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Geflüchtete an der ukrainisch-polnischen Grenze

Geflüchtete an der ukrainisch-polnischen Grenze

Bildrechte: privat
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    Gunzenhäuser holen Geflüchtete aus der Ukraine

    1.300 Kilometer, 16 Stunden Fahrt. Das Ziel: Der polnische Ort Dorohusk und dann weiter in die Ukraine. Ein privater Hilfstrupp hat sich aus Gunzenhausen auf den Weg in das Grenzgebiet gemacht. Der Trupp brachte Medikamente und holte Flüchtlinge ab.

    Von
    Franziska DrexlerFranziska Drexler
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    Es hat unter null Grad, als die acht Männer aus Gunzenhausen die polnisch-ukrainische Grenze erreichten. In vier Kleinbussen transportierten sie unter anderem Hygieneartikel, Schlafsäcke und Medikamente. Hunderte Frauen und Kinder warten dort, haben teils nichts dabei, nur noch die Kleidung am Leib. Nach vier Stunden Wartezeit wegen bürokratischen Formalitäten kann der Hilfstrupp aus Gunzenhausen in die Ukraine.

    "Ich kann meine Familie nicht alleine lassen"

    Dort stehen bereits Fluchthelfer mit einem Reisebus bereit. Vorher als Transportmittel für Flüchtlinge genutzt, soll er jetzt mit den Sachspenden beladen werden. Diese gehen dann in den Ort Korosten – rund 140 Kilometer von Kiew entfernt. Organisiert wurde der Bus unter anderem von dem Fluchthelfer Victor Vicek. Der junge Mann lebt seit einigen Jahren in Eichstätt, stammt ursprünglich aus dem ukrainischen Ort Korosten. Als der Krieg ausbricht, ist für Victor klar, dass er helfen muss. "Mein Volk, meine ganze Familie ist noch da. Ich kann sie doch nicht einfach allein lassen", erzählt Vicek.

    Von einer Garagensammlung zur großen Hilfsaktion

    Er meldet sich bei der Flüchtlingshilfe in Wald bei Gunzenhausen. Diese hat bereits Kontakt zu anderen Menschen, die helfen wollen – darunter Sandra Kretzer. Gemeinsam mit weiteren Mitstreitern wie Evi Augustin, Stefanie Schwarz und dem Walder Dorfladen hat sie eine Hilfsaktion gestartet. Los ging alles mit einer Sammlung von vielen Hilfsgütern in Sandra Kretzers heimischer Garage. Was dann in Gunzenhausen folgt, überwältigt sie immer noch. "Die haben uns wirklich förmlich überrannt mit dieser Hilfe", sagt Sandra Kretzer. Mittlerweile ist aus dem Garagen-Lager eine Halle in Frickenfelden geworden, die ein örtliches Unternehmen kostenfrei zur Verfügung gestellt hat. Neben Sandra Kretzer packen zahlreiche weitere helfende Hände mit an. Hier werden die Sachen für den Weitertransport in die Ukraine vorbereitet.

    Ehemänner, Brüder und Väter bleiben zurück

    Die erste Fahrt macht Victor noch allein mit seiner Frau. Dann kommen immer mehr Helfer dazu, so wie die acht Männer, die am vergangenen Sonntag kurzerhand ihre Kleinbusse mit Medikamenten und anderen Sachspenden beladen und losfahren. Nachdem sie die Hilfsgüter an die Fluchthelfer vor Ort verteilt haben, bringen sie Frauen und Kinder über die Grenze – darunter auch die 34-Jährige Oksana S., die mit ihren beiden Töchtern und ihrer Mutter geflohen ist.

    "Als die ersten Bomben auf meinen Ort fielen, war mir klar, dass ich mit den Kindern dort weg muss. Es war ganz schwierig, weil mein Mann, mein Papa und mein Bruder geblieben sind. Es ist ganz schwer für mich." Oksana S., geflüchtete Ukrainerin

    Lange Wartezeiten durch Formalitäten

    Nach sechs Stunden Grenzformalitäten können die Helfer wieder zurück nach Polen fahren. Anschließend werden in einer Sammelunterkunft alle Daten erfasst – Autokennzeichen, Pässe, wer fährt mit wem. Manche Frauen bleiben in Polen bei Freunden oder Familie, andere – wie Oksana – wollen weiter mit den Helfern Richtung Franken. Insgesamt sind das 22 Frauen und sechs Kinder.

    Turnhalle wird zu Notunterkunft

    Dort bereitet man sich währenddessen auf die Ankunft der Flüchtlinge vor. In Pfofeld wird die örtliche Turnhalle umgebaut. Gerade einmal 600 Menschen leben in dem kleinen Ort unweit des Brombachsees. 60 von ihnen packen sofort mit an – alle ehrenamtlich rund um Bürgermeister Reinhold Huber (Unabhängige Wählergemeinschaft Pfofeld). Nach einem Tag steht die Notunterkunft für 30 Personen. Ein warmes Essen, ein herzlicher Empfang. Als der Hilfstrupp zurückkommt, warten die ehrenamtlichen Helfer im Dorf schon.

    "Ich bin so zufrieden, weil ich Schutz habe. Die Leute haben uns hier so herzlich aufgenommen, das tut gut. Vielen Dank. Ich bedanke mich für alles, was ihr für uns tut. Ich hoffe, dass der Krieg und das alles bald vorbei ist." Oksana S., geflüchtete Ukrainerin

    Ein Zuhause auf Zeit

    Die Turnhalle in Pfofeld wird in den nächsten Tagen das Zuhause der jungen Familie sein. Stück für Stück werden jetzt die Namen der Flüchtlinge durch das Landratsamt erfasst. Auf Dauer sollen sie dann in andere Unterkünfte, wie Ferienhäuser und leerstehende Wohnungen einziehen. Für Oksana S. und ihre Familie steht fest: Sobald es die politische Situation zulässt, wollen sie wieder zurück: "Das ist doch klar. Das ist mein Haus, meine Heimat."

    Hilfsaktion geht weiter

    Noch in dieser Woche soll der nächste Hilfstransport in die Ukraine starten. Sachspenden haben die Organisatoren rund um Sandra Kretzer mittlerweile genug – das Lager ist voll. Nun werde vor allem finanzielle Hilfe benötigt. Wer mit anpacken oder spenden möchte, kann sich bei der Flüchtlingshilfe in Wald melden oder bei Sandra Kretzer direkt. Auf Instagram informiert sie unter "Sandra gesund und bunt" regelmäßig über den aktuellen Stand der Rettungsaktion. Außerdem gibt sie Informationen, wie am besten geholfen werden kann.

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