat bis August – deutschlandweit im Nahverkehr.

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Anton RauchAnton Rauch
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An diesem Montag beginnen die Deutsche Bahn und zahlreiche Verkehrsverbünde und -unternehmen mit dem Vorverkauf des 9-Euro-Tickets. Das Rabatt-Ticket ist ein Bestandteil des "Energiekosten-Entlastungspakets", das die Bundesregierung Ende März im Grundsatz beschlossen hat. Am Donnerstag und Freitag wurde es von Bundestag und Bundesrat bestätigt.

In den vergangenen Wochen wurden viele Fragen geklärt, zum Beispiel wie das "Einsteigerangebot" zu bekommen ist und welche Regeln gelten. Das Gute: Es scheint unbürokratisch zu werden für die Kunden – auch für Pendler und Menschen, die schon lange Monatskarten und andere Abos nutzen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Ab wann gibt es das 9-Euro-Ticket und wie gilt es?

Der offizielle Verkaufsstart ist der erste Tag, an dem das 9-Euro-Ticket gilt, also der 1. Juni. Einige Verkehrsunternehmen und Städte haben mit dem Verkauf aber schon in den vergangenen Tagen begonnen. In Wuppertal konnten Interessierte das Ticket sogar schon am Mittwoch vor Zustimmung durch Bundestag und Bundesrat kaufen.

Ab Montag gibt es die Tickets vielerorts, auch in den Automaten der meisten Verkehrsbetriebe. Auf der Bahn-App DB Navigator werde das Ticket ab "den frühen Morgenstunden" erhältlich sein, teilte ein Bahnsprecher mit. In den DB-Reisezentren starte der Verkauf, "sobald diese öffnen". Nutzen kann man das 9-Euro-Ticket ab 1. Juni.

Zum Aktionszeitraum vom 01. Juni bis zum 31. August 2022, schreibt der Münchner MVV. "Das 9-Euro-Ticket wird für die Monate Juni, Juli und August jeweils zum Preis von neun Euro pro Monat angeboten. Wer sich das 9-Euro-Ticket in allen drei Monaten kauft, zahlt somit 27 Euro."

Ein 9-Euro-Ticket ist für einen Kalendermonat gültig. Es kann aber an jedem Tag des Monats gekauft werden und ist dann entsprechend bis zum letzten Tag des Monat gültig, also bis 30. Juni beispielsweise oder bis 31. August. Die Automaten der Verkehrsbetriebe werden die 9-Euro-Tickets in ihrem jeweiligen Design drucken. Es sind personalisierte Tickets, die möglichst unterschrieben werden sollten, ähnlich wie das Bayernticket.

Wo gilt das 9-Euro-Ticket? Womit darf ich fahren?

Das 9-Euro-Ticket soll im Nah- und Regionalverkehr gelten und zwar in ganz Deutschland. Das heißt, wer in Nürnberg, Augsburg, oder München ein 9-Euro-Ticket kauft, hat die Regionalzüge der Bahn und aller Privatbahnen inklusive und kann auch in den jeweils anderen Verkehrsverbünden fahren. Das bedeutet, dass die Strecken München - Hof oder Nürnberg - München etwa mit direkten Regionalzugverbindungen erreichbar sind.

Von Augsburg können Fahrgäste zum Beispiel nach Lindau fahren. Wer mehrere Male Umsteigen in Kauf nimmt, kann etwa von Oberbayern innerhalb eines Tages auch die dänische Küste erreichen, wenn er oder sie früh losfährt. Am Zielort sind dann alle öffentlichen Verkehrsmittel des Nahverkehrs kostenlos. Wer aus Würzburg nach München kommt, kann also mit seiner Würzburger Karte in Regionalzüge der BRB steigen und in den Chiemgau fahren oder eben den MVV- Raum nutzen.

Auf der MVV-Homepage heißt es: "Inbegriffen sind dabei insbesondere Linienbusse, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen und Regionalzüge (2. Klasse). Das 9-Euro-Ticket gilt jedoch nicht im Fernverkehr (zum Beispiel ICE, IC oder EC)." Ansonsten gelten die jeweiligen Beförderungsbedingungen. Wer zum Beispiel in seinem Abo eine Fahrradmitnahme am Wochenende inbegriffen hat, der darf auch weiter das Rad kostenlos mitnehmen. Andere brauchen eine Fahrradkarte.

Wie finde ich Verbindungen, wenn ich mit dem 9 Euro-Ticket verreisen will?

Reisepläne nur mit Regional- und Nahverkehrszügen aufzustellen erfordert einige Mühe. Die Bahn bietet in ihrer Navigator-App und auf Bahn.de die Möglichkeit, bei Reiseverbindungen "Nur Nah-/ Regionalverkehr" zu filtern. Dann werden nur Züge vorgeschlagen, die mit dem 9-Euro-Ticket nutzbar sind.

In der Navigator-App muss die Einstellung noch mit "Fertig" und "Bestätigen" quittiert werden, dann lässt sich die Suche starten. Zum Beispiel von Nürnberg nach Berlin oder von Regensburg nach Saarbrücken. Mit ein paar Mal umsteigen und ein wenig Aufwand lässt sich so Deutschland bereisen: Von Südbayern geht es dann leicht in die fränkische Schweiz oder bis in die Lüneburger Heide.

Tatsächlich war ein Trend im Netz die Anreise auf die Insel Sylt mit dem 9-Euro-Ticket von Berlin. Von München soll die Strecke über 14 Stunden dauern, vorausgesetzt, die Anschlüsse passen. Auch einige Unternehmen im Nah- und Regionalverkehr haben Auslastungsanzeigen, damit man volle Züge vermeiden kann. Und man solle doch mal neue Regionen auswählen, wo nicht alle hinwollen, raten Bahnen und Touristiker.

Wer schon eine Monats- und Wochenkarte hat, profitiert auch

Wer bereits als Stammkunde eine Monats- oder Wochenkarte hat und sich den Normalpreis abbuchen lässt, der soll automatisch für jeden der drei Monate nur neun Euro zahlen. Seine Monatskarte gilt als 9-Euro-Ticket. Der MVV weist darauf hin, dass niemand sein Abo kündigen muss, um das 9 -Euro-Ticket zu bekommen. Alle Bedingungen gelten weiter, bis auf den Preis, der dann, so MVV-Chef Rosenbusch zu BR24 "unglaublich preisgünstig" sei. "Ich glaub' man kann es ins Schaufenster stellen, ein echtes Knallerangebot." Rosenbusch sagt, er glaube "für uns ist das eine Riesenchance zu zeigen, dass wir attraktiv sind."

Generell gilt, die Unternehmen, bei denen das Ticket gekauft worden ist, sind auch für Erstattung oder die geringere Abbuchung, schlicht für die Verrechnung des 9-Euro-Tickets mit bestehenden Fahrkarten, zuständig. Informationen gibt es auf der Homepage der Verkehrsunternehmen.

Welche Bedingungen gelten für Rentner, Studenten und Schüler?

Das 9-Euro-Ticket gilt für jeden zu dem Preis für einen Monat als auch für Rentner und Schüler. Kinder unter sechs Jahren fahren kostenlos. Schüler und Studierende können das 9-Euro-Ticket nutzen und kaufen. Wenn sie ein 365-Euro Ticket haben, können sie anteilig sich Geld erstatten lassen. Die Anträge soll es bei den jeweiligen Verbünden und Verkehrsunternehmen geben. Bei Semestertickets gibt es an den Hochschulstandorten in Bayern unterschiedliche Preise und Bedingungen.

Alle Semestertickets werden ab 1. Juni zu einem 9-Euro-Ticket, "egal ob sie günstiger oder teurer waren, egal ob sie räumliche oder zeitliche Ausschlüsse hatten, das betrifft also nicht nur das 365€-Ticket." Paulus Guter vom Arbeitskreis Semesterticket an der Uni Erlangen Nürnberg hat BR24 darauf hingewiesen, dass niemand irgendetwas ergänzend kaufen müsse. Die Abwicklung ist unterschiedlich je nach Hochschule und Verkehrsunternehmen dort. Guter sagte dem BR, dass viele Hochschulen die Differenzbeträge erst im nächsten Semester verrechnen wollten, um Bürokratie zu vermeiden. Nähere Informationen gibt es bei den örtlichen Unternehmen und Studentenwerken.

Hier ist die Bitte, dass nicht alle in den ersten Tagen kommen sollen. Senioren erhalten ebenfalls ihre Monatskarten angerechnet. Sie profitieren sogar besonders, weil die 9-Euro-Tickets nicht nur erheblich günstiger sind als die Seniorenkarten, sondern weil auch die Sperrzeiten entfallen morgens früh im Berufsverkehr.

Was sind mögliche Nachteile des 9-Euro-Tickets?

Das 9-Euro-Ticket ist ein sehr attraktives Angebot. Weil Kunden damit deutschlandweit für einen Bruchteil der sonst gültigen Sparpreise, etwa des Bayern-Tickets, verreisen können, werden sehr viele Menschen es kaufen und nutzen. Das heißt, Züge und Busse dürften zeitweise sehr voll werden. Etwa Pendlerzüge zur Hauptverkehrszeit oder Regionalzüge in die Tourismusregionen am Wochenende.

Plätze reservieren ist nicht möglich im Regional- und Nahverkehr. Unternehmen und Fahrgastverbände befürchten daher Gedränge. Mehr Züge, Trambahnen oder Busse sind kurzfristig kaum zu bekommen, um das Angebot auch auszubauen. Deshalb ist zu erwarten, dass es "auf einigen Strecken auch zu Überbesetzungen kommen kann," so der MVV.

In Augsburg und Nürnberg haben AAV und VGN berichtet, dass sie alles fahren lassen werden, was sie haben, das heißt, es können auch ältere Fahrzeuge wieder eingesetzt werden, die möglicherweise nicht barrierefrei sind. Auch die privaten bayerischen Bahnunternehmen raten, wenn möglich Züge zu wählen, die nicht erwartungsgemäß überfüllt sein werden.

Es kann auch schwierig werden, Fahrräder mitzunehmen, einfach weil die Züge nur eine begrenzte Anzahl von Fahrradplätzen haben. Züge in die Ausflugsregionen werden voraussichtlich sehr voll sein. Deshalb appelliert beispielsweise Arnulf Schuchmann von der Bayerischen Regiobahn (BRB) an das Verständnis und die Geduld der alten und neuen Fahrgäste. Die BRB betreibt zum Beispiel die Regionalzüge ins Bayerische Oberland. Aber das dürfte in andere Ausflugsregionen nicht anders sein.

Video: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum 9-Euro-Ticket im BR24Live

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum 9-Euro-Ticket im BR24Live

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Jörg Carstensen

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