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Digitale Prüfungen am Gymnasium Pfarrkirchen

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Digitale Prüfungen in der Schule - Kann das funktionieren?

In Bayern soll nicht nur der Unterricht digitaler werden, auch Prüfungen sollen Schüler in Zukunft ohne Zettel und Stift ablegen können. Wie das funktionieren kann, testen in Bayern derzeit 15 Schulen - eine davon ist das Gymnasium Pfarrkirchen.

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Laila HeyneLaila HeyneChristina SchmittChristina Schmitt
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Digitalen Unterricht gibt es schon länger, was es bislang noch nicht gab: Prüfungen in digitaler Form. Bayern will das ändern und schickt jetzt 15 Testschulen vor, um zu schauen, wann und wo sich digitale Prüfungen lohnen könnten. Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt der Stiftung Bildungspakt Bayern, bei dem sowohl Real- und Mittelschulen, als auch Gymnasien die digitalen Ansätze testen.

Digitale Lateinprüfung - so funktioniert es

Eine Testschule ist das Gymnasium Pfarrkirchen im Landkreis Rottal-Inn. Dort hat Lateinlehrer und Schulleiter Andreas Rohbogner zusammen mit einem Kollegen eine erste Probe-Schulaufgabe entwickelt, welche die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse bereits am PC absolvieren mussten. Die Aufgabe: Ovids Metamorphosen übersetzen.

Bei der Konzeption der Schulaufgabe gab es allerdings ein Problem: Die verwendete Software kann manchmal Feinheiten zwischen verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten nicht erkennen und wertet die vom Schüler gewählte Version als falsch, obwohl sie doch möglich wäre. "Wir mussten uns also ein paar andere Aufgaben überlegen", so Andreas Rohbogner. Einzige Bedingung: Die Aufgaben mussten einer Übersetzung gleichwertig sein. So lautete eine der Aufgaben: "Die Übersetzung ist durcheinander geraten - bringe die Sätze per Drag and Drop in die richtige Reihenfolge!" In 45 Minuten mussten die Schüler diese und auch andere Fragen - etwa zur Grammatik - beantworten. Danach konnte die Prüfung direkt ausgewertet werden - mit nur einem Mausklick.

Digitale Lateinprüfung in der 10. Klasse am Gymnasium in Pfarrkirchen

Bildrechte: BR/Laila Heyne

Das denken Schüler und Lehrer über das neue Prüfungsformat

Für die Zehntklässler am Gymnasium Pfarrkirchen war diese Art der Prüfung völlig neu. "Es war das erste Mal, dass wir online etwas geschrieben haben. Ich war sehr gespannt und am Ende war es sogar ein bisschen leichter als gedacht", sagt beispielsweise Sophie Kuttner. Ihr Klassenkamerad Simon Lukes aus Arnstorf wirkt ebenfalls zufrieden mit der Probe-Schulaufgabe: "Ich hatte eine Drei - für mich war das sehr gut und ich hoffe, dass das bei der richtigen Schulaufgabe auch so läuft."

Auch Lateinlehrer Andreas Rohbogner ist mit dem ersten Ergebnis zufrieden: "Es gab keine technischen Probleme und fast alle Schülerinnen und Schüler waren ungefähr bei ihren eigentlichen Noten." Auch in Chemie werden am Gymnasium Pfarrkirchen bald digitale Prüfungen geschrieben - als sogenannte Hybrid-Klausuren: Zwei Drittel sollen die Schüler dann schriftlich festhalten, ein Drittel digital am Tablet. Dabei könnten die Schüler zum Beispiel einen Versuch digital dokumentieren mit Fotos und mit der Beschreibung des dazugehörigen Arbeitsschritts.

Schüler der 10. Klasse beim digitalen Deutschunterricht am Gymnasium in Pfarrkirchen

Bildrechte: BR/Laila Heyne

Digitale Prüfungen auch von zu Hause aus möglich

Digitale Prüfungsformate sind allerdings nicht nur im Unterricht an PCs möglich, sondern auch von zu Hause aus. Zwar können dort keine Schulaufgaben oder Stegreifaufgaben geschrieben werden - die Chance, dass jemand betrügt, wäre dabei einfach noch zu groß. Aber Hausarbeiten, die am Ende ein digitales Produkt als Ergebnis haben, hat das Gymnasium Pfarrkirchen ebenfalls schon erprobt - zum Beispiel im Deutschunterricht.

Dabei mussten Schüler einer anderen zehnten Klasse einen politischen Kommentar verfassen, diesen anschließend vortragen und sich dabei selbst mit dem Handy filmen. Das Ziel: Mit Mimik und Gestik der eigenen Meinung Nachdruck verleihen. Außerdem konnten die Schülerinnen und Schüler so sehen, wie sie beim Vortrag wirken - eine hilfreiche Erfahrung. "Es war einfach mal schön, was anderes zu machen als eine normale Stegreifaufgabe zu schreiben", sagt Schülerin Selina Ertl aus Wittibreut. Sie habe bei der Übung etwas für sich mitgenommen - und das sei besser als "alles auswendig zu lernen und dann einfach herunter zu rattern".

Auch Schulleiter Andreas Rohbogner stuft die ersten Tests mit den digitalen Prüfungsformaten als vielversprechend ein. Sie könnten am Gymnasium in Pfarrkirchen bald schon öfter Teil des Schulalltags sein.

Digitaler Chemieunterricht in einer 8. Klasse am Gymnasium in Pfarrkirchen

Bildrechte: BR/Laila Heyne

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